Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Banken sollen mehr griechische Staatsanleihen kaufen…

Posted by hw71 - 30. April 2010


„Freiwillig“ natürlich…😉 Aber nicht nur deutsche Banken – auch Versicherer und sogar ein Industrieunternehmen sollen sich bereit erklärt haben, griechische Staatsanleihen zu kaufen, um den Markt zu stützen. Na dann – wohl bekomm’s!🙂 Auch interessant: im aktuellen Gesetzentwurf für die Griechenlandhilfen ist nur die Unterstützung für 2010 erwähnt – 2011 und 2012 wurden wohlweislich aus dem Text herausgenommen!

Gefunden bei fr-online.de:

Griechenland-Hilfe

Deutschland plant nur für 2010

Von Antje Schüddemage

Frankfurt a.M. Die Bundesregierung prüft, die Milliardenhilfen für Griechenland zunächst nur für das laufende Jahr 2010 per Gesetz zu beschließen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa werden im aktuellen Gesetzentwurf die Belastungen für die Folgejahre 2011 und 2012 überhaupt nicht mehr erwähnt. In früheren Entwürfen waren in Klammern undefinierte XX-Milliardenwerte aufgeführt worden.

Die deutschen Finanzinstitute sind bereit zu einer Beteiligung an den Hilfen für Griechenland. Ein Konsortium aus einer Handvoll Banken, Versicherer und bisher einer Industriefirma habe bislang Gelder von ein bis zwei Milliarden Euro informell zugesagt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Um welche Art der Hilfen es sich dabei handle, sei im Detail noch nicht geklärt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann helfe bei der Zusammenstellung des Rettungspakets. Der Schweizer sei nach Beratungen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble tätig geworden. Ein Deutsche-Bank-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Eine andere mit den Plänen der Banken vertraute Person fügte hinzu, eine freiwillige Beteiligung der Institute an den Hilfen für das schuldengeplagte Griechenland „sei eine sehr intelligente Lösung“. Es müsse ein Betrag von sechs bis sieben Milliarden Euro zusammenkommen, um ein symbolisches Zeichen zu setzen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält einen freiwilligen Beitrag deutscher Banken für denkbar. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach sich ebenfalls dafür aus. „Freiwillig ist immer besser als Zwang“, sagte er in Lissabon nach Gesprächen mit der portugiesischen Regierung. „Jeder Euro, der zusätzlich kommt, ist ein Euro mehr.“ Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte dem Sender RTL, er gehe davon aus, dass Banken in Europa ihren Beitrag leisten wollen und leisten werden.

Mehrere Bundestagsfraktionen haben die Beteiligung der Banken zur Bedingung für ihre Zustimmung zum Rettungspaket gemacht. Sie wollen verhindern, dass allein die Steuerzahler das Risiko tragen müssen. Schäuble will sich mit seinen Länderkollegen während des Wochenendes eng abstimmen.

Die Bemühungen um eine Beteiligung des Finanzsektors werden offenbar von Deutschland vorangetrieben. Auf europäischer Ebene gebe es keine entsprechenden Pläne, sagten weitere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Im Gespräch ist Kreisen zufolge unter anderem, dass sich Banken an den Milliardenhilfen beteiligen, in dem sie Anleihen der Hellenen aufkaufen. Der Internationale Währungsfonds (IWF), die EZB und die EU-Kommission verhandeln derzeit mit der Regierung Griechenlands über die Bedingungen für das milliardenschwere Kreditpaket, mit dem das hoch verschuldete Euroland vor der Staatspleite bewahrt werden soll. .

Heikles Projekt

Ackersmann Privathilfe ist ein heikles Projekt. Umschuldung – seit Tagen ist der Begriff in aller Munde, wenn es um Griechenlands geht. Deutsche Politiker fordern sie, weil damit eine Beteiligung der Gläubiger des Landes sichergestellt würde – das möchte der Steuerzahler hören.

Viele Banken wehren sich bisher gegen einen solchen Schritt, sie fürchten erneute Abschreibungen in Milliardenhöhe. Und Ökonomen warnen vor ihr, weil die Ansteckungsgefahr für andere hoch verschuldeten Euro-Staaten zu hoch sei.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Bei einer Umschuldung würde Griechenland seine Schulden umstrukturieren, noch bevor es eine fällige Zahlung schuldig bleiben müsste – entweder im Einverständnis mit seinen Gläubigern oder auch gegen deren Willen. Dabei müssten die Besitzer griechischer Staatsanleihen einen Abschlag auf ihren Kredit hinnehmen, einen sogenannten Hair Cut.

Darüber, wie hoch ein solcher Schnitt ausfallen könnte, sind sich Experten uneins: Die Ratingagentur Standard & Poor’s rechnet mit einem Verlust für die Anleihegläubiger von 50 bis 70 Prozent, der Chefökonom der Citibank, Willem Buiter, geht von einer Herabstufung des Wertes um lediglich 20 bis 30 Prozent aus. Erfahrungswerte aus früheren Staatsschuldenkrisen legen eher höhere als niedrige Verluste nahe. So betrug nach Berechnungen der Ratingagentur Moody’s der Abschlag auf argentinische Papiere 2001 durchschnittlich 73 Prozent des Nennwertes, in der Russlandkrise 1998 gar 82 Prozent.

Für die sich gerade erholende Bankenbranche wäre das eine Katastrophe. Allein deutsche Banken sind mit rund 43 Milliarden Euro in Griechenland engagiert, der erneute Abschreibungsbedarf wäre entsprechend hoch. Damit wäre eine neue Bankenkrise unausweichlich, die allerdings von den folgenden Finanzproblemen der anderen hoch verschuldeten Euro-Staaten, den sogenannten PIIGS-Staaten, noch übertroffen würden.

Längere Laufzeiten

Bleibt die Frage, ob es eine bessere Lösung für das griechische Schuldendesaster gibt. Eine Möglichkeit könnte sein, aus Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit einfach Langläufer zu machen. „Das würde den Druck von den Griechen nehmen, jetzt wieder Geld beschaffen zu müssen“, sagt Hans- Peter Burghof, Bankenexperte an der Universität Stuttgart-Hohenheim auf Anfrage der FR.

Allerdings gibt es einen Haken: Staatsanleihen, die über mehrere Jahrzehnte laufen, unterliegen normalerweise einer wesentlich höheren Verzinsung als Kurzläufer. Eine solche höhere Verzinsung könnte Griechenland aber gar nicht stemmen. Die Staatsanleihen müssten also zum bestehenden Zins verlängert werden.

„Auch dieses Szenario würde einen Forderungsverzicht der Banken bedeuten, was wiederum zu einem großen Abschreibungsbedarf der Institute führen würde“, gibt Burghof zu bedenken. Eine einfache Rechnung verdeutlicht das Ausmaß: Bei einer Anleihe im Wert von 100 Euro mit einer Laufzeit von 50 Jahren verliert der Gläubiger bei einem Zins von drei Prozent statt einem Marktzins von angenommenen sechs Prozent satte 47,29 Euro.

Der Abschreibungsbedarf wäre entsprechend hoch, wenn die Papiere im Handelsbuch zum Zeitwert (Fair Value) bewertet werden müssten. Das Ergebnis ist klar: Das Signal an die Märkte wäre kaum ein anderes als bei einer Umschuldung.

Was für Griechenland und den Euro am Ende bleibt , ist also die Hilfe der Euro-Länder. Und, so Burghof, „sparen und die Staatseinnahmen erhöhen“.

Mehrheit der Griechen für Proteste gegen Sparpläne

Die griechische Regierung bekräftigt ihren Willen, dem innenpolitischen Druck nicht nachgeben zu wollen. Die Sparmaßnahmen seien nötig, damit Griechenland auf eigenen Füßen stehen könne, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou vor dem Parlament. Das Überleben des Landes habe oberste Priorität.

Nach den Worten des stellvertretenden Finanzministers Philippos Sachinidis kann das Land mit Hilfen im Volumen von bis zu 120 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren rechnen. Allerdings droht den Sparplänen großer Widerstand in der Bevölkerung.

Einer Umfrage zufolge wollen mehr als die Hälfte der Griechen gegen neue Einschnitte protestieren. Der Rückhalt für die sozialistische Regierung fällt demnach auf knapp 30 Prozent. Fast 50 Prozent der Befragten sind für eine Regierung der nationalen Einheit. (mit rtr/dpa)

5 Antworten to “Deutschland: Banken sollen mehr griechische Staatsanleihen kaufen…”

  1. Pindar said

    Hmmm wie man es dreht und wendet, es würde immer wieder zu eine Krise kommen. Wobei ich natürlich nicht verstehe, warum die Banken bei einer Laufzeitverlängerung zum selben Zins auch Abschreibungen durchführen müssten? Es ist doch einer Bank überlassen zu welchen Zinssatz sie Kredite vergibt und sie würde ja weiterhin Einnahmen erzielen, wenn auch weniger, als wenn sie den Kredit zu normalen Zinsen vergeben würden. Dass heißt, sie hätte eben weniger Gewinn, aber sie hätten doch keinen Verlust, also wären Laufzeitverlängerungen zu denselben Bedingungen doch eigentlich gar nicht so schlecht. Hach versteht einer die Wirtschaft……

    • hw71 said

      Hi Pindar,

      als bekennender Laie sehe ich hier zwei Probleme:

      (1) das Kapital ist statt z.B. 2 Jahre plötzlich (angenommene) 50 Jahre gebunden – in der aktuellen Situation m.M.n. ein nicht zu kalkulierendes Risiko.
      Aber wie auch immer: marktüblich ist, dass man mit steigender Anleihelaufzeit höhere Zinsen bekommt – eben weil das Risiko mit längerer Laufzeit immer weiter steigt.

      (2) Der Knackpunkt dürfte aber sein, dass man in den Bilanzen bestimmte Positionen mit dem Fair Value aufnehmen muss – und dadurch dann die Abschreibungen entstehen: wenn der „übliche Zins“ für 50 jährige gr. Staatsanleihen x% sind – man jetzt in seinen Bilanzen für einen solchen Posten aber nur 3% weniger ausweisen kann, dann hat man effektiv Mindereinnahmen die man auch nicht mehr eintreiben kann – also abschreiben muss.
      Klar hast Du jetzt länger Zinszahlungen – aber wenn Du das Kapital in eine „normale“ 50-jährige Anleihe angelegt hättest, dann hättest Du aus Deiner Kohle halt eben mehr gemacht.

      • Pindar said

        Ja das mit dem Mehr-Gewinn ist mir schon klar, aber man macht ja dennoch Gewinn. Es sind dann zwar nur 3 Prozent Gewinn, statt sagen wir mal 5, aber wenn ich 1000 Euro verliehen habe, bekomme ich am Ende (alles nur Beispiel) 1030,- wieder, hätte ich es für 5 Prozent verliehen wären es 1050, aber in beiden fällen habe ich doch einen Gewinn gemacht, auch wenn der erste etwas geringer ausfällt, als der zweite. Und ist es nicht allemal besser 30 Euro Gewinn zu machen, als am Ende vielleicht überhaupt nichts mehr wieder zu bekommen, also auch nicht die 1000 Euro die ich eingesetzt habe, weil das Land ganz einfach Pleite ist und man das Geld nie wieder sehen wird?

      • hw71 said

        Hi Pindar,

        ja – aber Du hattest doch gefragt, warum „Abschreibungen“ anfallen würden, wenn es zu Laufzeitverlängerungen kommt. Zitat aus Deinem ersten Post:

        Wobei ich natürlich nicht verstehe, warum die Banken bei einer Laufzeitverlängerung zum selben Zins auch Abschreibungen durchführen müssten

        Und die fallen halt eben aufgrund der Fair-Value Bewertung an: die 20 EUR Differenz aus Deinem Beispiel würde „Deine“ Bank eben mehr verdienen, wenn sie die längerlaufende Anleihe zu „marktüblichen Zinsen“ in den Büchern hätte…

        Klar sind 30 EUR besser als nix – da sind wir uns einig.🙂

  2. Anonymous said

    […] […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: