Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Europa: „Trichet’s Worte sind in einer tiefen Krise nichts mehr wert“!

Posted by hw71 - 5. Mai 2010


Überall wird gegen die Entscheidung der EZB gewettert, weil die nun auch die als „Ramsch“ bewerteten griechischen Anleihen akzeptiert. Nun, meiner Meinung nach ist das konsequent, denn schließlich bekommt Griechenland ja auch die 110 Mrd. EUR Rettungsgelder – wenn die EZB die Anleihen jetzt trotz Bailout doch nicht als Sicherheiten akzeptieren würde, wäre das das falsche Signal. Allerdings: wenn ich mir heute den Verlauf der Zinsen von Portugal und Griechenland anschaue, dann sehe ich bei Griechenland neue Höchststände und auch Portugal liegt nur knapp unter den Höchstwerten => der „Markt“ glaubt ohnehin nicht an eine Rettung…

Gefunden bei welt.de:

Kommentar

Unverzeihlich, wie die EZB ihre Prinzipien opfert

Von Jörg Eigendorf 3. Mai 2010, 18:14 Uhr

Es erscheint wie eine Randnotiz zum Rettungspaket: Die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert ab sofort griechische Staatsanleihen als „Sicherheit“. Also jene Papiere, die von Ratingagenturen als „Ramsch“ bewertet werden. Das macht auch jedem Laien klar: Es ist der größte Sündenfall dieser Notenbank.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass die EU-Kommission nicht im Stande ist, den Stabilitäts- und Wachstumspakt zu kontrollieren. Wir müssen uns wohl auch damit abfinden, dass unser Bundesfinanzminister noch im Januar sagte, der Internationale Währungsfonds habe in der Euro-Zone nichts zu suchen, und seine Worte vier Monate später wieder einsammeln muss. Doch mit dem, was gestern passiert ist, sollten wir uns nicht abfinden: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit Blick auf Griechenland kurzerhand mitgeteilt, dass sie künftig auch Staatsanleihen als Sicherheiten akzeptiert, die von Ratingagenturen als Schrott eingestuft werden.

Was wie ein technisches Detail klingt, ist ein Sündenfall: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat der ganzen Welt klargemacht, dass seine Worte in einer tiefen Krise nichts mehr wert sind. Noch Anfang April versicherte Trichet, für kein Land bei den Sicherheiten eine Ausnahme zuzulassen. Jetzt aber gibt die Zentralbank einen Freifahrtsschein für alle Defizitsünder. Damit hat sie ihre Unschuld verloren.

Die Konsequenzen sind dramatisch. Wie will die EZB jetzt noch rechtfertigen, wenn sie im Kampf gegen die Inflation die Zinsen erhöht, gleichzeitig aber das Griechenland-Programm gefährdet? Bei der Notenbank handelt es sich um jene Institution, die über die Ersparnisse der Bevölkerung wacht, indem sie die Stabilität des Geldes garantiert. Glauben ihr die Menschen nicht mehr, werden sie aufhören, langfristig zu planen. Wenn aber der EZB-Präsident innerhalb weniger Wochen wichtige Prinzipien aufgibt, warum soll dann der Euro über Jahrzehnte hinweg noch stabil sein?

Die Antwort auf diese Fragen sind Europas Politiker und Notenbanker schuldig geblieben. Sie haben den griechischen Brand gelöscht, wohl wissend, dass das Wasser für Spanien, Portugal oder Italien nicht mehr reicht. Und sie haben in dieser Krise die Glaubwürdigkeit fast aller europäischen Institutionen von der Kommission bis zur Zentralbank geopfert. Das sind die wahren Kosten der Griechenland-Rettung.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: