Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Droht ein Forderungsverzicht?…

Posted by hw71 - 21. April 2010


Interessant auch, wie langsam immer höhere Summen in den Medien diskutiert werden. Jetzt ist plötzlich bis zu 100 Mrd. EUR die Rede! Gefunden bei handelsblatt.com:

20.04.2010

Anleihen: Bondgläubigern drohen Verluste

Die Kredithilfen von EU und IWF für Griechenland reichen nicht aus. Experten prophezeien, dass auch die privaten Anleihegläubiger zur Kasse gebeten werden. Es droht ein Forderungsverzicht.

von Klaus C. Engelen und Marietta Kurm-Engels

BERLIN/FRANKFURT. Eigentlich sollten die Verhandlungen über die konkreten Hilfen für Griechenland schon am Montag in Athen beginnen. Doch die isländische Asche am Himmel über Europa machte den Vertretern der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Strich durch die Rechnung. Ihre Flüge fielen aus, nun soll ab Dienstag oder Mittwoch verhandelt werden. Nicht mit am Tisch werden die Gläubiger des hoch verschuldeten Landes sitzen, die Anleihe-Investoren. Dabei erwarten viele Experten, dass ihnen auch ein Ausfall droht, ein teilweiser Ausfall ihrer Forderungen. So sagt Heribert Dieter, Finanzxperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin: „Nur ein teilweiser Forderungsverzicht der Besitzer von Anleihen, also eine Teilentschuldung, in Verbindung mit einem Maßnahmepaket zur Modernisierung der griechischen Volkswirtschaft verspricht Erfolg.“

Griechenland kämpft mit hohen Schulden, hohen Ausgaben und einer schrumpfenden Wirtschaft und war ins Visier der Finanzmärkte geraten. Spekulanten wetteten darauf, dass das Land es nicht schaffe, sich selbst aus der Misere zu befreien. Die EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen Ende März ein Rettungspaket, das die Märkte jedoch nur vorübergehend beruhigte. Schon einen Tag später hatten die Zweifler wieder die Oberhand. Am Montag stiegen griechische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit auf bis zu 7,63 Prozent, Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit kletterten auf 7,18 Prozent.

Hilfen von mehr als 100 Mrd. Euro?

Bisher hat Finanzminister Giorgos Papakonstantinou noch offen gelassen, wann Athen ein offizielles Hilfegesuch an die EU und den IWF richten wird. Die EU stellt Athen im ersten Jahr 30 Mrd. Euro bereit, der IWF soll weitere 15 Mrd. beisteuern. Die Euro-Länder bringen ihren Beitrag entsprechend ihrem Kapitalschlüssel bei der EZB auf, auf Deutschland entfallen dadurch gut acht Mrd. Euro. Die Finanzierung danach ist offen. Insgesamt könnte sich die Hilfssumme aber auf mehr als 100 Mrd. Euro ausweiten.

Wenn am Mittwoch die konkreten Verhandlungen über Umfang und Bedingungen der öffentlichen Hilfen für Griechenland beginnen, kommt nach Ansicht von Fachleuten auch die Frage auf, ob die Anleihegläubiger an der Rettung beteiligt werden müssen. Immer lauter fragen Marktakteure und Finanzexperten, wie der öffentliche Sektor in den kommenden Jahren eine Staatspleite des Euro-Landes bewerkstelligen will, ohne dass Anleihegläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, also so genannte „hair cuts“ akzeptieren.

Der Leiters des Centre for Financial Studies, Daniel Gros, liefert vernichtende Daten. Gros rechnet vor, dass Griechenland die erforderlichen Sparziele über die kommenden Jahre gar nicht erreichen kann. Er erkennt auch keine Anzeichen, dass die griechische Regierung bereit oder überhaupt politisch in der Lage ist, die zugesicherten Kürzungen bei den Staatsausgaben durchzusetzen. Gros befürchtet eine weitere Eskalation der griechischen Haushalts- und Verschuldungskrise – mit einer sich verschärfenden Vertrauenskrise an den Märkten.

Immer mehr Experten sehen den Ausweg nur noch in einer rechtzeitigen Anleiherestrukturierung. Nur so lasse sich eine wesentlich kostspieligere Insolvenz abwenden.

Wolfgang Gerke, Wirtschaftsprofessor und Präsident des Bayerischen Finanzzentrums, sieht schwarz. Die rund 300 Mrd. Euro Schulden und anhaltenden Haushaltsprobleme Griechenlands erforderten in den nächsten drei Jahren nicht die Refinanzierung von etwa 45 Mrd. Euro, „wie man uns mit geschickter Verschleierungspolitik vermittelt“, erklärt er dem Handelsblatt. In Wahrheit seien es über 100 Mrd. Euro – die größte Budgethilfe, die je ein Land von ausländischen Gebern erhalten hat.

„Politik der Subventionsverschleierung“

Gerke kritisiert, dass die Finanzierungszusagen an Griechenland eine umfangreiche Subventionierung darstellen, wie sie der Vertrag von Maastricht explizit ausschließt.

Im Vertrauen auf die faktische Solidarhaftung für Griechenland und seine Gläubiger habe sich die Finanzwirtschaft gezielt mit hoch verzinslichen Griechenland-Anleihen vollgepumpt – und daran kräftig verdient, kritisiert der Wirtschaftsprofessor: „Mit der vereinbarten Stützung Griechenlands werden die Gewinne endgültig privatisiert und die von der Finanzwirtschaft eigentlich zu tragenden Verluste sozialisiert.“

Statt „diese Politik der Subventionsverschleierung“ fortzuführen fordert Gerke eine Gläubigerversammlung für Griechenland, die einen Sanierungsplan erstellt. Staatliche Gelder dürften darin nur eingebracht werden, sofern die Griechenland-Gläubiger zu einem Forderungsverzicht beitrügen. Zudem müsse Griechenland einem Austrittsvertrag aus dem Euro-Raum zustimmen, der in Kraft trete, wenn es auch künftig gegen die Maastricht-Kriterien verstoße.

Auch nach Ansicht von Dieter von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin werden die bislang beschlossenen Maßnahmen Griechenlands Überschuldung nicht beseitigen. Die Zahlungsunfähigkeit Athens werde immer wahrscheinlicher und eine Beteiligung der Gläubiger unverzichtbar. Ein Forderungsabschlag von 25 bis 30 Prozent würde die Verschuldung Griechenlands auf ein handhabbares Niveau zurückführen, glaubt Dieter. „Es ist eine Illusion, die vollständige Rückzahlung der gesamten griechischen Startschulden zu erwarten“, warnt der Berliner Ökonom. „Eine baldige Umschuldung wäre besser als ein anhaltender Kampf des Landes mit der Zahlungsunfähigkeit.“

Politik steckt in einem Dilemma

Für Jan Pieter Krahnen, Direktor des Centers for Financial Studies, gibt es keinen Grund, Griechenland anders zu beurteilen, als eine globale Bank. „Hier wie dort werden zukünftige Krisen nur dann unwahrscheinlich werden, wenn es auch für die Gläubiger eine klare Zuordnung von Gewinnen und Verlusten gibt – und ein Bail-out nicht Bestandteil dieses Szenarios ist“, sagt Krahnen.

Die Londoner Ökonomen der Deutschen Bank warnen vor einem Dilemma. „Da die Finanzhilfen unter bestimmten Auflagen gewährt werden, muss die Unterstützung enden, sobald die Auflagen nicht eingehalten werden“, schreiben sie. Gleichzeitig hätten aber führende EU-Politiker erklärt, dass kein Mitglied der Währungsunion (EWU) zahlungsunfähig werden dürfe. Dieses Dilemma könne nur überwunden werden, „wenn in letzter Instanz ein Mechanismus zur geordneten Insolvenz eines EWU-Mitgliedslandes entwickelt wird“, also auch die Anleihebesitzer mit zur Kasse gebeten werden.

Um eine Staatspleite in der Dimension von Argentinien zu verhindern, wären Abschläge von 50 Prozent möglich, schreibt die Bank. Die privaten Anleihegläubiger stünden auch schon schlechter da, wenn die öffentlichen Gläubiger für ihre Kredite einen Vorrang durchsetzten.

Hohe Renditen

Zusagen

Die Ankündigungen der EU-Finanzminister vor gut einer Woche, Griechenland im Zweifelsfall mit Milliardenkrediten unter die Arme zu greifen, haben die Refinanzierung der Hellenen an den Anleihemärkten nur kurz verbilligt. Die Rendite zehnjähriger Anleihen ist inzwischen schon wieder so hoch wie Ende 1998.

Misstrauen

Investoren sind unsicher, ob und zu welchen Bedingungen die Hilfen fließen, und zweifeln an der langfristigen Tragfähigkeit der griechischen Sparpläne.

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