Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Konsumklima trübt sich weiter ein…

Posted by hw71 - 24. Februar 2010


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24.02.2010 08:30 Uhr, aktualisiert 24.02.2010 11:25 Uhr

Gift für Konjunktur: Konsumklima trübt sich weltweit ein

Zum fünften Mal in Folge trübt sich das Konsumklima in Deutschland ein, die Bürger haben zunehmend Sorge um ihren Arbeitsplatz. Zuvor vermeldeten bereits die US-Statistiker Pessimismus beim Verbraucher, der Index sank auf ein Zehn-Monats-Tief. Der Absturz ist Gift für die Welkonjunktur – der Wirtschaft droht ein Teufelskreis.

HB BERLIN. Die Furcht vor dem Jobverlust und den Folgen der explodierenden Schuldenlast vieler Euro-Länder dämpft die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Das Konsumklima trübt sich im März zum fünften Mal in Folge ein, sagen die Marktforscher der Nürnberger GfK voraus. Zuvor stürzte bereits der US-Index für Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Wert seit April 2009 ab. Experten sehen die Eintrübung auf den wichtigsten Märkten der Welt mit Besorgnis – lag doch die Hoffnung der Ökonomen bislang auf der raschen Erholung des privaten Verbrauchs.

Der GfK-Konsumklimaindex für Deutschland sank auf 3,2 Punkte von revidiert 3,3 Zählern im Februar. Analysten hatten einen etwas stärkeren Rückgang auf 3,0 Punkte erwartet. Auch die Hoffnung der Verbraucher auf eine kräftige wirtschaftliche Belebung erhielt einen Dämpfer: „Die Deutschen gelangen offensichtlich zu der Erkenntnis, dass die konjunkturelle Erholung in den nächsten Monaten verhaltener verlaufen wird“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.

„Die öffentliche Diskussion um die prekäre Haushaltslage Griechenlands sowie einiger anderer europäischer Länder verunsichert die Verbraucher“, sagte Bürkl. Sie befürchteten negative Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Auch die steigende Arbeitslosigkeit bereite Sorgen.

Zuletzt hatten auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Bundesbankpräsident Axel Weber die Bürger wegen des ungewöhnlich harten Winters auf eine konjunkturelle Durststrecke bis zum Frühjahr eingestimmt. Danach soll es aber wieder aufwärts gehen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass die Wirtschaft dieses Jahr wegen anziehender Exporte und steigender Investitionen um 2,3 Prozent wachsen wird.

Die holprige Konjunkturerholung dämpft die Bereitschaft der Verbraucher, sich größere Anschaffungen wie Möbel oder Unterhaltungselektronik zu leisten: „Aus Furcht vor einem doch stärkeren Arbeitsplatzabbau im laufenden Jahr schnallen einige Verbraucher den Gürtel offenbar wieder etwas enger“, so die GfK-Fachleute. Die Angst vor dem Stellenabbau und leicht steigende Preise dämpften auch die Einkommenserwartungen. „Diese Effekte überlagern derzeit die positive Wirkung von kaufkraftfördernden Maßnahmen der Regierung wie zum Beispiel die Erhöhung des Kindergelds beziehungsweise Kinderfreibetrags oder die volle Absetzbarkeit der Krankenkassenbeiträge“, sagte Bürkl.

Auch das Konsumklima in den USA ist im Februar überraschend eingebrochen. Der Index für das Verbrauchervertrauen sank auf 46 von revidiert 56,5 Punkten im Januar und erreichte damit den tiefsten Stand seit April 2009, wie das Forschungsinstitut Conference Board bereits am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem leichten Rückgang auf 55,0 Punkte gerechnet. Ihre derzeitige Lage schätzten die Bürger so düster ein wie seit Februar 1983 nicht mehr. Sorgen über die Beschäftigungsaussichten und die Einkommensperspektiven stimmten die Bürger pessimistisch, erklärte das Institut.

Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Experten sehen die Daten als Hinweis auf eine holprige Erholung. „Sollte sich dieser aktuelle Absturz beim Verbrauchervertrauen bestätigen, würden sich die Aussichten für den privaten Konsum und damit für das US-Wirtschaftswachstum insgesamt kurzfristig wieder etwas deutlicher eintrüben“, kommentierte Fabienne Riefer von der Postbank. Die Daten sorgten für Abschläge an den US-Börsen, auch der deutschen Aktienleitindex Dax weitete seine Verluste aus.

Die Wirtschaftskrise hat bereits 8,4 Millionen Amerikaner ihren Arbeitsplatz gekostet. Auch zu Jahresbeginn setzte sich der Jobabbau fort: Allein im Januar fielen 20.000 Stellen dem Rotstift zum Opfer. Die eingetrübte Verbraucherstimmung ist für Experten ein Zeichen, dass die US-Wirtschaft trotz des kräftigen Wachstums zum Jahresende 2009 noch nicht über den Berg ist: „Die Erholung wird holprig ausfallen“, sagte Tom Porcelli von RBC Capital Markets.

Die Preise für Wohnimmobilien in den 20 größten Ballungszentren der USA sanken derweil überraschend. Sie fielen im Dezember um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie aus dem veröffentlichten Index von Standard & Poor’s hervorgeht. Experten hatten mit stabilen Preisen gerechnet. Binnen Jahresfrist fielen die Preise um 3,1 Prozent. Fachleute begründeten den Preisrückgang mit der schwachen Nachfrage. „Der Markt bleibt sehr fragil“, sagte Analyst Teunis Brosens von Global Economics. Die Zahl der Neubaubeginne war 2009 wegen der Rezession um mehr als ein Drittel eingebrochen. Die im Frühjahr auslaufenden einmaligen Steuergutschriften für den Immobilienkauf dürften die Nachfrage in den nächsten Monaten stützen, sagte Brosens.

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