Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Lage in der Realwirtschaft eher düster…

Posted by hw71 - 2. April 2010


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Negative Prognose

Jetzt macht die griechische Wirtschaft schlapp

1. März 2010, 13:19 Uhr

Für Griechenland wird der von der EU geforderte Schuldenabbau schwieriger. Nach dem Rezessionsjahr 2009 sieht es für die Wirtschaft 2010 düster aus. Exporte sinken, Konsumenten sparen und Unternehmen produzieren zu teuer. Eine Einnahmequelle der Griechen bleibt aber stabil: die deutschen Urlauber.

Die Schuldenkrise in Griechenland droht sich durch einen stärkeren Abschwung zu verschärfen. Während sich die Industrie weltweit erholt, beschleunigte die griechische Wirtschaft ihre Talfahrt im Februar 2010 noch. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel um 2,6 auf 44,2 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten.

Dies teilte das Markit-Institut, eine Einrichtung des Finanzinformationsdienstes Markit, mit. Erst ab 50 Zählern wird Wachstum signalisiert. „Der Abschwung in Griechenland hat sich besorgniserregend beschleunigt“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Es ist auch das einzige Euro-Land, das noch immer unter sinkenden Exporten leidet.“

Damit wird es für die Regierung in Athen immer schwieriger, der Schuldenfalle zu entkommen. „Der schmerzloseste Weg der Haushaltskonsolidierung – nämlich über Wachstum mehr Einnahmen zu generieren – kann nicht beschritten werden“, sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle.

Stattdessen müsse der Staat seine Ausgaben kürzen und seine Steuereinnahmen erhöhen, um seine Verschuldung zu senken. „Beides kostet erst einmal Wachstum“, sagte Scheuerle.

Die griechische Wirtschaft war im Jahr 2009 um zwei Prozent geschrumpft. Das war die erste Rezession seit 1993. Die Regierung sagt für 2010 ein Minus von 0,3 Prozent voraus.

Viele Experten rechnen mit einem größeren Rückgang. Als ein Grund für die anhaltende Schwäche gilt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen: Seit Beginn der Währungsunion 1999 stiegen die Lohnstückkosten in Griechenland nach Berechnungen der Europäischen Zentralbank um 15 Prozent. Gegenbeispiel: In Deutschland sanken diese Kosten während desselben Zeitraums um 13,5 Prozent.

Erschwert wird die Erholung durch die steigende Arbeitslosigkeit, die den privaten Konsum dämpft. Mit 9,7 Prozent liegt die Arbeitslosenquote über dem Schnitt der 27 EU-Länder von 9,5 Prozent.

Spitzenreiter ist Spanien mit 18,8 Prozent. In Deutschland betrug die Quote nach Standard der Internationalen Arbeitsorganisation ILO im Januar 7,5 Prozent. In der griechischen Industrie beschleunigte sich der Stellenabbau zuletzt.

Die Regierung hat zudem angekündigt, die Gehälter der Staatsbediensteten einzufrieren, Steuern zu erhöhen und Sozialausgaben zu kürzen – so dass auch diesen Konsumenten weniger Geld zum Ausgeben bleibt.

Griechenland hat lange über seine Verhältnisse gelebt. Für 2009 wurde eine Rekordneuverschuldung von 12,7 Prozent der Wirtschaftsleistung gemeldet, die Gesamtverschuldung stieg auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ziel der Regierung ist, das Defizit binnen drei Jahren auf 2,8 Prozent zu drücken.

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn forderte vor diesem Hintergrund von dem Euro-Land zusätzliche Sparmaßnahmen. Er wolle die griechische Regierung „ermuntern“, in den kommenden Tagen weitere Maßnahmen zu prüfen, um seine Ziele zu erreichen, sagte Rehn nach einem Gespräch mit dem griechischen Finanzminister Giorgos Papakonstantinou.

Griechenland soll sein Defizit nach dem Willen der EU-Kommission binnen eines Jahres auf 8,7 Prozent senken. Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) überwachen die Fortschritte bei den Sparbemühungen der Regierung in Athen. Sollten sie die Maßnahmen für nicht ausreichend erachten, könnten die EU-Finanzminister auf ihrem Treffen am 16. März eine Verschärfung des Sparkurses verlangen.

Zumindest auf die deutschen Urlauber kann Griechenland in der wirtschaftlichen Notlage weiter setzen. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) rechnet derzeit nicht mit Auswirkungen der Krise auf das Reiseverhalten. Bei den Veranstaltern gebe es keine Anzeichen, dass die politische Situation die Buchungszahlen drücke, sagte ein DRV-Sprecher. Griechenland zählt neben Spanien, Italien und Österreich zu den beliebtesten Reisezielen deutscher Urlauber.

AFP/Reuters/oht

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