Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

IWF-Warnung: „Schuldenspirale bedroht Finanzsystem“

Posted by hw71 - 21. April 2010


Gefunden bei handelsblatt.com:

20.04.2010

IWF-Warnung: Schuldenspirale bedroht Finanzsystem

Das globale Finanzsystem hat seit Herbst 2009 zwar an Stabilität gewonnen, aber der Preis dafür sind erdrückende Staatsschulden. Die wiederum bergen das Risiko neuer Krisen – die dann auch auf andere Länder überschwappen können.

WASHINGTON. Die von den Banken ausgelöste Finanzkrise scheint überwunden, so der IWF. Nun bedrohen ausufernde Staatsschulden das Weltfinanzsystem. Das ist die zentrale Warnung im jüngsten Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur globalen Finanzstabilität (GFSR).

„Vor allem die entwickelten Länder haben beträchtliche Schulden aufgehäuft“, sagte José Viñals, Chef der Kapitalmarktabteilung beim IWF; er ist verantwortlich für den Bericht. Wie mit den hohen Schulden umgegangen werden müsse, hänge jeweils vom Einzelfall ab. „Für manche Länder ist erst 2011 der Zeitpunkt für einen Exit“, sagte Viñals in einem Briefing mit Journalisten. „Für andere, wie etwa Griechenland, ist das Thema natürlich viel dringlicher.“ Der Finanzkollaps Griechenlands sei ein „Weckruf“, dass den Staaten die Kontrolle über ihre Fiskalpolitik „nicht aus den Händen gleiten“ dürfe.

Chefökonom liebäugelt mit Inflation

Der Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, hatte zuvor in einem Interview mit der französischen Tageszeitung „Le Monde“ ebenfalls gefordert, die Industriestaaten müssten bald die Weichen auf Ausstieg aus den Konjunkturpaketen stellen. Es werde nun Zeit, die Wirtschaftspolitik von Stimulus auf Defizitbekämpfung auszurichten. Er warnte vor einem „Teufelskreis“ aus hohen Staatsschulden, anwachsenden Risikoprämien und steigenden Zinsen. „Es ist nun notwendig, die Budgets anzupassen“, sagte Blanchard. Erneut griff der Chefökonom zudem seinen umstrittenen Vorschlag auf, eine höhere Inflation zuzulassen, um der Deflation gegenzusteuern und der Zinspolitik wieder mehr Spielraum zu geben.

Der Grad der Verschuldung der sieben größten Industriestaaten (G7) habe inzwischen ein Niveau wie seit 60 Jahren nicht mehr erreicht, mahnt der IWF. Um aus der Abhängigkeit herauszukommen, sich immer neue Finanzspritzen leisten zu müssen, sollten sich Regierungen zügig von Banken trennen, die nicht lebensfähig seien. Jene, die eine Zukunft hätten, müssten rasch umstrukturiert werden. Geschehe dies nicht, müsse der Staat dauerhaft einspringen.

Sollte bei einzelnen Ländern das Vertrauen in das Krisenmanagement nachhaltig erschüttert sein, dann könnte dies die Stabilität des Finanzsystems insgesamt erneut ins Wanken bringen, warnt der IWF. Schon jetzt zeige sich, dass die Märkte immer weniger bereit seien, Staaten oder Banken das Geld zu leihen, das diese benötigten, heißt es in dem Bericht. Länder, deren öffentliche Haushalte sich in einer Schieflage befänden, würden somit mit hohen Risikoaufschlägen auf ihre Staatsanleihen abgestraft.

Doch der IWF-Bericht enthält auch positives: Der Abschreibungsbedarf der Banken habe sich weltweit von 2,8 auf 2,3 Bill. Dollar verringert. „Die gute Nachricht ist hier, dass zwei Drittel der Verluste bereits realisiert sind – nur noch ein Drittel kommt auf die Banken zu“, so Viñals. „Das verschafft den Banken eine eher bequeme Lage – und verbessert auch den Ausblick.“

Doch gilt diese Analyse nicht durchgängig. Mit Banken, die nur über ein unsicheres Fundament verfügten, werde zu zögerlich verfahren, kritisiert der IWF-Report. Dies könne sich noch als Belastung für das Wachstum erweisen. Die Washingtoner Ökonomen raten diesen Banken dazu, ihre Geschäftsmodelle grundsätzlich zu überdenken, zusätzliches Kapital aufzunehmen und sich von Risikobeteiligungen zu trennen. Mit Blick auf die öffentlichen Banken in Deutschland sagte Viñals, es gäbe noch „Felder der Schwäche“. Die Abschreibungen deutscher Banken auf Kredite und Wertpapiere dürften bis zum Jahresende 2010 etwa 314 Mrd. Dollar erreichen. Die größten Verluste entfielen dabei auf Landesbanken und die Sparkassen. Die Abschreibungen der Geschäftsbanken dürften sich für die Jahre 2007 bis 2010 auf 132 Mrd. Dollar summieren.

Der IWF ist indes vorsichtig bei der Beurteilung, ob und wie eine Bankenabgabe aussehen könnte, mit der ein Teil der Folgen der Krise bezahlt werden soll. Diese Woche soll der Währungsfonds den G- 20-Staaten hierzu einen Zwischenbericht vorlegen. Bislang hatte der IWF empfohlen, sich bei einer Bankenabgabe an der Risikostruktur der Geschäfte und den Auswirkungen einer Bankenpleite auf die gesamte Branche zu orientieren. Kapitalmarktchef Viñals sagte nun, man müsse bei einer solchen Maßnahme zwei Ziele im Blick behalten: „Das System muss sicher sein, aber die Branche darf ihre Dynamik nicht verlieren.“

Schwellenländern drohen Blasen

Der IWF warnte auch davor, dass insbesondere die Schwellenländer mit einem großen Zufluss an Kapital konfrontiert werden könnten. Die Erwartung sei, dass vor allem im pazifischen Raum ohne Japan sowie Lateinamerika bald starkes Wirtschaftswachstum zu sehen sei. Zudem rechneten die Märkte mit einer Aufwertung der dortigen Währungen, sodass der Wert von Kapitalanlagen in den Schwellenländern wachsen könnte. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen in den westlichen Industriestaaten würden zudem Finanzströme in die Schwellenländer gelenkt. Das erhöhe die Gefahr von Blasenbildungen, Inflation und Überhitzung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: