Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Europa: EZB kauft für 16,5 Mrd. Euro Staatsanleihen

Posted by hw71 - 17. Mai 2010


Gefunden bei ftd.de:

Hilfen für die Euro-Zone

EZB kauft für 16,5 Mrd. Euro Staatsanleihen

Seit die Zentralbank Bonds erwirbt, geht Inflationsangst um. Ihr Chef Trichet versucht mit einer Medienkampagne, die Sorgen zu zerstreuen. Nun nennt die Bank eine erste konkrete Zahl – und wie das zusätzlich in den Markt gepumpte Geld wieder eingesammelt werden soll. von Tobias Bayer Frankfurt

Das Geheimnis ist gelüftet: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der ersten Woche nach Start des Programms Käufe von Staatsanleihen im Umfang von 16,5 Mrd. Euro abgewickelt.

Die dadurch entstandene Liquidität soll durch einen Tender am Dienstag um 11.30 Uhr MESZ wieder abgeschöpft werden. Konkret wird die Zentralbank einwöchige Einlagen („Term Deposits“) zu einem Zinssatz von maximal einem Prozent anbieten. Das teilte die EZB am Montag mit.

Seit Beginn vergangener Woche kauft die EZB Staatsanleihen auf. Sie nannte bisher kein Volumen und schwieg sich auch zur Obergrenze aus. Damit will sie die Märkte im Unklaren lassen und spekulative Attacken erschweren. Analysten hatten das Volumen auf 10 bis 50 Mrd. Euro beziffert. Die jetzt gemeldeten 16,5 Mrd. Euro beziehen sich nur auf die bereits abgewickelten Käufe. Da das „Settlement“ mehrere Tage dauert, kann die tatsächliche Kaufsumme für die Woche höher liegen.

Dennoch dürfte die verhältnismäßig kleine Summe am Markt für Beruhigung sorgen. Denn: Sie zeigt, dass es der Zentralbank gelungen ist, mit einer geringen Intervention den Kursrutsch bei Anleihen zu stoppen. Die angekündigte Sterilisierung dürfte zudem den Inflationssorgen – insbesondere in Deutschland – entgegentreten.

Spätestens am Dienstag wäre das Volumen ohnehin wohl bekannt gewesen. Dann veröffentlicht die EZB ihre wöchentliche Statistik. Aus Punkt sieben mit dem Titel „Securities of euro area residents denominated in euro“ lässt sich das Ausmaß der Käufe ebenfalls ablesen.

Die Zentralbank will die Geldmenge konstant halten. Deshalb setzt sie „Term Deposits“ ein. Der Grundgedanke: Das Geld, das die EZB in das Finanzsystem geschleust hat, parken die Banken wieder bei der Zentralbank. Der Satz von bis zu einem Prozent, der dann über den Geldmarktsätzen liegen würde, schafft dazu Anreize.

„Die Zentralbank begibt also keine eigenen Wertpapiere, sondern saugt die Liquidität erst einmal nur für eine Woche ein. Irgendwann wird sie womöglich selbst Anleihen begeben müssen“, sagte Julian Callow, Volkswirt bei Barclays Capital. „Der Einlagenzinssatz ist relativ hoch.“ Michael Schubert, Volkswirt bei der Commerzbank, zieht Rückschlüsse auf die Dauer des Aufkaufprogramms: „Nächste Woche muss die EZB wieder sterilisieren. Das könnte darauf hinweisen, dass die EZB die Bondkäufe nur als kurzfristige Stützungsaktion ansieht.“

Es gibt noch weitere Optionen zur Neutralisierung. Société-Générale-Volkswirt Klaus Baader hält es für möglich, dass die Zentralbank auf einen Automatismus vertraut. Momentan legen die Banken einen Großteil der Liquidität ohnehin über Nacht bei der EZB an. Mit einem buchhalterischen Kniff könnte die Zentralbank diesen Effekt herausstreichen: „Sie könnte in ihrer Bilanz die Einlage-Verbindlichkeiten aufsplitten und einen Teil davon als Gegenpart zu den Anleihekäufen ausweisen“, sagte Baader.

Für die EZB ist die Sterilisierungsstrategie enorm wichtig. Gerade in Deutschland, in dem die Ängste vor Inflation historisch bedingt groß ausgeprägt sind, hagelt es für die Zentralbank heftige Kritik. In einer Serie von Interviews mit Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern wandte sich Trichet an das deutsche Publikum und strich die Anti-Teuerungshaltung der EZB heraus. „Dass sich die Medienkampagne der EZB auf Deutschland fokussiert, ist der Tatsache geschuldet, dass von dort der größte politische Widerstand zu erwarten ist. Es ist auch das Land, das am stärksten auf eine Reform der Währungsunion dringen wird“, sagte Marco Annunziata, Chefvolkswirt von Unicredit.

Die Emotionalität der Debatte können die Banken nicht nachvollziehen. Laurent Fransolet verweist darauf, dass die Überschussliquidität schon jetzt mit 280 Mrd. Euro enorm hoch sei. „Kurzfristig spielt es keine Rolle, ob die Zentralbank die durch die Staatsanleihenkäufe entstandenen Summen wieder entzieht oder nicht.“ Da das Bankensystem ohnehin über die Vollzuteilung alimentiert werde, führe die Diskussion in die Irre. „Am Ende spielt es keine Rolle, ob die Liquidität über die Hauptrefinanzierungsgeschäfte oder über Staatsanleihenkäufe geschaffen wird. Es ist die gleiche Liquidität.“

Die im Zuge von Nothilfen wie Vollzuteilung und den zusätzlich geschaffene Liquidität schätzen die Experten von Creditsights auf 100 Mrd. Euro. Sollte die Zentralbank die Hilfen wieder zurückfahren, hätte das auf den Anleihemarkt große Auswirkungen. Gerade riskante Hochzinsanleihen würden leiden: „Der europäische High-Yield-Markt hat ein Volumen von 120 Mrd. Euro. Selbst winzige Veränderungen können große Auswirkungen“, so Creditsights.

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