Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Schweiz: OC Oerlikon mit Rekordverlust und weiterem Stellenabbau

Posted by hw71 - 3. April 2010


Gefunden bei bernerzeitung.ch:

OC Oerlikon mit Rekordverlust – 4000 Stellen weg

Aktualisiert am 01.04.2010

OC Oerlikon steckt weiter tief in den roten Zahlen. Gleichzeitig zieht die hochverschuldete Industriegruppe den Kopf aus der Schlinge: Das Milliarden-Sanierungspaket steht.

Die Wirtschaftskrise fordert im Zeitraum 2009 bis 2012 beim Industriekonzern OC Oerlikon insgesamt etwa 4000 Stellen. Im vergangenen Jahr wurden knapp 2600 Stellen abgebaut, rund 500 davon bei temporären Mitarbeitern.

Bis 2011 fielen demnach noch einmal etwa 1400 Stellen weg, sagte Thomas Babacan, Chef des operationellen Bereichs, vor den Medien am Firmensitz in Pfäffikon SZ. Die Mitarbeiterzahl per Ende 2009 weist der Konzern mit 16’400 aus.

Tiefer in den roten Zahlen

OC Oerlikon ist 2009 mit einem Verlust von 592 Millionen Franken noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust fällt noch höher aus als 2008, als das Minus 422 Millionen Franken betragen hatte. Auf dem Ergebnis lasteten rund 350 Millionen Franken an Sonderkosten, teilt der Konzern mit. Allein auf dem Goodwill der Textilmaschinensparte mussten hohe 202 Millionen Franken abgeschrieben werden müssen.

Im Zuge der Krise hätten Kunden im grossen Stil Investitionen eingefroren. Der Bestelleingang sank von 4,2 Milliarden Franken auf 3 Milliarden Franken. Der Umsatz brach dadurch erneut massiv ein: Mit 2,88 Milliarden Franken lagen die Gesamteinnahmen 37,9 Prozent tiefer als im Vorjahr.

Der Verkauf von Firmenteilen, darunter das Halbleiter- und das Raumfahrtgeschäft, hätten hingegen 104 Millionen Franken in die Konzernkasse gespült. Die im Sommer 2008 begonnene harte Restrukturierung umfasste nicht nur Verkäufe, sondern auch den Abbau von Tausenden von Stellen. 4000 der 16’400 Mitarbeiter des Konzerns waren Ende 2009 immer noch in Kurzarbeit.

Turnaround noch 2010 angestrebt

Die Restrukturierung zeigt bereits Wirkung: Es sei gelungen, wiederkehrende Einsparungen von 237 Millionen Franken zu erzielen, teilte OC Oerlikon mit. Bis Ende 2011 soll das Kostenniveau nachhaltig um bis zu 400 Millionen Franken gesenkt werden.

In der zweiten Jahreshälfte will OC Oerlikon zumindest operativ in die Gewinnzone zurückkehren. Es würden aber auch 2010 Restrukturierungs- und Finanzierungskosten auf den Konzern zukommen: Konzernchef Hans Ziegler sagte der Nachrichtenagentur AWP, ein Reingewinn sei 2010 noch nicht zu erwarten.

Banken und Aktionäre verlieren

Mit Sicherheit wird OC Oerlikon einen grossen Teil der Schulden los. Im Zuge der Sanierung werden die Kreditgeber aber 25 bis 125 Millionen Franken ans Bein streichen müssen, wie bereits Anfang Woche bekannt geworden war. Die Rekapitalisierung des Konzerns wird durch eine Herabsetzung des Nennwertes aller OC-Oerlikon-Aktien und der anschliessenden Herausgabe von neuen Aktien erreicht.

Pro Aktie erhalten die heutigen OC-Oerlikon-Eigner demnach das Recht, 19 neue Aktien zu je 3.72 Fr. zu kaufen. Hauptaktionärin Renova von Grossinvestor Viktor Vekselberg, die rund 45 Prozent an OC Oerlikon hält, hat sich dazu verpflichtet, all ihre Bezugsrechte auszuüben.

Die Banken dagegen werden jene neuen Aktien zeichnen, deren Bezugsrechte nicht wahrgenommen werden. Der Preis für die neuen Aktien wird dabei mit den Schulden verrechnet, die OC Oerlikon bei den Kreditgebern hat. Auf diese Weise soll rund 1 Milliarde Franken in die Konzernbilanz fliessen.

Die Banken erhalten die Möglichkeit, weitere Aktien zu zeichnen. Alles in allem könne das Eigenkapital um bis zu 1,3 Milliarden Franken erhöht werden, wie OC Oerlikon in einer Mitteilung schreibt. Die rund 1,7 Milliarden Franken Schulden wurden so um bis zu 77 Prozent abgebaut.

(bru/sda)

Erstellt: 01.04.2010, 07:17 Uhr

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