Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Die „Retter“ wollen vor allem sich selbst retten!

Posted by hw71 - 22. April 2010


Siehe auch „Griechenland schuldet allein Deutschen Banken 43 Mrd EUR!„. Und die Zinsen für 10-jährige griechische Anleihen steigen immer weiter – „Vertrauen“ sieht anders aus.

Gefunden bei bernerzeitung.ch:

Die hilflosen Retter der Griechen

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 21.04.2010

Eine Delegation der EU und des IMF soll in Athen die Krise entschärfen. Doch kaum ist sie in Athen eingetroffen, hat sich die Lage der Griechen weiter verschlechtert.

Die Retter sind eingetroffen, die Kavallerie reitet ein – und erleidet gleich zu Beginn eine heftige Niederlage. So könnte man die jüngsten Bemühungen der Europäischen Union EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) bildlich beschreiben, Griechenland aus der Schuldenkrise zu befreien. Heute ist in Athen eine 20-köpfige Delegation der beiden Organisationen eingetroffen, um mit der griechischen Regierung die konkreten Bedingungen für eine Finanzhilfe auszuhandeln. Bereits ist klar, dass die EU den Griechen im laufenden Jahr mit rund 30 Milliarden Euro zu Hilfe eilen wird, der IWF mit 15 Milliarden.

Mit der Unterstützung erhoffen sich die EU-Länder, dass die enormen Zinsaufschläge auf Griechenlands Staatsschulden endlich sinken, die eine Verbesserung der Lage für die Griechen praktisch unmöglich machen. Da das Balkanland allein in diesem Jahr noch dringend rund 30 Milliarden Euro benötigt, müsste es am Kapitalmarkt jeden Preis bezahlen, um einen Staatsbankrott zu vermeiden. Die in Aussicht gestellten Mittel reichen daher auf jeden Fall aus, die Lage zumindest im laufenden Jahr zu stabilisieren. Der von der EU verlangte Zinssatz von rund 5 Prozent liegt zwar rund 2 Prozent höher als jener, den Deutschland für seine Staatschulden bezahlen muss, ist aber doch deutlich tiefer als die mehr als 7 Prozent, die die Griechen in den vergangenen Wochen für Schulden mit einer Laufzeit von zehn Jahren aufbringen mussten.

Die Rettungsaktion bleibt wirkungslos

Die Hilfe ist ein starkes Signal dafür, dass die Griechen auf Unterstützung der reicheren Länder zählen können. Ein sinkender Risikoaufschlag wäre da nur eine logische Konsequenz. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Er ist heute sogar noch dramatisch weiter angestiegen. Der Zinssatz hat den neuen Rekordwert von 8,28 Prozent erreicht. Damit bezahlen die Griechen für ihre Staatsschulden 5 Prozent mehr als die Deutschen.

Auf den Märkten sind die Zweifel am mittelfristigen Erfolg der Hilfe weiterhin sehr stark. Ein Grund sind die Bedingungen für die Gelder, welche die Delegation in Athen in den nächsten rund 10 Tagen aushandeln wird. Schon die bisherigen Sparmassnahmen stossen in der griechischen Bevölkerung auf zunehmende Ablehnung und die Delegation will die Schrauben möglicherweise noch weiter anziehen.

Wachsende politische Opposition

Am Donnerstag will die Gewerkschaft der Staatsangestellten die öffentlichen Transportmittel, die staatlichen Banken und Regierungsbüros für 24 Stunden per Streik lahmlegen. Es wird erwartet, dass sich dem mehrere hunderttausend Beschäftigte anschliessen werden. Premierminister George Papandreou findet mit seinem Aufruf, die Reorganisation der Gesamtwirtschaft als «patriotische Pflicht» zu sehen, immer weniger Widerhall. Besonders der linke Flügel seiner eigenen Arbeiterpartei (Pasok) attackiert ihn dafür, dass er mit dem IWF in Verhandlungen getreten ist.

Doch selbst wenn die Bevölkerung die harschen Sparmassnahmen schlucken sollte, bleiben die mittelfristigen Erfolgsaussichten für die Unterstützung durch EU und IWF ungewiss. Viele Experten sind der Meinung, die zugesagten Mittel von 45 Milliarden Euro reichten bei weitem nicht aus. Der Präsident der deutschen Bundesbank, Axel Weber, soll laut dem «Wall Street Journal» im kleinen Kreis erklärt haben, nötig seien mindestens 80 Milliarden Euro.

Zu knapp bemessene Hilfe

Das britische Fachblatt «Economist» hat in der aktuellen Ausgabe den Finanzbedarf auf 67 Milliarden geschätzt – unter «optimistischen Annahmen», wie das Blatt schreibt. Dazu gehört, dass die Griechen im laufenden Jahr ihr Budgetdefizit um 4 Prozent (von aktuell 12,7 Prozent) gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP) kürzen können und dass der Zinssatz für die Staatschulden 5 Prozent nicht übersteigt. Bis zum Jahr 2014 wäre dann allerdings erst die Neuverschuldung (ohne Zinsaufwendungen) gestoppt. Die Gesamtverschuldung würde sich dann auf 149 Prozent gemessen am BIP belaufen.

Mit einem solch hohen Schuldenstand würde Griechenland zwar nicht alleine dastehen. Doch im Unterschied etwa zu Japan, dessen Schuldenstand bereits jetzt 218 Prozent des BIP entspricht, sind die Griechen zum grössten Teil (zu 70 Prozent) gegenüber dem Ausland verschuldet. Kommt hinzu, dass die Strukturen des Landes kein Wirtschaftswachstum versprechen, das die Schuldenlast deutlich mildern würde. Ausserdem geniessen die Griechen auf den Kapitalmärkten schon jetzt wegen ihrer Schummeleien in der Statistik und einer schlechten Budgetdisziplin selbst in vergangenen Boomjahren auf den Kapitalmärkten besonders wenig Vertrauen.

Die Retter wollen vor allem sich selbst retten

Immer mehr wird als Ausweg ein Staatsbankrott debattiert. In der Praxis würde das auf eine Restrukturierung der Schulden hinauslaufen, wobei die Gläubiger sich zumindest einen Teil davon ans Bein streichen müssten. Doch zumindest vorläufig haben die EU-Staaten an einem solchen Ausgang noch weniger Interesse als die Griechen selbst. Wie der «Economist» festhält, retten die Europäer eher sich selbst, als den Balkanstaat. Das Fachblatt sieht im Fall eines Zahlungsausfalls einerseits ein akutes Risiko einer weiteren Finanzkrise und andererseits grosse Gefahren für Länder wie Portugal und Spanien, die ebenfalls mit Zahlungsproblemen kämpfen. Der «Economist» schätzt die Schulden der Griechen bei den Banken weltweit auf einen Betrag zwischen 106 und 207 Milliarden Euro. Allein die Banken der Euroregion risikieren zwischen 62 und 121 Milliarden Franken. Die Schweizer Banken sind in der Hochrechnung mit einer Summe zwischen 22 und 44 Milliarden aufgeführt. Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde die Banken erneut hart treffen. Die Ängste vor einem weiteren Staatsbankrott in Spanien oder Portugal würden die Zinssätze für jene Länder explodieren lassen. Es könnte zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung kommen. Die Rechnung für die Euroländer könnte also höher ausfallen, als die aktuelle Hilfe für Griechenland.

Nicht bloss ein Liquiditätsproblem

Wahrscheinlich ist daher, dass die EU trotz Widerwillen vor allem von Seiten der Deutschen alles tun wird, um Griechenland zumindest vorläufig über die Runden zu helfen. Das grösste Problem des Landes ist aber nicht der momentane Liquididätsnotstand. Weil die schwachen Strukturen des Landes, die Sparmassnahmen, der steigende Druck der Strasse und die hohen Zinsen die Wachstumsmöglichkeiten behindern und das Land seine Währung nicht abwerten kann, bleibt das Land auch künftig von einem Staatsbankrott bedroht. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)

Erstellt: 21.04.2010, 17:14 Uhr

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Eine Antwort to “Griechenland: Die „Retter“ wollen vor allem sich selbst retten!”

  1. […] PDRTJS_settings_47022_post_9060 = { "id" : "47022", "unique_id" : "wp-post-9060", "title" : "Griechenland%3A+Rettungspaket+beschlossene+Sache…", "item_id" : "_post_9060", "permalink" : "http%3A%2F%2Fhw71.wordpress.com%2F2010%2F04%2F28%2Fgriechenland-rettungspaket-beschlossene-sache%2F" } … zumindest laut IWF und EZB: demnach soll es ein “Dreijahres”-Bailout geben, zu dem allein Deutschland bis zu 30 Mrd. EUR beisteuern wird. Insgesamt sind zwischen 120 und 150 Mrd EUR fällig (variiert je nach Quelle), um sämtliche anfallenden Anleihen der nächsten drei Jahre zu refinanzieren! Siehe auch “Griechenland: “Eigentlich hilft nur eine Umschuldung – mit Verzicht der Gläubiger”” und “Griechenland: Die “Retter” wollen vor allem sich selbst retten!“. […]

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