Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: HSH Nordbank – die Zockerbank…

Posted by hw71 - 7. Februar 2010


Ab und an gibt es immer wieder Perlen im deutschen ÖR-Fernsehen, die die GEZ-Gebühren wert sind. Solch eine „Perle“ war die am 02.02.2010 ausgestrahlte NDR-Doku „Die Zockerbank“ – natürlich, wie bei solchen brisanten Dokus und Reportagen üblich, nicht zur „Prime-Time“ sondern erst um 22:25 Uhr. Aber das Aufbleiben hat sich gelohnt, denn herausgekommen ist eine erschreckende Dokumentation über krimitaugliche und unglaubliche Machenschaften, die weit über das hinausgehen, was bisher bekannt war…

Zu Beginn wird kurz auf die Geschichte der HSH Nordbank eingegangen – der Drang, ebenfalls im internationalen Geschäft tätig zu werden und mit den „großen Jungs“ zu spielen. Allerdings fehlt es der Bank an Know-How im internationalen Geschäft: die Leute, die hier für die HSH tätig waren, waren „Grünschnäbel“. Wichtig hier: die Bank arbeitete mit Krediten, die sowohl von Hamburg als auch von Schleswig Holstein staatlich garantiert waren. Irgendwann hatte man rund 30 Mrd. EUR an komplexen Finanzinstrumenten gekauft und um international weiter  wachsen zu können, wollte man sich 2002 den amerikanischen Markt erschließen.

In diesem Jahr wurde dann die erste Niederlassung in Manhatten, New York gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war es noch leicht, Kredite zu vergeben – wenn auch mit höherem Risiko. => Um wachsen zu könne muss eine Bank immer mehr Kredite vergeben – das schien in den USA leicht machbar.

Der Makler David Berger merkt an, dass bei solchen Geschäften immer das Geld zählt: die Banker bekommen nicht für das Gelingen eines Kredits (also dass er bis zum Ende erfolgreich abbezahlt wird) einen Boni, sondern für’s Einfädeln des Deals!

So investierte die HSH Nordbank u.a. in eine Altersresidenz in Portsmouth, Road Island, die sog. „Freedom Bay“ – insgesamt 17 Millionen EUR! Diese Anlage wurde erst vor wenigen Jahren fertiggestellt und ist seither eine Geisterstadt. „Dummerweise“ ging der Bauträger pleite und so übernahm die HSH das Projekt in 2007 kurzerhand selbst. Im Video sieht man diese Geisterstadt mit all den leerstehenden Gebäuden – lediglich eine Frau gibt kurz ein Interview und sagt, dass sie ein paar Häuser weiter wohnen, sich aber sehr einsam fühlen, da keiner in der Nachbarschaft wohnt.

Ein weiteres Beispiel für diesen Irsinn, für den nun der Steuerzahler haftet: insgesamt 670 Millionen Dollar investierte die HSH Nordbank in das Manhatten House. Dort wurden Mietwohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt und man dachte wohl, dass solche Wohnungen weggehen wie warme Semmeln. Leider sind von den 500 Einheiten laut Internetseite z.Zt. nur rund 100 verkauft. Auch hierzu hat David Berger eine Meinung: völlig verrückt und riskant – die HSH gewährte 2007 einen Kredit, der höher war, als die Immobilie 2006 insgesamt gekostet hat.

Bereits 2008 mussten die Landesregierungen 2 Mrd. EUR für die HSH Nordbank lockermachen und Ende 2008 war die Bank so gut wie am Ende: die Bank hat 65 Mrd. EUR Schulden, für die die Bundesländer haften.

Am Ende der Doku wird dann noch ausführlich auf das sogenannte „Omega-geschäft“ eingegangen. Hierbei hatte die HSH Ende 2007 offensichtlich mehrere Mrd. EUR aus der eigenen Bilanz in eine Zweckgesellschaft der BNP Paribas ausgelagert. Hier hatte wohl auch der Vorstandschef der HSH, Nonnenmacher, seine Finger mit im Spiel. Die Doku interviewt Zeugen, die seinerzeit an den Geschäften beteiligt waren und spricht mit dem Strafverteidiger Gerhard Strate, der selbst Anzeige gegen die damaligen HSH Vorstände wegen Bilanzfälschung gestellt hat.

Advertisements

Eine Antwort to “Deutschland: HSH Nordbank – die Zockerbank…”

  1. […] Deutschland: HSH Nordbank – die Zockerbank… […]

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: