Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Spanien: Sparkasse Caja Sur musste verstaatlicht werden…

Posted by hw71 - 26. Mai 2010


In Spanien braut sich offensichtlich neues Ungemach für das Finanzsystem zusammen. In einer dramatischen Rettungsaktion musste der Staat eingreifen, nachdem eine Fusion der strauchelnden Sparkasse Caja Sur mit einer anderen Bank scheiterte. Allerdings: einmal mehr geht das Vertrauen flöten – für mich ein weiteres Mosaiksteinchen im großen Bild… Nachfolgend zwei Artikel zum Thema gefunden bei derwesten.de und maerkischeallgemeine.de:

Finanzmärkte : Sparkasse Caja Sur löst das nächste Zittern aus

Wirtschaft und Finanzen, 25.05.2010, Peter Hahne

Berlin. Nach Griechenland rückt nun Spanien in den Fokus der Finanzmärkte. Die staatliche Rettung der Sparkasse Caja Sur beunruhigt die Anleger. Die Börsen setzen ihre Talfahrt fort.

Die spanische Sparkasse Caja Sur dürfte hierzulande bislang nur den Wenigsten ein Begriff gewesen sein. Doch spätestens seit dem Pfingstwochenende ist die von der katholischen Kirche kon­trollierte Bank womöglich einer der nächsten Mosaiksteine, die den Beginn der zweiten Phase der Finanzkrise markiert. An den Weltbörsen jedenfalls herrscht enorme Unruhe, seit die Caja Sur verstaatlicht wurde. In Madrid sackten die Kurse um mehr als vier Prozent ab, der Dax rauschte zeitweilig um mehr als drei Prozent in die Tiefe. In den letzten zehn Tagen haben die im deutschen Leitindex notierten 30 größten deutschen damit zehn Prozent ihres Marktwerts eingebüßt. Rote Zahlen beherrschten auch das Bild an den Leitbörsen in den USA und in Asien.

Der Fall Caja Sur

Warum hat eine eher unbekannte Bank aus Córdoba also das Zeug, die Börsen rund um den Globus erneut zum Beben zu bringen? Das Stichwort lautet Vertrauen, denn das ist nach der Rettung der Kirchenbank noch weiter zusammengeschrumpft. Die Caja Sur hat sich während des spanischen Immobilienbooms mit zweifelhaften Krediten vollgesogen und sitzt nun auf einem Riesenberg davon. Da hilft nun auch kein Beten mehr. Börsianer und Experten fürchten, dass die Caja Sur kein Einzelfall bleibt – und die spanische Bank vielleicht den nächsten Flächenbrand im europäischen Finanzsektor auslöst.

Dazu passt ein Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), der den Spaniern eine Sanierung ihres Bankensektors dringend empfiehlt und die Probleme infolge des Immobilienbooms thematisiert. Der Arbeitsmarkt sei außerdem völlig zerrüttet, das Staatsdefizit gerate aus den Fugen, warnt der IWF. Das hört sich vertraut an.

Höhere Risikoaufschläge

Folgt auf Griechenland nun Spanien? Die Märkte scheinen sich warm zu laufen. Die Risikoaufschläge für zehnjährige spanische Staatsanleihen sind am Dienstag auf das höchste Niveau seit der Verabschiedung des 750-Milliarden-Rettungspakets für den Euro geklettert. Im Klartext: Die Börsen verlieren schon wieder die Hoffnung, dass selbst das gewaltige Rettungspaket den hoch verschuldeten Südeuropäern auf Dauer helfen kann. Ein weiteres Indiz: Auch die Risikozuschläge für italienische Staatsanleihen bewegen sich wieder nach oben.

Das alles sind naturgemäß auch keine gute Nachrichten für den Euro. Gestern musste man nur noch rund 1,22 Dollar für einen Euro zahlen. Die Talfahrt der europäischen Gemeinschaftswährung geht damit weiter, im April notierte der Euro bei 1,35 Dollar. Hinter dem Niedergang steht die Sorge, dass die geschnürten Hilfspakete der europäischen Regierungen am Ende doch nicht ausreichen und die Währungsunion am Ende auseinander bricht.

„Herrscht zurzeit nur die Ruhe vor dem nächsten Sturm?“, fragt besorgt die BHF-Bank in einer Marktanalyse. Und kehren die Staaten nach einem großen Knall zu ihren eigenen Währungen zurück? Nein, glaubt Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). „Er wird höchstens in zwei Gruppen zerbrechen, in einen Nord-Euro und einen Süd-Euro.“ Blum spricht aus, worüber viele in­zwischen nachdenken, aber öffentlich kaum zu reden wa­gen. Dass sich nämlich die wirtschaftlichen, haushaltspolitischen und vielleicht auch kulturellen Unterschiede in Europa nicht in eine Währungsunion pressen lassen – und der Euro vielleicht nur eine Schönwetterveranstaltung ist.


24.05.2010, 08:40

WSJ: Spanien verstaatlicht Sparkasse CajaSur

Von Christopher Bjork

WALL STREET JOURNAL

MADRID (Dow Jones)–Spanien hat die in Schwierigkeiten steckende und der katholischen Kirche gehörende Sparkasse CajaSur verstaatlicht. Die 1864 gegründete Bank galt in Spanien als die schwächste unter den Sparkassen, sie hatte vergangenes Jahr einen Nettoverlust von 596 Mio EUR geschrieben und wegen notleidender Kredite auch im ersten Quartal 2010 unter dem Strich 114 Mio EUR verloren. Die spanische Notenbank rechnet damit, dass CajaSur eine Kapitalspritze von mindestens 500 Mio EUR benötigt, um ihre Solvenz wieder herzustellen.

Bei der Verstaatlichung der Sparkasse handelt es sich um die zweite Bankenrettung seit Ausbruch der Finanzkrise. Hinter vorgehaltener Hand kritisierten einige Banker das späte Eingreifen der Zentralbank. Schon bei der Lösung der Probleme der Caja Castilla-La Mancha im März vergangenes Jahres habe die Zentralbank zu lange gezögert, und bei der CajaSur habe sie nun den gleichen Fehler gemacht. CajaSur hat ihren Sitz in Cordoba und ein Kreditvolumen von 13 Mrd EUR ausgereicht. Das Management der Sparkasse wurde nun abgesetzt und drei Verwalter vom spanischen Bankenrettungsfonds eingesetzt. Nach einer Rekapitalisierung soll entschieden werden, ob CajaSur versteigert, aufgespalten oder liquidiert werden soll.

Die Banken-Verstaatlichung könnte die Nervosität mit Blick auf die Kreditwürdigkeit Spaniens erhöhen. Spanische Banken haben es bereits schwer, sich auf den internationalen Kreditmärkten zu refinanzieren. Die 45 Sparkassen des Landes decken rund die Hälfte des Bankengeschäfts in Spanien ab. Ihre Restrukturierung streben sie über Fusionen an, und die spanische Zentralbank hatte zuletzt auf eine Beschleunigung dieses Prozesses gedrängt.

Während der zehnjährigen Boomphase Spaniens besonders im Bau hatten die Sparkassen mit einer Ausweitung ihrer Kredite stark profitiert. Mit dem Einbruch der Häuserpreise und dem Abgleiten von Spanien in eine Rezession häuften sich jedoch die Zahlungsausfälle bei den Sparkassen.

Die Zentralbank versuchte nun Befürchtungen wegen CajaSur zu besänftigen. Das Scheitern der Sparkasse werde das Bankensystem des Landes nicht gefährden, hieß es in einer Mitteilung der Zentralbank.

-Von Christopher Bjork, Wall Street Journal, Dow

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