Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Börsenaufsicht SEC klagt Goldman Sachs an…

Posted by hw71 - 16. April 2010


Das dürfte ein interessanter Start in die Börsenwoche werden… Gefunden bei ftd.de:

16.04.2010, 22:18

Betrugsverdacht

SEC klagt Goldman Sachs an

Das Image der Bank ist angekratzt. Dagegen helfen die erwarteten Milliardengewinne nicht – und schon gar nicht die Klage der Börsenaufsicht: Goldman Sachs soll Kunden bei hypothekenbesicherten Wertpapieren getäuscht haben. von Tobias Bayer Frankfurt, Christine Mai Frankfurt und Daniel von Bülow, Frankfurt

Die US-Börsenaufsicht SEC macht Front gegen Goldman Sachs . Die Behörde klagte am Freitag die Bank und einen ihrer Mitarbeiter wegen mutmaßlichen Betrugs mit komplexen Finanzprodukten an. Goldman wies die Vorwürfe zurück und kündigte an, sie „entschlossen anzufechten“.

Die Nachricht sorgte am Kapitalmarkt für heftige Bewegungen: Die Goldman-Sachs-Aktie stürzte um bis zu 12,8 Prozent ab. Auch andere US-Titel verloren deutlich: Der Dow Jones rutschte um bis zu 130 Punkte ab. Die Aktie der Deutschen Bank lag mit 7,1 im Minus und war schlechtester Wert in Europa. Der Dax gab um 1,5 Prozent auf 6199 Punkte nach.

„Das Produkt war neu und komplex, aber der Betrug und die Konflikte sind alt und simpel“, sagte Robert Khuzami, Leiter der Vollstreckungsabteilung der SEC.“ Konkret wirft die Behörde Goldman Sachs vor, Investoren entscheidende Informationen über Kreditportfolien vorenthalten zu haben. Es geht um sogenannte synthetische Collateralised Debt Obligations (CDOs), die sich an der Entwicklung von Wertpapieren orientierten, die mit Eigenheimkrediten besichert sind. Bei CDOs werden Kredite in Tranchen aufgeteilt, die dann weiterverkauft werden. Statt eines echten Kredits liegen bei der synthetischen Form Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) zu Grunde.

Goldman habe Anleger nicht darüber informiert, dass Paulson & Co, einer der weltgrößten Hedge-Fonds, eine große Rolle bei der Auswahl der Portfolios gespielt habe – während er gleichzeitig gegen diese Positionen wettete. Der Hedge-Fonds habe der Bank 15 Mio. $ dafür bezahlt, eine entsprechende Konstruktion aufzusetzen. Ziel sei es gewesen, vom Schadensfall (Credit Event) zu profitieren. Hedge-Fonds-Manager John Paulson erzielte – unter anderem dank dieser Wetten – gewaltige Renditen und avancierte zum neuen Star der Finanzwelt.

Laut Goldmans Werbematerial für den CDO mit dem Namen Abacus habe das auf die Analyse von verbrieften Eigenheimkrediten spezialisierte Unternehmen ACA Management die Portfolios ausgesucht. Laut SEC war das für die Investoren ein großes Verlustgeschäft. Insgesamt sollen sie mehr als 1 Mrd. $ versenkt haben.

Paulson pickte sich die schlechten Papiere raus

Paulson & Co habe genau für das Portfolio der mit Eigenheimkrediten besicherten Wertpapiere (RMBS), das es selbst ausgesucht hatte, Verkaufspositionen aufgebaut. Der Hedge-Fonds schloss mit Goldman Sachs Kreditversicherungen ab, um sich gegen Ausfälle bestimmter Tranchen von Abacus zu schützen. „Paulson & Co hatte einen wirtschaftlichen Anreiz, RMBS auszuwählen, bei denen die Firma einen baldigen Credit Event erwartete“, wirft die SEC den Beschuldigten vor.

Goldman-Manager Fabrice Tourre war laut der Behörde hauptsächlich für Abacus verantwortlich. Er habe die Transaktion strukturiert, das Werbematerial vorbereitet und direkt mit Investoren kommuniziert. Tourre habe von den Paulsons Interessen an dem Geschäft gewusst. Zudem habe er ACA in dem Glauben gelassen, Paulson habe 200 Mio. $ in das Aktienkapital von Abacus gesteckt, womit beide Unternehmen ähnliche Interessen vertreten hätten. „Tatsächlich standen ihre Interessen in scharfem Konflikt zueinander“, so die SEC.

Weiter führt die SEC in der Klageschrift pikante Dokumente gegen Tourre ins Feld. In einer E-mail an einen Freund habe er zu einem Zeitpunkt, an dem die Vermarktung dieser Konstrukte schwieriger geworden war, geschrieben: „Immer mehr und mehr Fremdfinanzierung steckt in diesem System, das ganze Gebäude steht jetzt kurz davor zusammenzubrechen … Der einzig mögliche Überlebende, ‚fabulous Fab‘, steht im Zentrum all dieser komplexen, höchst fremdfinanzierten, exotischen Geschäfte, die er erschaffen hat, ohne dabei notwendigerweise jede Auswirkung dieser Ungeheuerlichkeiten verstanden zu haben.“ Damit betrachtete Tourre sich selber als persönlichen Gewinner des möglichen Untergangs seines Arbeitgebers Goldman Sachs.

Abacus wurde laut der Aufsicht im April 2007 aufgesetzt. Im Oktober desselben Jahres seien 83 Prozent der RMBS in dem Portfolios herabgestuft worden, 17 Prozent hätten einen negativen Ausblick gehabt. Bis Ende Januar 2008 seien 99 Prozent des Portfolios heruntergestuft worden.

Für Goldman Sachs ist das ein schwerer Schlag. Das Wall-Street-Haus steht trotz hervorragender Ergebnisse öffentlich in der Kritik. Es muss sich den Vorwurf gefallen lassen, von seinen guten Kontakten nach Washington zu profitieren. Außerdem zog Goldman-Sachs-Vorstandschef Lloyd Blankfein öffentlichen Unmut auf sich, als er sagte, Banker verrichteten „Gottes Werk“. Seitdem steuert das Unternehmen mit einer Imagekampagne gegen. Das Geldhaus präsentiert am Dienstag die Zahlen für das erste Quartal.

Für die SEC könnte die Goldman-Klage der lang ersehnte Befreiungsschlag sein. Die Behörde wird wegen ihrer laxen Aufsicht der Wall Street und wegen des Jahrhundertbetrugs rund um Hedge-Fonds-Manager Bernard Madoff gescholten. Gerade der ehemalige Chef Christopher Cox galt als Fehlbesetzung. Seine Nachfolgerin Mary Schapiro will das Blatt wenden und tritt aggressiver auf. Sie setzt sich für eine härtere Regulierung im Hochfrequenzhandel ein und macht sich für schärfere Regeln auf dem Derivatemarkt stark.

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: