Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Nycomed / Altana streicht jede zweite Stelle!

Posted by hw71 - 9. Februar 2010


Gefunden bei suedkurier.de:

Konstanz

22.03.2007: Bei Nycomed/Altana wird jede zweite Stelle gestrichen

Aus dem Hoffnungsträger für Konstanz ist ein Sanierungsfall geworden. Nycomed streicht nirgendwo so brutal wie in der ehemaligen Altana-Zentrale in Konstanz. 790 Stellen fallen weg, Hunderten von Mitarbeitern wird gekündigt. Nycomed bestätigte, dass zu dieser Zahl noch jene hinzukommen, die bereits gegangen sind. In der Summe geht es um fast 1000 Jobs.

Konstanz – Fast 600 Stellen in der Forschung: gestrichen. 200 Jobs in der Firmenzentrale: gestrichen. Grundlagenforschung: ausgedünnt. Top-Management: im Wesentlichen nach Zürich verlagert. Neuer Hoffnungsträger in der Forschungsabteilung: Fehlanzeige. Neubauten im Industriegebiet: schon bald erheblicher Leerstand. Forschungskooperationen mit der Universität: vage Absichtserklärungen. Die Liste der Einschnitte, die die Manager von Nycomed gestern Abend bei der Pressekonferenz im Inselhotel vorstellten, kennt kaum ein Ende. Nicht nur die Beschäftigten bei der Mitarbeiterversammlung in Singen, sondern auch die Politiker nach der offiziellen Erklärung reagierten geschockt: Bei Altana sind die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden.

Kein Nycomed-Standort weltweit ist von den Auswirkungen aus dem Kauf der Altana Pharma AG schwerer betroffen als Konstanz. Wo vor weniger als einem Jahr bei der Grundsteinlegung für die angebliche Unternehmenszentrale noch hochtrabende Pläne verkündet wurden, herrscht heute Enttäuschung, Ernüchterung und Angst. Von 1250 Stellen, die insgesamt abgebaut werden, sind 790 in Konstanz. Hinzu kommen jene Jobs, die nach dem Ausscheiden von guten, jungen und mobilen Mitarbeitern schon seit geraumer Zeit nicht mehr besetzt wurden.

Personalchef Alfred Goll bezifferte die jährliche Fluktuation mit derzeit sechs Prozent. Von 1850 Stellen sind dies für die Jahre 2006 und 2007 nochmals rund 150 Stellen, die bereits weggefallen sind. Goll bestätigte, dass der gestern verkündete Stellenabbau diesen Effekt noch nicht einbeziehe. Klar ist damit: Bei Altana wird jede zweite Stelle gestrichen.

Für die Abgeordneten Peter Friedrich (SPD) und Andreas Jung (CDU, Bundestag), Veronika Netzhammer (CDU), Andreas Hoffmann (CDU) und Siegfried Lehmann (Grüne, Landtag), die beiden Oberbürgermeister Horst Frank (Konstanz) und Oliver Ehret (Singen) sowie im eigenen Namen konnte Landrat Frank Hämmerle nur mit einem hilflosen Schreiben reagieren: „Ein schwerer Schlag für die Betroffenen, aber auch für die ganze Region. Unsere Solidarität, aber auch unsere Tatkraft gilt den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Familien. Wir werden uns für Sie einsetzen! Politik kann Rahmenbedingungen beeinflussen, die zu Arbeit und Beschäftigung führen. Was wir tun können, werden wir – Bund, Land, Städte und der Landkreis – gemeinsam anpacken. Wir wollen die Arbeitsplätze vor Ort erhalten!“

Auch Oberbürgermeister Horst Frank zeigte sich gestern Abend schwer getroffen. „Das sind 790 Einzelschicksale“, sagte er. Er könne nur hoffen, dass Nycomed helfe, wenn es darum gehe, einige Bereiche als neue Firmen zu gründen, in denen ein Teil der Entlassenen unterkommen könne. Konstanzer Unternehmer hätten bereits Hilfe bei diesem Prozess angeboten. Auch Nycomed-Chef Hakan Björklund zeigte sich offen für solche Überlegungen. Über die Auswirkungen für die Finanzen der Stadt wollte Frank noch nichts sagen. Klar ist allerdings, dass der wichtigste Steuerzahler künftig weniger an die Stadtkasse überweisen wird: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen.“

Björklund, sein Personalchef Alfred Goll sowie Forschungsleiter Anders Ullman begründeten die Entlassungen mit einem erwarteten Umsatzeinbruch beim Magenmedikament Pantozol. „Auch Altana hätte solche Veränderungen durchlaufen müssen“, so Björklund. „Die beste Zeit dafür ist jetzt, weil wir jetzt stark sind und handeln können.“ Alfred Goll sagte, dass bei weitem nicht alle Stellen durch normale Abgänge abgebaut werden könnten: „Leider sind betriebsbedingte Kündigungen unvermeidbar.“ Anders Ullman, der die dramatisch geschrumpfte Nycomed-Forschungsabteilung in Konstanz leiten wird, sagte, man werde weiterhin auch Grundlagenforschung betreiben. In welchem Umfang und mit wie viel Personal, blieb gestern freilich offen.

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