Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: „Man wird Zeit kaufen““

Posted by hw71 - 30. April 2010


… bis dann das nächste Land „kriselt“.😦 Gefunden bei wiwo.de:

Gbureks Geld-Geklimper

Griechenland-Krise: Was Anleger jetzt tun sollten

Manfred Gburek 30.04.2010

Sind außer griechischen auch andere Staatsanleihen gefährdet? Haben Aktien weiteres Kurspotenzial? Ist Gold immer noch interessant? Solche und andere Fragen haben Anlageprofis in dieser Woche diskutiert – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen.

Bert Flossbach erzählt gern von seiner jüngsten Reise nach Athen, wie er vor der Akropolis saß und über die unglaublichen Zahlen nachdachte, die seine Gesprächspartner vor Ort ihm genannt hatten. Als Vorstand und Anlagestratege der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach & von Storch war es zu Beginn dieser Woche schließlich eine seiner wichtigsten Aufgaben, für Anleger aktuell die entscheidenden Schlussfolgerungen aus dem Finanzdesaster Griechenlands zu ziehen. Flossbach fasst zusammen: „Die Zahlen, die ich gehört habe, waren erschreckend. Die Restrukturierung der griechischen Schulden ist unvermeidlich. Griechenland ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Hauptthema der nächsten Dekade heißt Staatsschulden. Die Steuern gehen hoch.“ Leider nicht nur die griechischen, sondern auch die deutschen, so die Quintessenz.

Als hätte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dem Vermögensverwalter zugehört, sah er sich wenige Stunden später im Rahmen eines ARD-Interviews gezwungen, die Bundesbürger beim Thema Steuern zu beruhigen: Er hoffe, dass die deutsche Hilfe für Griechenland „nichts kostet“, es gehe ja „nicht um Steuergelder“, sondern um einen Kredit. Das war als Ablenkungsmanöver vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai durchaus clever formuliert. Aber was sollte es bedeuten? Jens Ehrhardt, Chef der nach ihm benannten Vermögensverwaltung in Pullach, zerbricht sich zu diesem Fragenkomplex schon seit Monaten den Kopf, weil er wie Flossbach für seine Anleger die richtigen Schlüsse ziehen muss. „Man wird einen Konkurs Griechenlands nicht zulassen“, argumentiert er, „man wird Zeit kaufen“. Man, das ist die EU, das ist speziell die Eurozone und noch spezieller Deutschland.

Inflation: Die Experten sind uneinig

Den Pullacher Vermögensverwalter verbindet in diesem Punkt eine gewisse geistige Verwandtschaft mit Klaus Kaldemorgen, Sprecher der Geschäftsführung der Investmentgesellschaft DWS in Frankfurt. Auch er ist sicher, man werde sich „erst einmal Zeit kaufen“. Dann wird er konkreter: „In der nächsten Woche wird das Problem gelöst sein.“ Die Folge auf lange Sicht: „Auch Deutschland wird sein Schuldenproblem nie lösen können.“ Kaldemorgen resümiert: Zur Lösung des Problems böten sich zwar Steuererhöhungen an, aber sie seien „kein gangbarer Weg“. Darüber hinaus könnten die Schulden durch mehr Wirtschaftswachstum kompensiert werden. Und schließlich gebe es ja noch den Ausweg aus der Schuldenfalle durch mehr Inflation, den Kaldemorgen als „Königsweg“ bezeichnet. Sein Fazit mit Blick auf die Geldanlage: Weder mehr Wirtschaftswachstum noch mehr Inflation ist für Anleihen gut. Damit zielt er besonders auf Staatsanleihen ab und ergänzt: „Inzwischen sind Unternehmen die besseren Schuldner.“

Beim Thema Inflation sind die Experten sich nicht einig. Während Kaldemorgen argumentiert, die Notenbanken könnten den Politikern nicht ohne Weiteres in den Rücken fallen, wenn diese sich zu wenig um die Inflationsgefahren kümmerten, meint Ehrhardt: „In diesem Punkt tue ich mich schwer.“ Und Rolf Banz, Anlagestratege der Privatbank Pictet in Genf, findet etwas Inflation, außer dass sie den Staaten die Schuldentilgung erleichtert, aus einem ganz spezifischen Grund gar nicht so schlecht: „Sie hat den Vorteil, dass Vermögen von der alten auf die junge Generation transferiert wird.“ Natürlich vorausgesetzt, beide verhalten sich entsprechend und investieren nicht ihr ganzes Geld in Staatsanleihen.

Ultima Ratio Gold

Eine besonders große Abneigung haben die Anlageprofis gegen japanische Staatsanleihen. „Japan muss sie demnächst zur Hälfte des Bruttoinlandsprodukts refinanzieren“, warnt Ehrhardt. Japan kann sich zwar noch den Luxus erlauben, den größten Teil der Schulden aus dem Land selbst zu finanzieren, aber diese Zeit dürfte allmählich zu Ende gehen. Erschwerend hinzu kommt, dass der Yen überbewertet ist, Yen-Anlagen so gut wie keine Zinsen bringen und bisher jegliche Impulse zur Belebung der japanischen Konjunktur verpufft sind.

Wenn der nun schon fast drei Jahrzehnte währende Höhenflug der Anleihen sein Ende findet und die Staatsschulden immer weiter wachsen, wo sind dann die Alternativen? Etwa bei inflationsgeschützten Anleihen? „Noch nicht lohnenswert“, sagt Heiko Beck, Produktmanager bei der Commerzbank in Frankfurt. Aktien? „Die Achterbahn geht weiter“, meint er. Flossbach konkretisiert: Er bevorzugt weiter Aktien – und fügt hinzu: „außer Finanzwerten“. Anleihen sind für ihn nicht ganz tabu, Hauptsache, sie haben kurze Laufzeiten. Anlagefavorit ist für Flossbach allerdings etwas anderes: Gold.

Weltleitwährungen auf der Intensivstation

Ist der Goldpreis nicht schon zu hoch? Ehrhardt hat dazu eine dezidierte Meinung: „Trends setzen sich häufig lange fort“, spielt er auf den nun schon rund ein Jahrzehnt anhaltenden Preisanstieg des Edelmetalls an, und als Anlage sei es immer noch wenig vertreten. Stefan Keitel, Anlagestratege bei Credit Suisse in Zürich, hebt noch einen Aspekt hervor, der in der bisherigen Ursachenforschung zum Goldpreisanstieg offensichtlich zu kurz gekommen ist: „Vorsicht bei den Weltleitwährungen, sie sind auf der Intensivstation.“ Wenn man sich frage, warum der Goldpreis so nachhaltig gestiegen sei, sollte man diesen Aspekt ganz besonders berücksichtigen und nicht so sehr die Inflation, die in der fraglichen Zeit kaum zugelegt habe.

Fazit: Der Problemfall Griechenland lenkt davon ab, dass die Staatsschulden weltweit eine Höhe erreicht haben, von der sie nicht mehr herunterkommen können. Am schlimmsten ist Japan betroffen. Deutschland wird Griechenland helfen, aber das eigentliche Problem nur zeitlich verschieben. Staatsanleihen sind mit Vorsicht zu genießen, Unternehmensanleihen im Zweifel solider. Aktien bleiben selektiv interessant, wenn auch unter Schwankungen. Und Gold wird seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen, weil es als Anlageinstrument erst wenig entdeckt ist und weil die Leitwährungen sich auf der Intensivstation befinden.

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