Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Chronologie

Anmerkung: Ich bin gerade dabei, diese Seite zu überabeiten – bis Ende April 2010 sollte das ganze abgeschlossen sein. Solange lasse ich die alte Version allerdings wie sie ist…

Auf dieser Seite werde ich eine Liste der wichtigsten Ereignisse zusammenstellen, die den bisherigen Ablauf der Krise beschreiben. Die einzelnen Posts im Blog sind zwar eine ganz nette Sammlung – gehen aber zu sehr ins Details. Dadurch ist es schwer, sich einen Überblick über den eigentlichen Ablauf zu verschaffen.

Begonnen habe ich mit den Jahren 2000 / 2001, da dort nach meiner Überzeugung die Ursachen für „die Krise“ zu suchen sind.


letztes Update: 17.04.2010

2000 / 2001:

Nach den 9/11 Anschlägen im Jahr 2001 sah sich die Federal Reserve gezwungen, die Zinsen in Amerika sukzessive zu senken, um zu verhindern, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession fällt. Die Zinsentwicklung in den USA kann man in nachfolgender Grafik an der blauen Linie ablesen:

Zinsentwicklung in USA und Euroland (klicken für größere Darstellung)

Zinsentwicklung in USA und Euroland (klicken für größere Darstellung)

In den Jahren davor wurden die Zinsen immer weiter angehoben, um zu verhindern, dass durch die Dotcom-Blase die Inflation angeheizt wird. Diese Phase steigender Zinsen führte zu einem Top bei 6,5% im Jahr 2000 – und nach dem Blatzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 sanken die Zinsen dann schrittweise innerhalb weniger Monate. Die Anschläge am 11. September und die damit verbundene Schockwirkung auf die Märkte verschärften die rezessiven Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Das hohe Zinsniveau durch die Dotcom-Übertreibungen an den Märkten drohte nun die Wirtschaft vollends abzuwürgen.

2003:

Der Zinssatz in den USA erreicht 1% – der tiefste Stand seit 45 Jahren!

Die Aktienmärkte generell, sowie die US-amerikanische Wirtschaft erholen sich nur langsam vom Schock der 9/11 Anschläge und der Geldvernichtung durch die Dotcom-Blase. Exemplarisch sei hier der Kursverlauf der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ aufgeführt:

Nasdaq-Verlauf vor und nach der Dotcom-Blase (klicken für größere Darstellung)

Nasdaq-Verlauf vor und nach der Dotcom-Blase (klicken für größere Darstellung)

Vom Top im 1. Quartal 2000 verlor der Index ca. 75% bis zum Tief Anfang des 4. Quartals 2002.

Alan Greenspan erinnert sich in seinen Memoiren, wie die Notenbank nach den zwei schweren Hits um eine funktionsfähige Volkswirtschaft in den USA kämpfte und schlussendlich nur hoffen konnte, dass die Wirtschaft nicht abrutschte (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

„…
Ich war optimistisch, doch ganz sicher sein kann man sich nie. In der Notenbank reagierten wir auf die Unsicherheit, indem wir unser Programm der aggressiven Zinssenkungen beibehielten. Wir erweiterten damit die Serie der sieben Zinssenkungen, die wir Anfang 2001 durchgeführt hatten, um die Auswirkungen des Dotcom-Crashs und des allgemeinen Einbruchs am Aktienmarkt aufzufangen. Nach den Anschlägen des 11. September senkten wir die Zinsen noch vier Mal und ein weiteres Mal auf dem Höhepunkt der Unternehmensskandale im Jahr 2002. (…) Bei einer Sitzung des FOMC Ende Juni (2003) (…) war die Deflation das Thema Nummer eins. (…) Dabei gingen wir bewusst das Risiko ein, mit den Zinssenkungen eine neue Blase zu provozieren, eine Art inflationären Boom, dem wir nachher wieder begegnen mussten. Ich war zufrieden damit, wie wir die Risiken gegeneinander abgewogen hatten.
…“

Hier wird klar, was die Notenbank fürchtete: eine Deflation – und ein Abrutschen der Wirtschaft in eine Depression wie in den 30’er Jahren. Dies musste (offensichtlich) unter allen Umständen verhindert werden – durch drastische Zinssenkungen. Und dafür nahm man auch das Risiko in Kauf, nach der Dotcom-Blase eine neue Blase aufzubauen.

Um welche Blase es sich handelte, wissen wir heute: die Immobilienblase. Auch dazu gibt es eine Grafik, an der man die Übertreibungen am Immobilienmarkt sieht – der Verlauf des Case-Shiller Preis-Index für Immobilien. Zu beachten ist dabei, dass die Prozentangaben sich immer auf die Preisänderung zum Vorjahr bezieht! Eine sinkender Verlauf der Kurve bedeutet nicht, dass die Preise gesunken sind, sondern nur, dass die Preise in dieser Zeit weniger stark gestiegen sind:

Case-Shiller Index (klicken für größere Darstellung)

Case-Shiller Index (klicken für größere Darstellung)

Nachfolgend eine weitere Grafik, bei der die Preisentwicklung anhand einer Immobilie in San Diego veranschaulicht wird:

Preisentwicklung San Diego (klicken für größere Darstellung)

Preisentwicklung San Diego (klicken für größere Darstellung)

2003 – 2004:

Durch die Niedrigzinspolitik der Notenbank und die Steuerpolitik der Regierung nahm das Unheil seinen Lauf – aber die Wirtschaft brummte wieder. Die Arbeitslosenquote sank und durch die stetig steigenden Immobilienpreise konnte man sein Haus quasi als Geldautomat benutzen. Die meisten Immobilien wurden beliehen und mit dem Geld wurden neue Immobilien gekauft – oder das Geld einfach zum Konsumieren benutzt.

Da (im Gegensatz zu Deutschland) ein variabler Zinssatz für Kredite in Amerika die Regel ist, profitierten amerikanische Häuslebauer in dieser Zeit in mehrfacher Hinsicht: neben einem stetig steigenden Wert ihrer Immobilien konnten sich die Hausbesitzer über niedrige Zinszahlungen freuen.

Viele amerikanische Hausbesitzer fingen an, mit ihren Immobilien zu spekulieren. Häuser wurden gekauft wie Aktien, um sie anschließend nach kurzer Zeit wieder mit Gewinn zu verkaufen (in diesem Zusammenhang taucht in englischsprachiger Literatur auch öfter der Begriff „Flipper“). Dazu ein Ausschnitt aus einem Spiegel-Artikel von Ende 2007 über die damalige Situation in Miami:


Allein in der Innenstadt waren noch voriges Jahr über 100 Immobilienprojekte im Bau oder in Planung, darunter 82.000 Eigentumswohnungen für im Schnitt rund 200.000 Dollar. Obwohl der Markt seither gekippt ist, ließen sich die meisten Vorhaben nun nicht mehr stoppen: 8000 Wohnungen sollen dieses Jahr noch fertig werden, weitere 12.000 folgen nächstes Jahr.

Doch wer kauft die noch? Mehr als zwei Drittel der bisherigen Interessenten waren „Flipper“: Laien-Investoren, die die Wohnungen nur als Geldanlage kauften, um sie dann schnell wieder mit Gewinn zu verkaufen („flip“) – oft, ohne je darin gewohnt zu haben.

„Dann kam die Realität dazwischen“, sagt Nortmann. Die Preise brachen ein, die Kurzzeit-Hypotheken wurden untragbar, das „Flipping“-System wurde zur Falle.

In diese Zeit dürfte dann auch der Punkt fallen, ab dem die US-amerikanischen Hypothekenfinanzierer sich verstärkt um das sogenannte „Subprime„-Geschäft bemühten: durch die niedrigen Zinsen konnten sich nun (vermeintlicherweise) auch solche Leute ein Traumhaus leisten, die dafür eigentlich überhaupt nicht die entsprechenden Qualifikationen vorweisen konnten. Also z.B. in Bezug auf geregeltes Einkommen, entsprechend vorhandenes Eigenkapital oder schlechte Kredithistorie.

Die Leute, die in dieser Zeit anfingen, Kredite zum Hauskauf / -bau zu nehmen, ist eine Sache. Eine ganz andere, zusätzliche Komponente, sind die Finanz-Produkte, die zu dieser Zeit an den geneigten Kreditnehmer gebracht wurden. Eine „interessante“ Variante sind z.B. die sogenannten „Option-ARMs“ bei denen man zwischen verschiedenen Zahlungsoptionen wählen konnte. So stand beispielsweise eine Variante zur Auswahl, bei der man eine sehr niedrige monatliche Zahlung zu leisten hatte, die aber noch nicht mal die eigentlich anfallenden Zinsen abdeckt. Klar, dass die monatliche Differenz dann auf die Kreditsumme aufgeschlagen wurde, d.h. die Schuld wuchs von Monat zu Monat. Nach einer festgelegten Frist (meist 1 Jahr oder sogar noch länger), wurde der monatlich zu zahlende Betrag dann an marktübliche Zinssätze angehoben und damit stiegen die monatlich zu zahlenden Beträge sprunghaft an – oft sehr zur Verwunderung der Kreditnehmer, die sich u.U. gar nicht richtig mit den Produkten auseinandergesetzt hatten.

Eigentlich sind Option-ARMs eher etwas für gut betuchte Kreditnehmer, die über steigende Einkommen verfügen, um so das sogenannte „resetten“ der monatlichen Zahlungen von den niedrigen Anfangsraten auf marktübliche Raten ohne Probleme wegstecken zu können. Allerdings wurden solche Option-ARM Kredite in der Boomphase immer öfter an Leute vergeben, die eher zum Subprime-Segment gehörten – und wie oben erwähnt „dachten“, dass diese niedrige Raten „normal“ wären – oder zumindest für 5 oder mehr Jahre festgeschrieben wären.

Warum wurden solche „Spielchen“ gemacht? Wer vergab solche Kredite an ahnungslose, eigentlich nicht „kreditwürdige“ Personen – teilweise sogar gegen geltende Vorschriften (z.B. wurden Einkommensnachweise nicht eingesehen oder bereits bestehende Kredite nicht überprüft)!

Nur ein paar Gründe dafür (einige dürften es schon ahnen) – auch hier spielte wieder die Gier eine wichtige Rolle:

  • Kreditvermittler bekamen für den Abschluss eines Option-ARM Vertrages höhere Provisionen als für „normale“ Kredite
  • Banken konnten den vollen monatlichen Betrag als Zahlungen in ihre Bücher aufnehmen – auch wenn der Kreditnehmer eine niedrigere monatliche Zahlung als Option gewählt hatte
  • Banken musten nicht veröffentlichen, wieviel Option-ARMs sie abgeschlossen haben (weshalb es im Nachhinein auch schwer war herauszufinden, welche Bank wie stark in diesem Segment involviert war)

Zur Veranschulichung:

Im Jahr 2003 waren nur 0,5% aller abgeschlossener Kreditverträge sogenannte Option-ARMs – in der ersten Hälfte des Jahres 2006 waren es bereits 12,6% – mit Spitzenwerten von bis zu 40% in Kalifornien oder gar 51% in West Virginia.

Siehe dazu den Artikel „Nightmare Mortgages“ aus der Business Week vom 11.09.2006, den ich aus meinem Google Notebook herauskopiert und hier in den Blog nochmal gepostet habe…

2004 – 2007: kommt noch… 🙂

27. Juni 2007: Bear Stearns lässt die Wall Street zittern

Heute wird zwar gerne von Lehman Brothers als berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, geredet – tatsächlich waren aber die Probleme bei Bear Stearns, bzw. bei zweien seiner Fonds, diejenigen, die es auch hierzulande als erstes in die Mainstream-Medien packten. Und die Summen, um die es hier ging, waren gewaltig: insgesamt rund 20 Milliarden US-Dollar hatten die beiden Fonds „High Grade Structured Credit Strategies Enhanced Leverage Fund“ und „High Grade Structured Credit Strategies Fund“ bei verschiedenen Geldgebern (u.a. alle großen US-Banken, wie z.B. J.P.Morgan Chase, Merill Lynch, Goldman Sachs und Bank of America, die in Folge selbst in’s Straucheln gerieten) eingesammelt und damit am amerikanischen Immobilienmarkt spekuliert und (natürlich) auf immer weiter steigende Immobilienpreise gesetzt.Das ging solange gut, bis die ersten Probleme in Form von sikenden Preisen am Immobilienmarkt auftraten…

Um zu verhindern, dass immer mehr Kunden dieser beiden Fonds ihre noch verbliebenen Vermögenswerte abziehen, unternahm Bear Stearns mehrere Anläufe, seine in schieflage geratenen Fonds zu retten (und die Investoren bei der Stange zu halten) – siehe z.B. „USA: Bear Stearns Hedgefonds in Not…„. Schon damals wurde ein Problem offensichtlich, nämlich das der Bewertung der verbliebenen „Vermögenswerte“ in den Fonds: da es für die Papiere keine liquiden Markt gibt, ist es schwer, für eine Sache einen „Preis“ zu ermitteln.

Alle Anstrengungen nutzten allerdings nichts – am 27. Juni 2007 gab Bear Stearns bekannt, dass einer der beiden Fonds geschlossen werden muss – für den zweiten Fonds gab es zu diesem Zeitpunkt immer noch die Hoffnung, diesen durch Kredite zu retten (die Zahlen schwankten zwischen 1,6 und 3 Milliarden Dollar), aber es war zu diesem Zeitpunkt bereits abzusehen, dass immer mehr Investoren durch die Geschehnisse ihre Gelder in Sicherheit bringen würden – oder zum. das, was davon noch übrig war.

18. Juli 2007: Bear Stearns lässt die Hosen runter

In einem Brief erklärt Bear Stearns, dass der „Enhanced Leverage Fund“ faktisch nichts mehr wert sei – und der zweite, „High Grade Fund“ nur noch sehr wenig. Damit war der Anfang vom Ende für Bear Stearns besiegelt, denn dadurch war das Vertrauen der Anleger und Investoren zerstört.

11 Antworten to “Chronologie”

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  8. […] Da aber sich nur wenige Investitionen rentierten und nur wenige Unternehmen wirklich auf Dauer erfolgreich wurden, wurden Investoren irgendwann verunsichert und verloren ihr Vertrauen in das Internet. Die Unsicherheit verbreitete sich rapide und ein ganzer Wirtschaftszweig geriet ins Schwanken. Die Rezession setzte ein. Die Dotcom-Blase platzte(1.1.3) […]

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