Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Keine „Abwrackprämie“ für Schiffsbranche…

Posted by hw71 - 22. März 2010


Laut nachfolgendem Bericht sind bei deutschen Werften 2009 gerade mal 20 Aufträge zum Bau von Schiffen eingegangen… Gefunden bei ftd.de:

Krisengipfel

Bund lässt Schiffsbranche auflaufen

Eine staatliche Abwrackprämie für Schiffe wird es nicht geben – sehr zum Ärger der deutschen Reeder, Werften und Häfen. Berlins maritimer Koordinator, Hans-Joachim Otto, hat anderes für die Btanche im Koffer als Geld. von Monika Dunkel Berlin und Kathrin Werner, Hamburg

Die Bundesregierung wird für die maritime Wirtschaft kein Sonderhilfspaket schnüren. „Mit einem großen Geldkoffer können wir nicht antreten. Es wäre verfehlt und auch schlicht nicht möglich, wenn wir für einzelne Unternehmen jetzt die große Schatulle öffnen“, sagte Hans-Joachim Otto, der maritime Koordinator der Bundesregierung, der FTD. „Ich bin kein Anhänger einer Abwrackprämie, weder bei Autos noch Schiffen. Das sind Strohfeuereffekte.“

Damit bremst er Erwartungen von Reedern, Schiffsbauern, Werften und Häfen, die am Donnerstag zum Krisentreffen ins Wirtschaftsministerium kommen. Auf Druck der Branche und der Wirtschaftsminister der norddeutschen Länder wollen Banken, Förderbanken und Politiker gemeinsam mit Vertretern der maritimen Wirtschaft Wege aus der Krise suchen.

Aus Sicht der Regierung wird die Branche ausreichend gefördert. „Wir haben Exportkreditgarantien, Zinsgarantien, Strukturhilfen in Form der Tonnage, Ausbildungs- und Innovationsbeihilfen. Das ist eine lange Liste von Maßnahmen“, sagte Otto. Außerdem nutze die Branche den Deutschlandfonds überproportional stark. Die Zusagen für Schiffsbauzeitfinanzierung und Endfinanzierung aus Kreditprogrammen des Bundes belief sich Anfang 2009 auf rund 421 Mio. Euro.

Die Branche hat dennoch eine lange Wunschliste. Die Werften gehen mit drei Forderungen in die Verhandlung: Der Staat soll die Finanzierungsbedingungen verbessern, Forschung und Entwicklung stärker fördern und öffentliche Aufträge vorziehen. Bei Staatsbürgschaften verlangt die Bundesregierung bislang, dass die Banken zehn Prozent des Ausfallrisikos übernehmen. Geht es nach der Branche, gibt der Bund sich künftig mit weniger zufrieden.

Außerdem wünscht sie sich ein Flottenerneuerungsprogramm für Fähren und Marine. „Der Staat ist Auftraggeber in nicht unerheblichem Umfang“, sagte Werner Lundt, der für den Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) an dem Gipfel teilnimmt. „Öffentliche Aufträge sollte er jetzt vorziehen.“ Die zum Teil veralteten Schiffe sollten gegen sichere mit geringerem Schadstoffausstoß getauscht werden.

Die Reeder dagegen wünschen, dass die Regierung ihnen hilft, die in Korea bestellten, aber nicht mehr gebrauchten Schiffe zu finanzieren. Außerdem sollen die Regeln für die Staatsbürgschaften angepasst werden, etwa die Maßstäbe zur Bewertung von Schiffen, die als Sicherheit dienen. „Wir wollen kein Sonderprogramm, sondern das vorhandene besser nutzen können“, sagte Ralf Nagel vom Reederverband.

Hier zeigte sich Otto aufgeschlossen. „Prüfen wollen wir, ob wir die Bedingungen der KfW für Kredite und Bürgschaften flexibler gestalten können. Das muss allerdings ordnungspolitisch sauber und auch mit Brüssel abgestimmt werden.“ Details wollte er nicht nennen.

Die Krise hat Reeder, Werften und Häfen schwer getroffen. Aufträge und Umsätze sind eingebrochen, die Unternehmen klagen über Liquiditätsprobleme. Am schlimmsten geht es den Werften. Gerade einmal 20 Aufträge kamen nach Angaben des VSM 2009 herein, zu wenig, um 20.000 Menschen zu beschäftigen.

In der Schifffahrt ist das Bild differenzierter: Die größten Probleme haben die Charterreeder, die Schiffe finanzieren und weitervermieten. Aus Deutschland wurden 2009 500 Schiffe in Auftrag gegeben, die nicht mehr gebraucht werden. „Wir reden mit der koreanischen und chinesischen Regierung. Dabei bitten wir um flexible Lösungen. So gab es Fälle, wo eine asiatische Werft in eine Mitfinanzierung für einen deutschen Reeder gegangen ist und ihm damit die fälligen Raten um einige Zeit gestundet hat“, sagte Otto.

Die Linienreeder seien der Krise weitgehend entronnen. Hamburg Süd gehe es gut, Hapag-Lloyd sei auf einem guten Weg. Die Regierung setzt auf die Hilfe der Banken. Zwar hätten HSH Nordbank und die Commerzbank 2009 nicht ein Schiff finanziert. Aber Deutsche Bank und Credit Suisse drängen in den Markt. „Das sind erfreuliche Entwicklungen, die beweisen, dass der Kapitalmarkt das Gefühl hat, dass die maritime Zunft in Deutschland eine Zukunft hat.“

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