Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Europa: Der Euro ist schwächer als vor der Hilfe…

Posted by hw71 - 16. Mai 2010


… aber noch weit weg vom Allzeittief. Gefunden bei faz.net:

Währungsunion

Der Euro ist schwächer als vor der Krisenhilfe

Das gewaltige Rettungspaket für den Euro kann die Finanzmärkte weiterhin nicht beruhigen: Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Freitag auf den tiefsten Stand seit November 2008. Ein Euro kostete zeitweise weniger als 1,24 Dollar. Auch an den Aktienmärkten sinken die Kurse.

Von Tim Höfinghoff

Euro in Dollar seit Euro-Einführung... (Klicken für größere Darstellung)

14. Mai 2010

Ungeachtet des europäischen Rettungspakets ist der Euro am Freitag auf den tiefsten Wert seit 19 Monaten gesunken. Die Unsicherheit der Anleger sorgte auch auf den Aktienmärkten für Kursverluste. Zudem verteuerten sich Kreditausfallversicherungen (so genannte Credit Default Swaps, CDS) für Anleihen krisengeplagter Euro-Länder, der Goldpreis stieg auf ein Rekordhoch.

Mit einem Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro hatten die europäischen Regierungen sowie der Internationale Währungsfonds erst Anfang dieser Woche versucht, die Lage an den Finanzmärkten zu beruhigen. Hinzu kommen Sparmaßnahmen, wie zum Beispiel Steuererhöhungen in Spanien und Portugal. Die Europäische Zentralbank (EZB) begann damit, Staatsanleihen zu kaufen, um hochverschuldeten Euro-Ländern die Finanzierung zu erleichtern. Die Finanzminister der G-7-Staaten hielten eine Telefonkonferenz zur Lage des Euro ab.

Der Eurokurs fiel am Freitag auf bis zu 1,2359 Dollar. Damit notiert die europäische Gemeinschaftswährung so niedrig wie seit Oktober 2008 nicht mehr. „Der Euro wird weiter abwerten“, sagt Hans-Günter Redeker, Chefwährungsstratege der Bank BNP Paribas. Investoren hätten das Vertrauen in den Euro verloren: „Vermögensverwalter und Notenbanken aus Asien ziehen sich aus dem Euro zurück.“

An den Aktienmärkten sanken die Kurse, besonders Werte südeuropäischer Bankaktien gaben nach. Der Index Euro-Stoxx-50 verbuchte ein Minus von 4,6 Prozent und stand bei 2637 Punkten. Der deutsche Leitindex Dax sank um 3 Prozent auf 6063 Punkte. Die EZB wies Kritik an der Entscheidung zurück, Staatsanleihen zu kaufen. Die Sorge vor Inflation sei unbegründet. In einem „Handelsblatt“-Interview sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: „Wir ändern unseren geldpolitischen Kurs nicht. Es wird keine quantitative Lockerung geben. Wir werden die Liquidität, die wir in den Markt geben, hauptsächlich durch die Ausschreibung verzinslicher Termineinlagen wieder abziehen.“ Nach Darstellung von Trichet solle Deutschland eine stärkere Rolle in der Schuldenkrise übernehmen. „Deutschland ist die größte Volkswirtschaft im Euro-Raum und ein Land mit der Tradition gesunder Staatsfinanzen.“ EZB-Ratsmitglied Axel Weber rechtfertigte die Liquiditätshilfen der EZB mit der Ansteckungsgefahr auf den Märkten. Die Maßnahmen dürften aber die Verantwortung der Fiskal- und der Geldpolitik nicht verwischen, sagte Weber auf einer Konferenz in Brasilien.

Zur Skepsis an den Finanzmärkten trug auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei. Er hatte in einem Fernsehinterview Zweifel geäußert, ob Griechenland seine Schulden zurückzahlen könne. „Ob Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage ist, diese Leistungskraft aufzubringen, das wage ich zu bezweifeln“, sagte Ackermann (siehe Ackermann schreibt Griechenland ab). Der Deutsche-Bank-Chef plädierte aber dafür, Griechenland zu stabilisieren. Die Bundesregierung hingegen teilte mit, dass das griechische Sparprogramm „realistisch“ sei. Die Regierung habe „keinen Zweifel an der Entschlossenheit der griechischen Regierung, dieses Programm umzusetzen“. Der Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten, Paul Volcker, sagte am Donnerstagabend, der Euro drohe sich aufzulösen.

Derweil verteuerten sich Kreditversicherungen für Anleihen krisengeplagter Euro-Länder wie Griechenland wieder. So stiegen CDS für fünfjährige griechische Anleihen um 10 Prozent, das entspricht 50 Punkten auf 550 Basispunkte. Zuvor waren die Preise für CDS wegen des milliardenschweren Rettungsschirms gesunken.

Ebenso sorgten Meldungen für Unruhe, wonach Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy während des Sondergipfels der Euro-Länder damit gedroht habe, dass Frankreich aus dem Euro-Raum ausscheide, wenn Griechenland nicht geholfen werde. Den Bericht der spanischen Zeitung „El País“ dementierte jedoch eine Sarkozy-Sprecherin.

Weil sich Investoren wegen der Schuldenkrise vor Geldentwertung sorgen, kaufen sie weiterhin verstärkt Gold. Der Goldpreis kletterte auf ein neues Rekordhoch. Für eine Feinunze (31,1 Gramm) des Edelmetalls mussten bis zu 1249 Dollar gezahlt werden. In Euro gerechnet, kostet Gold mit bis zu 1003 Euro so viel wie noch nie seit Bestehen der europäischen Gemeinschaftswährung.

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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