Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Klavierbauer Schimmel vorerst gerettet…

Posted by hw71 - 5. April 2010


Schulden sollen durch Vergleiche abgebaut und die Ausgaben durch Straffung der Produktion und Streichung von 15 Arbeitsplätzen um 500.000 EUR / Jahr reduziert werden… Good luck!

Gefunden bei ftd.de:

30.03.2010, 19:48

Hunderprozentiges Familienunternehmen

Pianobauer Schimmel startet neu

Exklusiv Schimmel hat die drohende Pleite vorerst abgewendet. Die Gläubigerversammlung stimmte dem Insolvenzplanverfahren für Deutschlands größten Klavierbauer zu. von Torben-Gerd Schultz

„Schimmel ist jetzt wieder ein hundertprozentiges Familienunternehmen“, sagte Firmenchef Hannes Schimmel-Vogel der FTD. Hierfür habe die Familie Schimmel einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag investiert. Mit dem japanischen Instrumentenhersteller Yamaha habe man sich auf die Übernahme des Minderheitsanteils in Höhe von 24,99 Prozent geeinigt.

Mit der Zustimmung der Gläubiger ist der Weg frei für die Sanierung des Traditionsunternehmens, das zu einem der prominentesten Opfer der weltweiten Konjunkturkrise zählte. Das Insolvenzplanverfahren, das bereits die Modekette SinnLeffers oder den Büroartikler Herlitz vor der Pleite rettete, sieht unter anderem Vergleiche mit den Gläubigern vor. Die 1885 gegründete Firma hatte am 31. Juli 2009 Insolvenz angemeldet, nachdem der für die Braunschweiger wichtige US-Markt um rund 70 Prozent eingebrochen war.

Insgesamt belief sich das Absatzminus im vergangenen Jahr auf 40 Prozent. Der Umsatz ging um rund die Hälfte auf 12 Mio. Euro zurück. Darüber hinaus schlug eine Verschuldung in Höhe von 10 Mio. Euro zu Buche. Diese soll nun durch Vergleiche zurückgeführt, die Restschuld bis Jahresende beglichen werden.

Der Sanierungsplan sieht Einsparungen von mehr als 500.000 Euro pro Jahr durch eine neue Tarifstruktur vor. Schimmel beschäftigt noch 125 Mitarbeiter, vor der Insolvenz waren es 144. Ebenfalls 500.000 Euro wollen die Braunschweiger durch die Straffung der Produktionsabläufe in der Braunschweiger Pianofabrik erzielen. Dabei nimmt sich Schimmel den Zuffenhausener Sportwagenbauer Porsche zum Vorbild. „Wendelin Wiedeking hat Porsche durch eine absolute Perfektion in der Produktion gesund gemacht“, sagte Firmenchef Schimmel-Vogel. Darüber hinaus werde die Gehäuseproduktion von Leipzig nach Braunschweig verlegt. 15 Arbeitsplätze fallen dadurch weg.

Burkhard Stein, Vorsitzender des Bundesverbands Klavier, wertet die Sanierung des Braunschweiger Unternehmens als Signal. „Die Schimmel-Insolvenz hat am Image der Branche gekratzt“, so Stein. Beim Wegfall eines der wichtigsten Abnehmer wie Schimmel drohe die Zuliefererindustrie zu kollabieren. Mittlerweile habe die Branche die Talsohle durchschritten. „Wichtige Exportmärkte wie die USA und Russland erholen sich langsam“, so Stein.

In diesem Geschäftsjahr peilt Schimmel einen Umsatz von 12 Mio. Euro an. 2011 soll es eine moderate Steigerung von sieben Prozent geben. „Wir wollen langsam wachsen und uns nicht noch einmal zu abhängig machen von bestimmten Märkten“, sagte Schimmel-Vogel. Der Umsatzanteil des US-Markts werde künftig bei 18 Prozent gedeckelt. Wichtigster Absatzmarkt für das Unternehmen sei Deutschland mit 40 Prozent des Umsatzes.

Mit einer Modelloffensive will Schimmel ab Mai verstärkt ins Premiumsegment streben – und damit zum größeren Rivalen Steinway & Sons aufschließen. „Das ist unser erklärtes Ziel“, stellte Schimmel-Vogel fest. Das Oberklassesegment bei Flügeln und Klavieren ist besonders margenträchtig. Die Marke Schimmel trägt rund 60 Prozent zum Umsatz der Braunschweiger bei.

Die Schimmel-Insolvenz markierte den vorläufigen Tiefpunkt in der Traditionsbranche. 2008 taumelten die Leipziger Pianoforte sowie Seiler aus dem unterfränkischen Kitzingen in die Insolvenz. Seiler wurde durch den Einstieg von Samick gerettet; die Koreaner hatten bereits 2004 den Klavierbauer Bechstein gekauft. Bechstein musste im November eine Kapitalerhöhung über 3 Mio. Euro durchführen. Selbst Steinway & Sons musste sich durch den Verkauf von Millionen Aktien an Samick frisches Kapital besorgen.

* Aus der FTD vom 31.03.2010

© 2010 Financial Times Deutschland

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