Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Irland: Regierung rettet abermals Banken

Posted by hw71 - 5. April 2010


Gefunden bei faz.net:

Finanzkrise

Irische Regierung rettet abermals Banken

Von Marcus Theurer, London

31. März 2010

In Irland spitzt sich die Bankenkrise weiter zu. Finanzminister Brian Lenihan kündigte an, mit einem erheblich aufgestockten Rekapitalisierungsprogramm für die maroden Finanzkonzerne „ein für alle Mal“ einen Strich unter die Misere zu ziehen. Der Staat werde „wahrscheinlich die Mehrheit“ am zweitgrößten irischen Kreditinstitut Allied Irish Banks (AIB) übernehmen müssen, räumte Lenihan im Parlament ein.

Irland hält bereits einen Minderheitsanteil an der AIB. Auch die Staatsbeteiligung am Marktführer Bank of Ireland werde aufgestockt, solle aber unter 50 Prozent bleiben.

Der Finanzminister kündigte außerdem an, den drittgrößten Geldkonzern des Landes, Anglo Irish Bank, kurzfristig mit einer weiteren staatlichen Kapitalspritze von 8,3 Milliarden Euro auszustatten. Später seien voraussichtlich noch einmal rund 10 Milliarden Euro nötig. „Die Anglo Irish Bank ist mit Abstand die größte Herausforderung“, sagte Lenihan. Eine Abwicklung der Krisenbank würde die Steuerzahler aber deutlich mehr Geld kosten als ihre Sanierung.

Oppositionspolitiker kritisierten dagegen, die Bankenrettung treibe den irischen Staat in eine gefährliche Schuldenspirale. Die Regierung hat die damals vor dem Zusammenbruch stehende Anglo Irish bereits Anfang 2009 verstaatlicht. Der Finanzkonzern wird voraussichtlich in den kommenden Tagen den höchsten Verlust in der irischen Wirtschaftsgeschichte bekanntgeben (Anglo Irish Bank macht einen Rekordverlust).

Unterdessen teilte die staatliche Rettungsgesellschaft Nama (National Asset Management Agency) mit, sie habe in einer ersten Tranche der AIB, der Bank of Ireland, der Anglo Irish Bank und zwei weiteren Finanzdienstleistern Problemkredite im Nominalwert von 16 Milliarden Euro abgekauft.

Die Nama bezahlte den Banken 8,5 Milliarden Euro und nahm damit einen Preisabschlag von 47 Prozent vor. Insgesamt soll die Agentur die Finanzkonzerne von faulen Krediten im Volumen von 81 Milliarden Euro entlasten. Je höher der Preisabschlag ausfällt, umso größere Löcher werden in den Bankbilanzen gerissen, und umso höher ist ihr Bedarf an frischem Kapital vom Staat.

Die irische Regierung versucht, mit der Befreiung der Banken von ihren Altlasten die lahmende Kreditvergabe wieder in Schwung zu bringen und so die Wirtschaft anzukurbeln. Die Finanzkonzerne sind vor allem durch leichtfertige Immobilienkredite, die sie in den Jahren der Hochkonjunktur vor Ausbruch der Weltfinanzkrise vergeben haben, in Existenznot geraten. Seit 2007 sind die Immobilienpreise in Irland um mehr als die Hälfte gefallen, und Experten rechnen in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang.

Der Kollaps der zuvor aufgeblähten Immobilienbranche hat Irland hart getroffen. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft des Landes um 7,1 Prozent und damit stärker als in allen anderen Mitgliedstaaten der europäischen Währungsunion. Auch im vierten Quartal 2009 ist das Bruttoinlandsprodukt weiter gesunken, während fast alle anderen Länder ein leichtes Wachstum verzeichneten.

Weil Irland unter der Wirtschaftskrise besonders stark leidet, gilt das Land neben Griechenland, Spanien und Italien als einer der Wackelkandidaten im Euro-Raum. Im vergangenen Jahr zählte das staatliche Haushaltsdefizit der Iren mit 11,7 Prozent zu den höchsten unter den Euro-Ländern. Anders als Griechenland hat das Land bisher aber kein Vertrauensproblem an den Finanzmärkten. Die Risikoprämie irischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen ist in den vergangenen Monaten sogar deutlich gesunken. Volkswirte führen dies darauf zurück, dass die irische Regierung unter Premierminister Brian Cowen schon im vergangenen Jahr einen harten und glaubwürdigen Sparkurs eingeschlagen hat. Bis 2013 soll das Haushaltsdefizit auf 4,9 Prozent mehr als halbiert werden

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: REUTERS

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