Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Löwen-Sprudel kündigt allen Fahrern

Posted by hw71 - 2. Mai 2010


Gefunden bei tagblatt.de:

22.04.2010

Entlassungen kamen aus heiterem Himmel

Obernauer Löwen-Sprudel kündigt seinen Fahrern

Die Firma Löwen-Sprudel Obernau hat all ihren Fahrern gekündigt. Das Mineralwasser-Unternehmen will die Logistik künftig einer Spedition überlassen.

Obernau. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gestern mitteilte, sind von der Kündigung 18 von insgesamt 45 Beschäftigten des Unternehmens betroffen. Die Kündigungen „seien ohne Vorankündigung und ohne Begründung“ erfolgt, Abfindungen oder ein anderer Ausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes habe Löwen-Sprudel bisher nicht angeboten. Die Betroffenen – drei davon wohnen in Obernau, die anderen in der Umgebung – seien im Durchschnitt seit über 20 Jahren bei dem Unternehmen beschäftigt; bei einem Durchschnittsalter von 50 Jahren hätten die meisten von ihnen keine großen Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz. Da es bei Löwen-Sprudel keinen Betriebsrat gebe, bestehe keine Möglichkeit für einen Sozialplan.

Richard Karl Kienzle, der auf der Internet-Seite der Obernauer Firma gemeinsam mit seiner Schwester Hilde Geiger als Geschäftsführer verzeichnet ist, wollte sich gestern auf Anfrage des TAGBLATTs zu den Entlassungen nicht äußern. „Es ist alles noch in der Schwebe“, sagte er lediglich, „wir sind noch in Verhandlungen“.

Nach Informationen des TAGBLATTs haben alle 18 Fahrer bereits ihre Kündigung erhalten, zwei davon im Februar, die anderen dann im März: „Da sind an einem Montag alle um 16 Uhr in den Betrieb bestellt worden, und da haben alle durch die Bank die Kündigung gekriegt“, sagt ein Betroffener. Als Kündigungsgrund seien „betriebliche Gründe“ genannt worden. Einer der Entlassenen habe mittlerweile gerichtlich eine kleine Abfindung eingeklagt, eine weitere Klage sei noch vor dem Arbeitsgericht anhängig.

Absehbar seien die Kündigungen in der Firma, die seit Generationen im Familienbesitz ist und als „früher äußerst sozial“ beschrieben wird, nicht gewesen. Noch im Januar und Februar seien die Fahrer „fleißig zur Nachschulung in die Fahrschule gegangen“.

Löwen-Sprudel stellt in Obernau Mineralwässer, Heilwässer, Limonaden, Diätgetränke, Fruchtsäfte und Schorlen her, die vor Ort in Glasflaschen abgefüllt werden. „Unsere eigene Logistik, die aus 15 Lastzügen besteht, ist täglich auf den Straßen Baden-Württembergs für unsere Kunden unterwegs“, schreibt das Unternehmen in seinem Internetauftritt. Die Logistik und das Ausfahren der Getränke soll nun eine Spedition im Landkreis Calw übernehmen. Das Unternehmen habe sich offenbar ausgerechnet, dass die Fremdvergabe billiger sei als die Aufrechterhaltung des Fuhrparks, sagt Xaver Merk, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in der Region Ulm/Aalen/Göppingen. Nach Informationen des TAGBLATTs wurden die Fahrer je nach Beschäftigungsdauer fristgemäß gekündigt; die ersten müssen bereits Ende April gehen, einige erst Ende des Jahres. Die 15 Löwen-Sprudel-Lastzüge, heißt es, würden in dieser Zeit sukzessive aus dem Verkehr gezogen und verkauft.

Wie Gewerkschafter Merk berichtet, hat die NGG bislang versucht, das Problem so zu lösen, „dass die Firma den Fuhrpark nicht auflöst und mit uns einen Sanierungstarifvertrag macht“. Nehme Löwen-Sprudel die Kündigungen zurück, werde die Gewerkschaft im Gegenzug befristeten Einschnitten in tarifvertragliche Leistungen zustimmen, etwa Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch personelle Einschnitte, also ein Stellen-Abbau (beispielsweise durch Einsparung frei werdender Stellen) und Vorruhestandsregelungen verbunden mit einer Verkleinerung des Fuhrparks seien denkbar, so Merk. „Wenn das Unternehmen gut beraten ist, versucht es, mit uns einen Rationalisierungsvertrag zu machen und sich unsere Erfahrungen auf diesem Gebiet zunutze zu machen.“

Löwen-Sprudel, sagt Merk, wolle das heute intern diskutieren. Der Rechtsanwalt der Firma habe jedoch gestern mitgeteilt, dass die Geschäftsleitung an die Rücknahme der Kündigungen als Vorbedingung für solche Verhandlungen nicht denke. Merk: „Wenn die Kündigungen bleiben, kann man nur noch versuchen, den einen oder anderen Euro Abfindung heraus zu holen.“

22.04.2010 – 08:30 Uhr | geändert: 23.04.2010 – 10:50 Uhr

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