Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Griechen holen ihr Geld von der Bank…

Posted by hw71 - 6. April 2010


Passend zu meinem letzten Griechenland-Posting nun das hier – gefunden bei ftd.de:

06.04.2010, 16:46

Schwindendes Vertrauen

Griechenland-Angst erreicht neuen Höhepunkt

Athen gelingt es nicht, die Märkte zu beruhigen: Bondinvestoren fordern die höchsten Risikoaufschläge seit dem Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone. Kreditderivate legen deutlich zu. Und die eigene Bevölkerung holt ihr Geld von der Bank. von David Oakley, London, Kerin Hope, Athen, und Christine Mai

Neue Sorgen um die griechischen Finanzprobleme haben Investoren aufgeschreckt: Die Risikoprämie, die Anleger für zehnjährige hellenische Staatsanleihen gegenüber vergleichbaren Bundespapieren verlangen, erreichte am Dienstag 408 Basispunkte. Der Spread war damit so hoch wie noch nie seit dem Beitritt Griechenlands zur Euro-Zone im Jahr 2001. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen lag damit bei 7,02 Prozent.

Auch die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall stiegen dramatisch an: Kreditderivate (Credit Default Swaps, CDS) auf fünfjährige griechische Staatsanleihen kletterten laut dem Datendienstleister Markit um 56 Basispunkte auf 400 und damit den höchsten Stand seit Anfang Februar. Damit kostet es 400.000 Euro, Anleihen im Wert von 10 Mio. Euro ein Jahr lang gegen einen Ausfall zu versichern.

Hintergrund waren unter anderem neue Daten, die darauf hindeuten, dass die Griechen das Vertrauen in die Fähigkeit der Regierung verlieren, die Finanzprobleme des Landes zu lösen. Devisenanalysten der Commerzbank verwiesen auf Zahlen der Bank of Greece, wonach Einlagen inländischer Anleger im Januar und Februar im Vergleich zum Dezember gefallen sind, erstmals seit dem Eintritt in die Währungsunion 2001.

Der Abfluss belief sich auf 8 Mrd. Euro, was rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. „Damit wird nicht nur die Lage für die Banken unangenehm, auch der Staat selbst kommt in Schwierigkeiten“, schrieben die Analysten in einer Notiz. „Immerhin sind die griechischen Banken die größten Abnehmer von griechischen Staatsanleihen.“

Zudem wurde bekannt, dass Griechenland im Kampf gegen seine Finanzprobleme um neue Investoren buhlt: Die Regierung in Athen will in diesem Monat am US-Bondmarkt Milliarden aufnehmen und sich dabei erstmals als Schwellenland vermarkten. Zwischen 5 und 10 Mrd. $ will das Land durch die erste Emission in den Vereinigten Staaten seit fast zwei Jahren einsammeln.

„Griechenland will seine Investorenbasis verbreitern, was bedeutet, Schwellenländer-Fonds ebenso wie andere Investoren anzulocken“, sagte ein Beamter. „Griechenland wird seit einiger Zeit wie ein Schwellenland gehandelt“, sagte ein hochrangiger Banker in London. Die Entscheidung, sich nun auch so zu vermarkten, sei sinnvoll, „da viele europäische Fonds nervös sind, was Investitionen in Griechenland angeht“.

Das Land zieht damit die Konsequenzen aus der zuletzt geringen Nachfrage europäischer Anleger. Auf Schwellenländer spezialisierte Anleger kaufen nur Verbindlichkeiten, die eine hohe Rendite abwerfen. Das trifft auf griechische Anleihen zu – der schuldengeplagte Staat muss derzeit sogar mehr Zinsen zahlen als viele Schwellenländer: Die Renditen auf zehnjährige Staatsanleihen liegen um die 6,5 Prozent, Brasilien hingegen zahlt auf vergleichbare brasilianische Papiere lediglich 4,9 Prozent, Mexiko 4,8 Prozent und Polen 5,5 Prozent. Ungarn, das von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Milliarden gestützt wird, zahlt 6,6 Prozent und damit in etwa so viel wie Griechenland.

Bei den Asiaten abgeblitzt

Auch aus Asien schlägt dem Land Skepsis entgegen: Finanzminister Giorgos Papaconstantinou wolle „nach dem 20. April“ bei US-Investoren für die neue Anleihe werben, im Gegensatz zu Plänen von Anfang des Jahres aber nicht nach Asien reisen, hieß es. Griechenland strebte damals an Investoren in den USA und Asien für eine Emission zu gewinnen, legte das Vorhaben aber auf Eis, nachdem Gerüchte aufkamen, China meide Verbindlichkeiten des Landes.

Die zunehmend verzweifelten Versuche der Griechen, frisches Geld aufzutreiben, belasteten am Dienstag erneut den Euro. Die Gemeinschaftswährung lag am Nachmittag 0,6 Prozent im Minus bei 1,3381 $. Der Euro verlor gegenüber 15 der 16 meistgehandelten Währungen.

Warum Merkel mit dem Rest der Euro-Zone streitet

Griechenland war mit seiner letzten Anleihe-Emission vorige Woche auf eine vergleichsweise geringe Nachfrage gestoßen. Dabei hatten die anderen EU-Staaten dem Land kurz zuvor finanzielle Unterstützung zugesagt für den Fall, dass es sich an den Kapitalmärkten nicht mehr refinanzieren kann. Auch der IWF soll an einer solchen Aktion beteiligt werden.

Wie Unterstützung für das Land konkret aussehen würde, ist allerdings unklar. Deutschland streitet derzeit nach Informationen der Financial Times mit anderen Mitgliedern der Euro-Zone darüber, wie viel Zinsen Athen im Ernstfall zahlen soll.

Die meisten Euro-Länder wollten den Hellenen laut EU-Kreisen Kredite mit Zinsen von 4 bis 4,5 Prozent anbieten. Das ist die Rate, die andere hoch verschuldete Euro-Staaten wie Irland und Portugal zahlen – und die Griechenland für sich einfordert. Deutschland hingegen pocht demnach darauf, dass der Staat 6 bis 6,5 Prozent zahlt und damit so viel, wie derzeit auf seine zehnjährigen Staatsanleihen fällig sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist darauf bedacht, den Eindruck zu vermeiden, Griechenland werde für seine Finanzpolitik nicht angemessen bestraft – zumal Hilfen für den Staat in der Bevölkerung äußerst unpopulär sind. Außerdem müsse die Regierung mit einem Veto des Bundesverfassungsgerichts rechnen, wenn sie sich auf günstigere Zinsen einlässt.

Die hohen Renditen, die Athen am Markt zahlt, drohen die Bemühungen um die Sanierung der Staatsfinanzen zu untergraben. Die Regierung will das Budgetdefizit mit einem drastischen Sparprogramm von 12,7 Prozent des BIP im Jahr 2009 auf 8,7 Prozent in diesem Jahr drücken.

Die Finanznachrichtenagentur Market News International berichtete indes, Athen wolle die EU-Hilfszusage nachverhandeln und erreichen, dass der IWF nicht beteiligt wird. Die Regierung habe sich über die mit einer solchen Unterstützung verbundenen Auflagen informiert und fürchte angesichts harter Schnitte politische und soziale Unruhen. In Regierungskreisen wurde das dementiert.

* 16:04

© 2010 Financial Times Deutschland

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