Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Europa: Gewaltiger Finanzierungsbedarf bei Staaten und Unternehmen…

Posted by hw71 - 2. April 2010


Anders als die Überschrift des nachfolgenden Artikels vermuten lässt, gibt dieser aber nicht nur einen Überblick zu den anstehenden Finanzierungen von Staaten sondern auch von europäischen Unternehmen und Banken. Gefunden bei diepresse.com:

Anleihen: EU-Staaten haben heuer zwei Billionen Euro Finanzierungsbedarf

26.03.2010 | 18:43 | (Die Presse)

Wegen des gewaltigen Finanzierungsbedarfs der Staaten wird die Konkurrenz auf dem Anleihenmarkt noch einmal kräftig zunehmen, heißt es in einer neuen Studie der Ratingagentur Moody’s.

wien/london (ju/red.). 2009 war das Jahr der Unternehmensanleihen, aber heuer wird es für Unternehmen deutlich schwieriger und teurer werden, Geld auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen: Wegen des gewaltigen Finanzierungsbedarfs der Staaten wird die Konkurrenz auf dem Anleihenmarkt noch einmal kräftig zunehmen, heißt es in einer neuen Studie der Ratingagentur Moody’s. Die Summen, um die es geht, sind enorm:

  • Die großen europäischen Unternehmen haben in diesem Jahr einen Refinanzierungsbedarf von 283 Mrd. Dollar (211 Mrd. Euro). Bei dieser Summe geht es noch nicht um „frischen“ Geldbedarf, sondern um Anleihen, die in diesem Jahr abreifen und somit refinanziert werden müssen.
  • Europäische Banken müssen in diesem Jahr 900 Mrd. Dollar und im kommenden Jahr ein Billion – 1000 Milliarden – Dollar refinanzieren. Die Finanzinstitutionen seien zwar dabei, ihren „Leverage“ (Hebel) zurückzufahren, was theoretisch weniger Refinanzierungsbedarf bedeuten würde. Die wahrscheinlich steigenden Zinsen würden Bankmanager aber dazu bewegen, später abreifende Bonds vorzeitig zu refinanzieren, womit eine Billion Dollar für 2011 „realistisch“ sei.
  • Der größte Brocken schlummert aber im Finanzbedarf der Staaten: Studienautorin Elena Nadtotchi beziffert das voraussichtliche Emissionsvolumen der EU-Staaten heuer mit zwei Billionen Euro. Großbritannien werde 220 Mrd. Pfund brauchen, Deutschland und Frankreich jeweils mehr als 300 Mrd. Euro. Das ist aber noch nichts gegen den Finanzhunger der USA: Die werden heuer das Fünffache emittieren.

Die Nachfrage im Bereich der Privatunternehmen könnte noch höher sein: Das „Deleveraging“ der Banken macht die Kreditfinanzierung schwieriger. Unternehmen könnten also gezwungen sein, der Kreditklemme verstärkt über den Anleihemarkt auszuweichen. Außerdem wird für das zweite Halbjahr eine verstärkte Fusionstätigkeit prophezeit. Das dazu nötige Kleingeld dürften sich Unternehmen ebenfalls über Unternehmensanleihen besorgen. Dazu kommt, dass Privatunternehmen es den Banken nachmachen und versuchen werden, durch „prefunding“ erst später ablaufender Finanzierungen der erwarteten Zinserhöhung zuvor zu kommen.

Moody’s glaubt jedenfalls, dass heuer die „Kredithierarchie“ wiederhergestellt wird: Bisher hatten Staaten immer deutlich niedrigere „Spreads“ (die als Maß für das Risiko verwendet werden können) als Unternehmen und Banken. 2009 hatte sich diese „Hierarchie“ wegen der Gefahr von Staatspleiten umgedreht.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 27.03.2010)

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