Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Portugal gerät immer mehr unter Druck…

Posted by hw71 - 16. April 2010


Das erinnert alles irgendwie an die Anfänge in Griechenland… Achja – dazu steht in nachfolgendem Artikel auch was: offensichtlich hält man weiterhin an der Dollar-Anleihe fest. Gefunden bei boersen-zeitung.de:

16.04.10

Credit Risk Report: Portugal-CDS-Spread weitet sich kräftig aus

Gesamte Eurozonen-Peripherie unter Druck – Staaten-Aufschläge steigen wieder auf Banken-Niveau

Von Kai Johannsen, Frankfurt

Nach Griechenland könnte an den Märkten nun Portugal als nächster Kandidat für eine Stützungsaktion gehandelt werden. Denn trotz einer erfolgreich verlaufenen Platzierung von zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen im Umfang von 2 Mrd. Euro Mitte dieser Woche geraten die Portugiesen immer stärker unter Druck.

Investoren gehen zunehmend dazu über, sich gegen einen möglichen Ausfall portugiesischer Papiere abzusichern. Deshalb weiten sich die Spreads der CDS immer mehr aus. Aber auch bei den Kassaanleihen sind infolge von Verkäufen Spread-Ausweitungen gegenüber den Bundesanleihen zu beobachten.

Bei Portugal vollzieht sich die Spread-Ausweitung bei den CDS in dieser Woche ausgesprochen rasant. Binnen eines Monats hat sich der Spread der fünfjährigen CDS nahezu verdoppelt, rund die Hälfte dieser Wegstrecke hat er in den vergangenen vier Handelstagen zurückgelegt. Anfang März lag der Spread bei rund 111 Basispunkten (BP). Zu Wochenbeginn waren es 151 BP. Gestern wurde kurzzeitig wieder die 200-BP-Marke erreicht.

Im späten Geschäft trat an den Märkten eine leichte Beruhigung ein. Die Spreads engten sich im späten Handel auf um die 190 BP ein. Der Rekordwert von 245 BP wurde Anfang Februar gemessen. Am Kassamarkt zog die Rendite der zehnjährigen portugiesischen Staatsanleihen von 4,41 % am Vortag bis auf 4,51 % an. Später kam sie wieder auf 4,42 % zurück. Die Renditedifferenz zu den Bundesanleihen im zehnjährigen Laufzeitbereich lag damit bei rund 129 BP.

Deutlichere Spread-Ausweitungen bei den Portugiesen hatte es bereits zur Wochenmitte gegeben. Nach der Anleiheauktion hatte die EU-Kommission die Portugiesen vor Haushaltsrisiken gewarnt. Unter Umständen könnten in diesem Jahr zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen notwendig werden. Das hatte für beschleunigte Spread-Ausweitungen gesorgt, die sich gestern fortsetzten. Neue Nachrichten rund um Portugal gab es gestern nicht.

Rasante Bewegungen

Teilnehmer sprachen gestern von sehr rasanten Marktbewegungen bei den Portugal-CDS. Das sei insbesondere am Vormittag zu beobachten gewesen. Die Volatilität sei sehr hoch. Portugal steht hinsichtlich der Refinanzierungssituation, speziell der Fälligkeiten, derzeit aber noch besser da als beispielsweise Griechenland. Die Portugiesen haben ausstehende staatliche Schuldtitel von rund 128 Mrd. Euro. Die nächste Fälligkeit kommt aber erst am 20. Mai. Dann wird eine Anleihe von rund 5,63 Mrd. Euro fällig.

Einen Tag später sind es Geldmarktpapiere (T-Bills) über 1,286 Mrd. Euro. Danach werden erst im Juli T-Bills über 3,926 Mrd. Euro fällig. Spread-Ausweitungen waren gestern in der gesamten Eurozonen-Peripherie zu beobachten. So zog der CDS-Spread bei Spanien von 140 auf 147 BP an.

Bei Italien weitete er sich von 127 auf 131 BP aus.

Bei Griechenland handelten die Spreads auf anhaltend hohem Niveau, der Spread hatte sich bereits in den Vortagen deutlich ausgeweitet. Griechenland-CDS wurden gestern mit unveränderten 430 (Tageshoch: 450) BP quotiert. Die Griechen bestätigten gestern, dass sie an ihrer Roadshow in den USA festhalten werden. Die Investorenbesuche seien weiterhin ab dem 20. April geplant. Im Handel wurde herumgereicht, dass Morgan Stanley als Lead Manager mandatiert worden sei. Offiziell wurde das aber nicht bestätigt. Spekuliert wurde unter Akteuren auch über das Volumen des Dollar-Bonds aus Athen. Auf Euro umgerechnet wurde im Handel eine Größenordnung von 3 bis 5 Mrd. Euro herumgereicht. Unterdessen gab es bei den jüngsten Geldmarktpapieren, die am Dienstag versteigert worden waren, Aufstockungen. Über die Gebote auf Nichtwettbewerbsbasis – Banken können nach der Auktion noch Papiere zu den in der Auktion ermittelten Preisen nachkaufen – wurden die beiden sechs und zwölf Monate laufenden T-Bills um weitere insgesamt 360 Mill. Euro aufgestockt. Das Volumen beider Papiere liegt nun bei 1,92 Mrd. Euro. Aufstockungen hatte es bereits am Dienstag gegeben. Die Spread-Ausweitungen in der Peripherie machten sich auch auf der Indexebene bemerkbar.

Der SovX Western Europe, ein Staaten-CDS-Index für die vom Markt erwartete Bonitätsentwicklung 15 westeuropäischer Länder, erreichte 92 (Vortag: 90) BP. Damit liegt er weiterhin deutlich über dem iTraxx Europe für 125 besser benotete Unternehmen Europas, der gestern unverändert bei 76 BP stand. Damit haben die Staaten gemessen am SovX Western Europa nun auch wieder das Spread-Level der Banken erreicht, und zwar gemessen am iTraxx Europe Senior Financials, d. h. auf die vorrangigen Schuldtitel der Finanzhäuser. In dem Index sind 25 Finanztitel vertreten. Beide Indizes lagen gestern auf dem gleichen Spread-Niveau. Anfang Januar und Ende Januar/Anfang Februar hatte der SovX Western Europe bereits kurzzeitig über dem Financials-Index gelegen.

Börsen-Zeitung, 16.04.2010, Autor Kai Johannsen, Frankfurt, Ausgabe Nr. 72, Seite 17, 685 Worte

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