Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: „Astroh-Kunden gehen wohl leer aus“…

Posted by hw71 - 5. April 2010


Selbst zwei Jahre nach der Insolvenz des Küchen-Riesen Astroh ist das Verfahren noch immer nicht abgeschlossen – aber es scheint sich immer mehr zu bewahrheiten, dass Kunden, die seinerzeit Geld für eine neue Küche angezahlt hatten – diese aber aufgrund der zwischenzeitlichen Insolvenz nicht mehr geliefert bekamen, wohl leer ausgehen werden… 😦

Gefunden bei derwesten.de:

Insolvenz : Astroh-Kunden werden voraussichtlich leer ausgehen

Bochum, 30.03.2010, Arne Poll

Bochum. Zwei Jahre nach der Insolvenz von Küchen-Riese Astroh ist das Verfahren immer noch nicht abgeschlossen. Angestellte und Vermieter könnten einen Teil ihrer Forderungen aus der Insolvenzmasse beglichen bekommen. Die Kunden gehen wohl leer aus.

Im zweiten Anlauf waren die Rzesniks vorsichtiger. Sie horchten genau hin, was ihnen der Küchenverkäufer erzählte. Und sie streckten vor allem kein Geld mehr vor. „Alles hat wunderbar funktioniert“, sagt Waltraud Rzesnik. Die neue Küche wurde pünktlich geliefert. Glück gehabt.

Das war mal anders. Die ­58-Jährige erinnert sich noch genau ans Frühjahr 2008. Fast vier Jahre hatten sie und ihr Ehemann Bernd für die neue Küche gespart. Ein Traum in Vanille sollte es werden. Mit Verkleidungen aus Granit und extrabreiten Schränken mit Auszügen, bestellt bei Astroh-Küchen – dem Unternehmen, dem es so gut zu gehen schien, dass es eine Filiale nach der anderen eröffnete.

8000 Euro zahlten die Rzesniks an. Dann meldete der Küchen-Riese Insolvenz an. 600 Beschäftigte verloren ihre Jobs. 2000 Kunden warteten vergeblich auf die Ware. Bei der Gläubigerversammlung im April 2008 summierten sich die Verbindlichkeiten des Bochumer Unternehmens, das bundesweit 21 Filialen betrieb, auf 80 Millionen Euro. „Die Wut kommt immer wieder hoch, wenn ich daran denke“, sagt Waltraud Rzesnik.

Ende des Insolvenzverfahrens ist nicht absehbar

Um Astroh ist es seit der Gläubiger-Versammlung still geworden. Wer die Internet-Seite des einstigen Vorzeige-Unternehmens aufruft, stößt auf Werbung für Neckermann-Möbel aus dem Katalog und erotische Sofortkontakte. Die virtuelle Adresse steht inzwischen zum Verkauf.

Der Insolvenz-Verwalter will sich selbst nicht zum Verlauf des Verfahrens äußern. „Sachstands-Fragen stehen bei uns ganz hinten an“, heißt es auf Nachfrage im Sekretariat der Düsseldorfer Kanzlei Kebekus und Zimmermann.

Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Insolvenzverfahren so lange dauere, sagt Kebekus-Sprecher Holger Voskuhl. „Das ist völlig normal.“ Ein Ende sei auch nicht absehbar. „Es gibt noch diverse Klagen.“ Der Insolvenzverwalter streite vor Gericht mit Schuldnern. Es gebe ja auch Menschen, die ihrerseits nicht alle Astroh-Rechnungen bezahlt haben. Um welche Summe es da gehe, könne er adhoc nicht sagen. Nur so viel: „Das ist ein nennenswerter Betrag“.

„Die anderen werden wohl nichts kriegen.“

Der Sprecher macht den Angestellten und Vermietern des früheren Küchen-Königs Andreas Astroh etwas Hoffnung. „Es wird wohl eine Quote geben.“ Heißt: Alles, was der Insolvenzverwalter noch zu Geld machen konnte, wird unter den Gläubigern aufgeteilt. Wie die Quote ausfallen wird – ob etwa die zwischenzeitlich genannten 50 Prozent ausgezahlt werden – sei noch völlig offen. Den geprellten Kunden nimmt Voskuhl aber auf jeden Fall jegliche Hoffnung: „Die anderen werden wohl nichts kriegen.“

Die Rzesniks haben seit der Gläubigerversammlung nichts mehr vom Verwalter gehört. „Bei dieser Versammlung ist nichts ‘rumgekommen“, sagt Waltraud Rzesnik. Das Geld hätten sie und ihr Mann mittlerweile abgeschrieben. „Der Verlust ist sicher sehr ärgerlich. Man kann aber auch nicht immer dem Geld hinterhertrauern.“

Einer anderen Familie ist die Sache mittlerweile „ziemlich peinlich.“ Die Scham ist so groß, dass der Mann nicht mehr namentlich darüber reden will. „Wir haben uns anhören müssen, wieso man so blöd sein kann, Geld vorzustrecken.“ Seine größte Sorge sei jetzt, dass sich Gerüchte bestätigen und die Astrohs wieder ein Geschäft eröffnen.

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