Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Österreich: Schuhfabrik Gabor sperrt die Pforten…

Posted by hw71 - 17. März 2010


Gefunden bei kaernten.orf.at:

WIRTSCHAFT 15.03.2010

Gabor in Spittal sperrt mit Jahresende zu

Hiobsbotschaft für den Bezirk Spittal/Drau: Die renommierte Schuhfabrik Gabor sperrt mit Jahresende zu. 170 Mitarbeiter verlieren ihren Job, die meisten sind Frauen. In den letzten Jahren wurden schon 550 Mitarbeiter gekündigt.

Kündigung statt Jubiläumsfeier

Kurzfristig wurde bei Gabor in Spittal am Montagvormittag eine Versammlung einberufen. Als am Vormittag der Juniorchef aus Deutschland im Werk gesehen wurde, war vielen Mitarbeitern klar, dass er keine guten Nachrichten bringen würde.

Nun wissen die 170 Mitarbeiter, dass sie nur noch bis Jahresende in der Schuhfabrik arbeiten werden. 2010 sollte eigentlich ein Jubiläumsjahr werden, man wollte 50 Jahre Gabor feiern.

Kein Interview vom Geschäftsführer

Nun wird über den Sozialplan verhandelt, wie Geschäftsführer Leopold Ebner bestätigte. Interview wollte er am Montag keines geben. Die Medien sollten Verständnis für die schwierige Situation der Mitarbeiter haben, begründete Ebner sein Schweigen.

Musterproduktion blieb bestehen

Vor zwölf Jahren waren noch 1.300 Mitarbeiter in Spittal beschäftigt, das war der Höchststand. Seither musste die Produktion immer weiter eingeschränkt und in andere Länder verlegt werden. 2003 wurden 300 Mitarbeiter abgebaut. Letztes Jahr kam die Nachricht, dass nochmals 250 Leute bei Gabor gehen müssen. Von der Schuhproduktion blieb in Spittal nur noch die Musterproduktion für Schuhe, die seither in anderen Ländern hergestellt werden.

Die Wirtschaftskrise habe die Situation nun so verschärft, dass man nicht einmal mehr mit der Produktion von Mustern wettbewerbsfähig sei, sagte Geschäftsführer Ebner. Die Kunden hätten einfach weniger Geld, es müsse billiger produziert werden. Die Produktion der Muster wird in die Slowakei verlagert.

Einst drei Produktionsstätten

Anfang der neunziger Jahre gab es noch drei Produktionsstätten der Gabor Shoes AG in Österreich. Das Zweigwerk im steirischen Deutschlandsberg wurde Ende 1992 geschlossen. Damals verloren fast 300 Menschen ihren Job, die Produktion wurde durch Zukäufe aus asiatischen und osteuropäischen Ländern ersetzt. 1995 fiel auch der zweite Standort dem Rotstift zum Opfer, damals traf es den Betrieb in Villach. In Spittal waren 2003 noch 950 Mitarbeiter beschäftigt, in den vergangenen Jahren wurde die Belegschaft in mehreren Wellen reduziert, bis nun das „Aus“ beschlossen wurde.

Die nicht börsennotierte Aktiengesellschaft Gabor Shoes hat ihre Firmenzentrale im bayrischen Rosenheim und betreibt weitere Produktionsstätten in Portugal und der Slowakei. Die Firma wurde 1949 von Bernhard und Joachim Gabor gegründet. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen, das in Europa 2.684 Mitarbeiter beschäftigte, 282 Mio. Euro um. Insgesamt wurden rund 7 Mio. Paar Schuhe verkauft.

2009 beschäftigte Gabor 2.684 Mitarbeiter (minus 16 Prozent) in Europa.

Millionen für Sozialplan und Abfertigungen

Zwei Zahlen nannte Ebner in einem Telefonat mit dem ORF: In den letzten Jahren wurden vier Millionen Euro für Sozialpläne ausgegeben, weitere sechs Millionen an Abfertigungen. Das sei zwar nur ein schwacher Trost, aber man verhandle nun erneut über einen Sozialplan und damit über Zahlungen an Mitarbeiter.

Das Betriebsgelände befindet sich im Eigentum des Unternehmens. Das 32.000 Quadratmeter große Gelände, davon sind 15.000 Quadratmeter verbaut, soll verwertet werden.

Ebner gegenüber der APA: „Am liebsten wäre es uns, wenn jemand das ganze Areal kaufen würde.“ Die Schuhfabrik feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen, ihm tue es leid, dass ausgerechnet im Jubiläumsjahr die Entscheidung zur Schließung gefallen sei.

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: