Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Staatshilfe für die Hegemann-Werften

Posted by hw71 - 13. Mai 2010


Siehe dazu auch „Deutschland: Hegemann-Werften stehen vor Entlassungswelle…„. Gefunden bei faz.net:

Schiffbau

Staatshilfe für die Hegemann-Werften

Staatliche Bürgschaften in Höhe von 326 Millionen Euro zur Rettung der Hegemann-Werften in Stralsund und Wolgast sind offenbar unter Dach und Fach. Kreditgeber sind nach Informationen der F.A.Z. die KfW-Ipex Bank und die Norddeutsche Landesbank.

Von Johannes Ritter, Hamburg

12. Mai 2010

Die Zukunft der Hegemann-Werften in Stralsund und Wolgast scheint vorerst gesichert. Dank staatlicher Bürgschaften erhalten die Schiffbaubetriebe an der Ostsee Kredite im Gesamtvolumen von 326 Millionen Euro. Dies geschieht unter Rückgriff auf den Deutschlandfonds. Kreditgeber sind nach Informationen der F.A.Z. die staatliche KfW-Ipex Bank und die Norddeutsche Landesbank. Noch fehlt die endgültige Freigabe. Aber bis dahin sind nur noch Formalien zu klären. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat schon grünes Licht gegeben. Weiter offen ist hingegen die Zukunft der Nordic Yards mit ihren Werften in Wismar und Rostock. Dort liegen die erhofften Finanzierungszusagen immer noch nicht vor.

Der Koordinator für maritime Wirtschaft der Bundesregierung, Hans-Joachim Otto (FDP), wollte sich auf Anfrage nicht zu den schwebenden Beihilfefällen an der Küste äußern. Allgemein stellte er fest: „Wir wollen die Werftenindustrie in Deutschland nicht aufgeben. Sie ist strategisch unverzichtbar.“ Allerdings könne die Bundesregierung keine Garantie für jedes einzelne Unternehmen geben. Vielmehr müsse in jedem Fall eine ordnungspolitisch und beihilferechtlich saubere Lösung gefunden werden.

Chancen durch Spezialschiffbau

Der Fall Hegemann scheint zumindest nach Lesart der Regierung diesen Kriterien zu genügen. Dem Vernehmen nach liegt dem Rettungskonzept ein von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verfasstes positives Fortführungsszenario zugrunde. Dies beruht zu einem großen Teil auf dem Auftragsbestand der Werftengruppe, der nach eigenen Angaben insgesamt 19 Bestellungen vorliegen. Erst im März hatte die Reederei Scandlines zwei Autofähren bestellt. Überdies stehen Ankerziehschiffe (für die Plazierung von Bohrinseln im Meer), Spezialschlepper, Küstenwachtschiffe sowie Vorschiffe für die neuen Fregatten der Bundesmarine im Auftragsbuch.

Nur mit derlei Spezialschiffen haben deutsche Werften überhaupt noch eine Chance im Markt zu bestehen. Der Containerschiffbau ist hingegen besonders stark von der Wirtschaftskrise betroffen. Hegemann bekam dies direkt zu spüren: Eine belgische Reederei stornierte den Auftrag zum Bau von neun Containerschiffen. Dadurch sowie durch hausgemachte Fehler geriet die Gruppe in schwere Schieflage. Auf Druck von Bund und Land sowie der Banken musste der 82 Jahre alte Alleineigentümer Detlef Hegemann die Werften an eine Treuhandgesellschaft übertragen.

In einer ersten Rettungsaktion hatte das Land Mecklenburg-Vorpommern ein Darlehen von 48 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dieses bleibt zusätzlich zu dem neuen Aval- und Betriebsmittelkreditrahmen von 326 Millionen bestehen. Letzterer wird zu 90 Prozent durch Bundes- und Landesbürgschaften abgesichert. Nach dem Abbau von 250 Arbeitsplätzen und dem Verkauf der Rolandwerft (Berne) an Lürssen arbeiten noch 1800 Menschen für die Hegemann-Werften. Deren Umsatz ist 2009 um 10 Prozent auf 681 Millionen Euro gefallen.

Deutlich komplizierter ist die Lage bei Nordic Yards. Der Schiffbauer hatte zwar Anfang März einen 100-Millionen-Euro-Auftrag für den Bau eines Spezialtankers ergattert. Entgegen der damaligen Ankündigungen ist die Finanzierung dieses Auftrags aber immer noch nicht unter Dach und Fach. Offenbar wollen die Banken ihr Ausfallrisiko zu 100 Prozent abgesichert haben, was beihilferechtlich verboten ist. Der russische Werfteigentümer Witali Jussufow lasse die nötige Transparenz missen, heißt es. Die Banken fürchten, dass Nordic Yards den Auftrag mit zu viel Personal – also unter zu hohen Kosten – abarbeitet und dabei endgültig in die Knie geht. Jussufow hatte zugesagt, 1200 Arbeitsplätze in Wismar und Rostock zu erhalten.

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: ddp

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