Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Verpackungsmaschinen-Spezialist Affeldt insolvent?

Posted by hw71 - 25. März 2010


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NEUENDORF

160 Arbeitsplätze in Gefahr – Firma Affeldt meldet Insolvenz an

VON ARNE KOLARCZYK25. März 2010, 06:00 Uhr

Die Belegschaft ist geschockt. Gewerkschaft kämpft um Weiterführung der Produktion und Lohnfortzahlung.

NEUENDORF/RAA-BESENBEK. Der Werbespruch der Affeldt Verpackungsmaschinen GmbH lautet „Wir packen das“. Einpacken könnte es demnächst für die 160 Mitarbeiter des Traditionsbetriebes aus Neuendorf bei Elmshorn heißen: So hat die Geschäftsführung wegen drohender Zahlungsunfähigkeit offenbar Insolvenz angemeldet. Gestern haben die Mitarbeiter den Betrieb vorerst besetzt, um eine Demontage von Maschinen zu verhindern.

Voraussichtlich heute könnte das Amtsgericht Pinneberg einen Insolvenzverwalter benennen. Dass alle Rettungsbemühungen gescheitert sind, erfuhren Betriebsrat und IG Metall am Dienstagabend. „Die Belegschaft ist geschockt und sauer. Wir tragen nicht die Verantwortung für die unternehmerischen Entscheidungen und die Managementfehler“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Astrid Petersen.

Es gab trotz Wirtschaftsflaute Aufträge – und es gibt sie noch. „Wir hatten voriges Jahr Arbeit, wir haben jetzt Arbeit, und es sind diesen Monat neue Aufträge hereingekommen“, so Petersen. Dennoch habe die Geschäftsführung von April bis Ende Oktober Kurzarbeit angeordnet. Es folgte die Entlassung von 13 Mitarbeitern, ehe ab Januar wieder Kurzarbeit griff. „Die Arbeitsabläufe funktionieren nicht“, kritisiert die Betriebsratschefin. Und sie klagt, dass nur noch Stellen für leitende Angestellte geschaffen worden seien, während ansonsten Kollegen gehen mussten.

Auch soll die Geschäftsführung die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates verletzt haben. „Man hat uns zwar gefragt. Aber wenn wir nein gesagt haben, wurde es trotzdem gemacht“, so Petersen weiter. Der Betriebsrat habe sich mit 18 Verfahren vor dem Arbeitsgericht gewehrt.

Inzwischen hat die IG Metall sogar bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe Strafantrag wegen strafbarer Behinderung des Betriebsrates gestellt. Das berichtet Uwe Zabel, Bevollmächtigter der IG Metall Unterelbe. Er will den Blick jetzt nach vorn richten: „Wir fordern eine Perspektive für die Beschäftigten, die Produktion muss weitergehen, und die Löhne müssen gezahlt werden.“ Er ruft den vom Gericht zu bestellenden Insolvenzverwalter auf, den Betrieb fortzuführen und mit der Gewerkschaft sowie dem Betriebsrat ein Konzept zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze auszuarbeiten Bei einer Fortführung des Betriebes im Insolvenzfall werden die Löhne und Gehälter für maximal drei Monate von der Agentur für Arbeit übernommen. Die Affeldt-Beschäftigten haben bereits im Februar nur einen Teil ihrer Bezüge erhalten, für März ist bisher kein Geld geflossen.

Geschäftsführer Martin Köppert, der 2007 als Chef einer Beteiligungsgesellschaft aus Magdeburg die Mehrheitsanteile an Affeldt übernommen hatte, war gestern nicht zu erreichen. Seit dem Eigentümerwechsel setzte die Firma zunehmend auf neue Märkte – und kappte bisher erfolgreiche Vertriebswege. Auch wechselte mehrfach die Geschäftsführung. So gab Bernd Affeldt, Geschäftsführer Technik, im September 2007 wegen des neuen Kurses diesen Posten auf. Als Konsequenz wurde dem Sohn des langjährigen Firmenchefs Jörn Affeldt fristlos gekündigt. Letzterer wurde jetzt gefragt, ob er die Firma aus der Krise führe. „Für die Mitarbeiter tut mir das furchtbar leid. Aber ich bin jetzt 72 Jahre alt und drei Jahre raus, das schaffe ich nicht mehr.“ Im Zuge der Übernahme habe er angeboten, weiter als Berater zur Verfügung zu stehen, so Jörn Affeldt. „Aber da wollte Herr Köppert meine Hilfe nicht.“

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