Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Europäische Lösung gesucht…

Posted by hw71 - 9. Februar 2010


Noch vor kurzem wurde es wie ein Sieg gefeiert, dass Griechenland „erfolgreich“ eine Anleihe an den Mann gebracht hat (so nach dem Motto „x-fach überzeichnet – guckt her, alles wieder in Butter“) – jetzt liest sich das „plötzlich“ nicht mehr ganz so euphorisch: „Investoren dringend gesucht“ – sind von den schlangestehenden Investoren von neulich keine mehr übrig?

Gefunden bei sueddeutsche.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Griechenland in Bedrängnis Investoren – dringend gesucht

07.02.2010, 18:21

Von Helga Einecke

Das Finanzproblem Griechenlands belastet Eurokurs und Börsen. Finanzminister Schäuble und EZB-Präsident Trichet wollen nun eine europäische Lösung finden.

Die Spannungen in der Eurozone und die Schulden Griechenlands bleiben das beherrschende Thema an den Finanzmärkten. Fachleute rechnen mit einem anhaltenden Druck auf den Eurokurs sowie schwankenden Börsen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet versuchten zu beruhigen.

Schäuble sagte bei einem Treffen der sieben führenden Industrienationen in Kanada: „Ich glaube, alle unsere Partner außerhalb der Eurozone haben schon den festen Eindruck, dass die Europäer dieses Problem lösen und damit umgehen können.“ Die griechischen Schulden seien kein Fall für den Internationalen Währungsfonds (IWF). Trichet zeigte sich überzeugt, die griechische Regierung werde ihre hohen Schulden selbst in den Griff bekommen.

Die Finanznöte von Griechenland, aber auch von Portugal und Spanien hatten die Börsen zuletzt auf Talfahrt geschickt und den Eurokurs auf 1,36 Dollar gedrückt. Dieser Wechselkurs löst allerdings bei den Politikern keine Unruhe aus. Jean-Claude Juncker, Chef der Finanzminister der Eurogruppe, sagte, es gebe keinen Grund für eine geänderte Haltung zum Wechselkurs. Trichet erklärte, er vertraue darauf, dass die amerikanische Regierung einen starken Dollar wünsche.

Eng mit anderen Ländern verflochten

Nach einer Analyse von Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, werden die europäischen Regierungen Griechenland zur Not mit einer Garantie beispringen. Die EU-Staaten würden anteilig für die Anleihen garantieren, die der griechische Staat bis zum Ende der Krise aufnimmt. Es wäre möglich, dass sich andere stark verschuldete Länder wie Irland, Portugal, Spanien und Italien nicht daran beteiligen. Anders als im Fall einer gemeinsamen Anleihe der EU würden die Länder nicht direkt Geld aufnehmen. Eine Garantie ließe sich den Bürgern eher schmackhaft machen.

Eine gemeinsame Anleihe, um Mittel für Griechenland zu beschaffen, hat das deutsche Finanzministerium abgelehnt. Derzeit müssen die Griechen doppelt so hohe Zinsen bieten, um sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen wie die Deutschen. Eine Gemeinschaftsanleihe würde die Finanzierung der deutschen Schulden deutlich verteuern. Auch ein Europäischer Währungsfonds nach dem Vorbild des IWF stößt auf Ablehnung. In einen solchen Fonds müssten die europäischen Staaten Beiträge einzahlen; sie könnten sich daraus finanzieren, wenn sie in Zahlungsnot geraten würden. Es dauere viel zu lange, um eine solche Institution aufzubauen. Gebraucht werde die Hilfe aber bald, sagen die Kritiker eines solchen Fonds.

Griechenland muss im April und Mai Schulden und Zinsen in Höhe von 23 Milliarden Euro zurückzahlen und bis dahin neue Investoren für sich gewinnen. Findet der griechische Finanzminister nicht genügend Käufer, stünde ein Zahlungsausfall zu befürchten. Soweit wird es aber nach Meinung von Experten nicht kommen. Schließlich ist Griechenland finanziell zu eng mit anderen Ländern der Gemeinschaft verflochten. So haben französische Banken griechische Schulden in Höhe von 53 Milliarden Euro in ihren Büchern, die deutschen Banken kommen auf 30 Milliarden Euro.

Zerreißprobe für Finanzmärkte

Das Vertrauen der Märkte in Griechenland ist dahin, seit bekannt ist, dass Athen mit falschen Zahlen über Jahre geringere Schulden vortäuschte. Es gibt sogar die Vermutung, wonach die Investmentbanken mit speziellen Finanzprodukten bei den Tricks mit geholfen haben. Bei Staatsfinanzen werden große Summen häufig in anderen Währungen wie Dollar oder Yen aufgenommen, zwischenzeitlich in Euro getauscht, etwa zum Bezahlen fälliger Rechnungen, und vor der Fälligkeit wieder in die Ursprungswährung zurückgewechselt. „Swaps“ heißen diese Tauschgeschäfte im Fachjargon. Angeblich sollen Investmentbanken nicht mit aktuellen sondern mit fiktiven Wechselkursen gearbeitet und dadurch Kredite außerhalb der offiziellen Schuldenstatistik geschaffen haben, nicht nur im Fall von Griechenland, sondern schon vor Jahren in Italien.

Skeptiker sehen die Finanzmärkte durch die europäischen Schulden einer Zerreißprobe ausgesetzt. Nach Griechenland dürften weitere Schuldenländer wie Portugal oder Spanien in den Fokus der Spekulation rücken. Trichet hatte allerdings zu Bedenken gegeben, dass andere Währungen wie der Dollar oder der Yen weitaus stärker mit Schulden belastet sind als der Euro. Die Defizite in Washington und Tokio werden auf ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts geschätzt, während es in der Eurozone im Schnitt sechs Prozent sind.

Die EU-Kommission hat Athen strenge Auflagen für ein Sparprogramm gemacht. In einem vierwöchigen Turnus muss der griechische Finanzminister über die Fortschritte beim Eindämmen seiner Schulden berichten. Es ist das erste Mal, dass eine Regierung der Gemeinschaft nicht mehr allein über ihren Staatshaushalt bestimmen darf. Sollte dieses Beispiel Schule machen, könnten die Europäer schneller als gedacht gemeinsam Finanz-und Wirtschaftspolitik betreiben, glauben einige Optimisten.

(SZ vom 08.02.2010/tob)

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