Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: IWF senkt Konjunkturprognose

Posted by hw71 - 22. April 2010


Gefunden bei handelsblatt.com:

21.04.2010 , aktualisiert 21.04.2010 15:38 Uhr

Konjunktur-Alarm: IWF senkt Deutschland-Prognose

Der IWF sieht wegen der Schuldenkrise in Griechenland den Aufschwung in den anderen Eurostaaten bedroht. Zugleich widersprach der Internationale Währungsfonds den positiven Konjunkturprognosen der Bundesregierung: Statt in den Lobgesang auf die deutsche Wirtschaft einzustimmen, senkte der Fonds die Prognose für 2010 sogar noch ab.

HB WASHINGTON/BERLIN. Die anhaltende Sorge an den Finanzmärkten über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands „könnte in eine ausgewachsene staatliche Schuldenkrise münden und zu einer Ansteckung führen“, schrieb der Internationale Währungsfonds (IWF) am Mittwoch in seinem Weltwirtschaftsausblick. Die Konjunkturaussichten für die 16 Euro-Länder seien daher unsicher. Für die Euro-Zone erwartet der IWF 2010 deshalb unverändert ein Wachstum von lediglich 1,0 Prozent. Seine Prognose für die Weltwirtschaft hob er dagegen von 3,9 auf 4,3 Prozent an.

Der IWF begrüßte die Einigung der Euro-Länder auf Nothilfen für Griechenland. Dies sei ein „willkommener und wichtiger Schritt“, damit die Probleme nicht zu Instabilität führten. Der IWF hat selbst ein Team nach Athen geschickt, um über die Bedingungen für Finanzhilfen zu verhandeln, an denen er sich beteiligen soll.

Die Finanzminister der Euro-Zone hatten sich darauf verständigt, Griechenland bei Bedarf im ersten Jahr eines auf drei Jahre angelegten Hilfsprogramms bis zu 30 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen. Weitere bis zu 15 Mrd. Euro könnte der IWF beisteuern.

Während die Welt aus dem tiefen Konjunkturtal noch flinker als erwartet klettert, geht es in Deutschland hingegen nur mit gedrosseltem Tempo voran. Der Internationale Währungsfonds IWF korrigierte seine diesjährige Wachstumsprognose für Deutschland leicht um 0,3 Punkte auf 1,2 Prozent nach unten, heißt es im jüngsten Weltwirtschaftsausblick.

Dass die Erholung in Deutschland lediglich moderat ausfällt, hat laut IWF mehrere Gründe: Die Auslandsnachfrage setzt dem Exportwachstum Grenzen, Überkapazitäten und knappe Kredite beschränken Investitionen, hohe Arbeitslosigkeit dämpft die Konsumfreude. Für kommendes Jahr rechnet der IWF auch noch mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote in Deutschland auf 9,3 Prozent. Laut Bundesagentur für Arbeit lag sie im März bei 8,5 Prozent.

Global habe sich die Konjunkturerholung derweil besser als erwartet entwickelt, allerdings mit verschiedenen Geschwindigkeiten, schreiben die Experten des Fonds: Zögerlich in vielen reichen Staaten, aber solide in den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern. Mit einem erwarteten Wachstum von 3,1 Prozent preschen die USA 2010 vielen anderen Industrienationen davon.

Im nächsten Jahr soll dann auch die deutsche Wirtschaft allmählich in Schwung kommen. Für 2011 prognostiziert der Fonds ein leicht nach unten korrigiertes Plus von 1,7 Prozent, weltweit wird ein Wachstum von 4,3 Prozent erwartet. Etwas langsamer soll es mit 2,6 Prozent dann allerdings für die USA vorangehen.

Experten der EU haben unterdessen dem hochverschuldeten Griechenland die harten Sparvorgaben für die kommenden Jahre präsentiert. „Das Ziel der Gespräche in Athen ist, ein Programm für die notwendigen wirtschaftlichen Anpassungen auszuarbeiten“, sagte ein Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Dabei werde es um die Details der Einsparungen gehen, die Athen bis 2012 umsetzen müsse, um sein Haushaltsdefizit unter die erlaubte Grenze zu senken. Bei den Gesprächen geht es laut Kommission nicht konkret um Vorbereitungen zur Aktivierung des zugesagten Hilfspaketes. „Unsere Aufgabe ist es, bereit zu sein. Über den Antrag entscheiden die Griechen.“

Die Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) berieten am Mittwoch in Athen über die Auflagen – im Gegenzug soll Griechenland bis zu 45 Mrd. Euro finanzielle Hilfe erhalten.

Nach den ersten Gesprächen sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou: „Die Basis der Gespräche sind die Entscheidungen der EU vom vergangenen Gipfeltreffen.“ Die Stimmung sei „gedrückt“ gewesen, hieß es aus Kreisen des Ministeriums. Trotz der dramatischen Lage gab es wieder Streiks.

Die Gespräche würden in den kommenden zehn Tagen mit Vertretern aller wichtigen griechischen Finanz-Institutionen fortgesetzt. „Der Countdown (für das Hilfsprogramm und die Übernahme des Steuers der griechischen Wirtschaft durch den IWF) hat begonnen“, titelte die Athener Zeitung „Ta Nea“.

Der Notfallplan ist eine kombinierte Hilfe der Euro-Länder und des IWF. Die Europäer wollen Athen, das mit mehr als 300 Mrd. Euro verschuldet ist, notfalls mit bis zu 30 Mrd. Euro in diesem Jahr unter die Arme greifen. Rund 15 Mrd. soll der IWF beisteuern.

Trotz der dramatischen Finanzlage des Landes gingen vor allem linke Gewerkschaften am Mittwoch „auf die Barrikaden“: Betroffen waren Fährverkehr, Krankenhäuser sowie Ministerien und andere staatliche Behörden. Die Streikenden protestieren gegen Lohnkürzungen und Sparmaßnahmen der sozialistischen Regierung unter Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

Am Mittwoch liefen keine Fähre von Piräus zu den Inseln der Ägäis aus. Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME blockierten die Einfahrten. Ärzte behandelten wegen nicht gezahlter Überstunden in staatlichen Krankenhäusern nur Notfälle. Am Donnerstag wollen die Beamten und andere Staatsbedienstete wie Lehrer streiken. Dagegen sagten die griechischen Fluglotsen einen geplanten 48-stündigen Streik wegen des Chaos im europäischen Flugverkehr ab.

Brüssel hat den größten Schuldensünder des Eurogebiets in beispielloser Weise unter Aufsicht gestellt. Athen muss bis 2012 sein Defizit in den Griff bekommen und fährt bereits einen harten Sparkurs. Dazu gehören Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst, Rentenkürzungen, Einschnitte bei Investitionen und Steuererhöhungen.

Die Budget-Sanierung wird von Brüssel streng und ständig überwacht. Experten fürchten, dass die Maßnahmen nicht ausreichen und Griechenland sich nicht alleine aus der Finanzmisere befreien kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: