Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Dubai: Umschuldungspläne kommen in heiße Phase…

Posted by hw71 - 18. März 2010


Die letzten Wochen war es ruhig um Dubai und schon war man geneigt zu sagen „Auch dieses Problem heil überstanden“ – aber halt, da war doch was. Richtig! Das ganze Thema wurde ja nur aufgeschoben – und zwar laut dem letzten Artikel, den ich zu dem Thema eingestellt hatte, bis spätestens Ende April. Bis dahin nämlich will das Emirat seinen Gläubigern einen Plan vorlegen, wie es gedenkt seine Schulden zurückzuzahlen… Gefunden bei nzz.ch:

16. März 2010, Neue Zürcher Zeitung

Dubai vor der Vertrauensfrage

Nach dem Weiterziehen der Medien-Karawane sind die Schuldenprobleme geblieben

Die Umschuldungspläne für die angeschlagene Staatsfirma Dubai World treten in die kritische Phase. Wird keine akzeptable Lösung gefunden, droht das Emirat durch Kapitalentzug auszutrocknen.

bet. ⋅ Während die Haushaltslage Griechenlands die öffentliche Diskussion beherrscht, geht allmählich vergessen, welchen Spitznamen der Mittelmeerstaat im vergangenen Dezember noch besass. Damals wurde Griechenland als das «nächste Dubai» charakterisiert, in Anspielung auf die kurz zuvor bekanntgewordenen Schuldenprobleme des Golfemirats – oder genauer gesagt des in öffentlicher Hand befindlichen Konglomerats Dubai World. Dass der Staat einem seiner Vorzeigeunternehmen in dessen schwerster Stunde nicht mit Finanzhilfen beisprang, regte zur Frage an, ob Dubai dies nicht wollte oder schlicht nicht konnte.

Sünden aus dem Boom

Im Dezember bat Dubai World um ein Moratorium von sechs Monaten für die Rückzahlung von Krediten im Volumen von 26 Mrd. $. Betroffen waren über 90 Banken aus der ganzen Welt, darunter HSBC und Royal Bank of Scotland. Von Schweizer Banken sind keine nennenswerten Engagements bekannt. Insbesondere Nakheel, eine Tochter von Dubai World, hatte mit Krediten den dortigen Bauboom vor der Finanzkrise befeuert, konnte aber die Raten nach dem Einbruch des Immobiliensektors nicht mehr bedienen. Vergangene Woche kündigte die Regierung des Emirates – nicht die Unternehmensleitung – an, noch in diesem Monat einen Umschuldungsplan für Dubai World vorzulegen. Somit scheint auch die Herrscher-Riege eingesehen zu haben, wie eng das Schicksal von Dubai World mit der Attraktivität des Wüstenstaats für ausländisches Kapital verknüpft ist.

Laut Beobachtern sollen die Verhandlungen über eine Restrukturierung der Schulden inzwischen in London begonnen haben. Genaues ist nicht bekannt, da der Prozess vertraulich behandelt wird. Am Freitag erklärte allerdings der Vorsitzende von Dubais Finanzausschuss und gleichzeitige CEO der Fluggesellschaft Emirates, man plane «gute» Unternehmensteile wie das Hafengeschäft von «schlechten» zu trennen. Die Regierung stehe jederzeit hinter Dubai World.

Das Aufkommen der Gerüchte um eine Lösung der Schuldenfrage erlöste die Dubaier Börse zu Monatsbeginn aus ihrer Lethargie; seit dem 3. März hat der Leitindex DFM rund 10% zugelegt. Nach den ersten schlechten Nachrichten zu Dubai World war er Anfang Dezember um 27% eingebrochen. Gleichzeitig sanken die Absicherungskosten für einen Ausfall von Anleihen des Emirats (Credit-Default-Swaps) auf 4,5% und haben damit rund die Hälfte ihres Dezember-Ausschlags wieder wettgemacht. Prompt nutzte ein staatlicher Stromversorger das günstige Börsenklima für die Ankündigung, eine verschobene Roadshow für eine Anleihenemission nachzuholen.

Bloss kein «haircut»

Wichtig für das Vertrauen potenzieller und tatsächlicher Kapitalgeber ist ein gütliches Ende der Verhandlungen. Die Märkte gehen in ihrem Optimismus derzeit davon aus, dass eine Einigung nicht auf einen Abschlag der geschuldeten Summen herausläuft, sagt Kamran Butt, Analytiker der Credit Suisse in Dubai. Es sei sehr wichtig, dass es nicht zu diesem «haircut» komme, bei dem die Gläubiger weniger erhielten, als ihnen eigentlich zustehe. Die Investoren weltweit schauten deshalb sehr genau auf die Verhandlungen. Eine Einigung ohne «haircut» hätte für das ganze Emirat Vorteile und würde viele jener Kapitalgeber zur Rückkehr bewegen, die sich nach dem Ende des Booms von Dubai abgewandt haben. Das Emirat habe durch die Geldnöte seiner Staatsfirma zwar einen Reputationsschaden erlitten, aber keinen irreparablen. Laut Verhandlungskreisen sollen neben dem «haircut» ein Zahlungsaufschub oder eine Staatsgarantie für die Verbindlichkeiten im Gespräch sein.

Gefahr einer Rezession

Ein positives Signal an die internationalen Investoren ist für Dubais Perspektiven von grosser Bedeutung. Dubai könnte in diesem Jahr in eine neue Rezession abrutschen, wenn der Zufluss ausländischen Kapitals und das Kreditwachstum gering bleiben, schätzt Rachna Saxena, Analytikerin der Deutschen Bank. Die Inlandsnachfrage sowie Geschäftsklima und Konsumentenvertrauen hätten bereits unter der Unsicherheit zu leiden. Die Immobilienpreise haben inzwischen zwar den Boden gefunden, aber der Bausektor wird laut Saxena keine so dominierende Wachstumsrolle wie im letzten Boom spielen. Und da nach dem Debakel um Dubai World die Kapitalgeber keine implizite Staatsgarantie für die Firmen des Emirates mehr einpreisen, sind deren Finanzierungskosten gestiegen.

Erneute Hilfe Abu Dhabis?

Eine bedeutende Rolle im Schuldenpoker um Dubai World spielt Abu Dhabi, das reichste der sieben in den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengeschlossenen Föderationsmitglieder. Bereits im Dezember hat es Dubai kurzfristig mit einem Darlehen über 5 Mrd. $ beigestanden, damit es fällige Anleihen zurückzahlen konnte. Ob Abu Dhabi dem Nachbaremirat nochmals unter die Arme greifen wird, dürfte für die Attraktivität des Vermittlungsangebots an die Gläubiger von grossem Einfluss sein.

Während Abu Dhabi und die meisten anderen Emirate noch weitestgehend vom Erdöl abhängig sind, hat Dubai seine Wirtschaft in den Finanz-, Tourismus- und Immobiliensektor ausgebaut. Dies geschah unter grossem Einsatz von Fremdkapital – ein Risiko, wie in diesen Tagen besonders deutlich wird. Langfristig sei das Geschäftsmodell des Emirats aber intakt, sagt Analytiker Butt. Kurzfristig bleiben grosse Herausforderungen.

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Eine Antwort to “Dubai: Umschuldungspläne kommen in heiße Phase…”

  1. […] } Wie im Artikel “Dubai: Umschuldungspläne kommen in heiße Phase…” schon angedeutet, müssen die Gläubiger (vermutlich) bis zu acht Jahren auf ihr Geld […]

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