Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Messgerätehersteller Hameg beendet Produktion in Mainhausen

Posted by hw71 - 1. Februar 2010


Gefunden bei main-netz.de:

28.01.2010 00:00 Uhr

Keine Produktion mehr in Mainhausen

Unternehmen: Messgeräte-Hersteller Hameg will bis Ende des Jahres im Kreis Offenbach über 50 Stellen abbauen

Mainhausen . »Das scheint entschieden zu sein.« Harald Boll, Betriebsratsvorsitzender der Hameg Instruments GmbH in Mainhausen, sieht wenig Chancen für den Erhalt der Produktion vor Ort und damit für die Stellen von mehr als der Hälfte der Belegschaft. 52 Mitarbeiter sollen bis Jahresende gehen, hat die Muttergesellschaft Rohde & Schwarz entschieden.

Übrig bleiben, wenn die Pläne wahr werden, 40 Beschäftigte in Entwicklung, Vertrieb und Produktmanagement.

Vor fünf Jahren übernahm Rohde & Schwarz die Hameg. Da kamen zwei traditionsreiche Unternehmen zusammen. Karl Hartmann hatte 1957 seinen Betrieb in einer kleinen Werkstatt gegründet und ihm den Namen Hameg (Hartmann-Messgeräte) gegeben. Er vertrieb ein Oszilloskop, das er selbst entwickelt und gebaut hatte.

Im Lauf der Jahre kamen weitere Messgeräte für Industrie, Wissenschaft und Ausbildung hinzu, der Hauptsitz wechselte nach Mainhausen, produziert wurde auch in Münchenbernsdorf in Thüringen. Auch die dortige Fabrik soll geschlossen werden, 28 Beschäftigte verlieren ihre Stelle.

Winzige Tochter

Winzig wirkt Tochter Hameg im Vergleich zu ihrer Mutter: Seit 75 Jahren ist Rohde & Schwarz mit Sitz in München auf dem Markt für Messtechnik, Rundfunk, sichere Kommunikation sowie Überwachungs- und Ortungstechnik aktiv. Über 2500 Menschen produzieren Geräte in den Werken Memmingen, Teisnach im Bayerischen Wald und Vimperk in Tschechien tätig. Diese Menschen sollen jetzt besser ausgelastet werden. Investitionen, die in Mainhausen in sechsstelliger Höhe nötig geworden wären, so Hameg-Geschäftsführer Holger Asmussen, werden in den großen Werken – vor allem in Tschechien – getätigt. »Dort gibt es Synergieeffekte.«

Asmussen sagt, er sei »todtraurig« über die Entscheidung der Konzernmutter und empfände sie auch den Menschen in Mainhausen gegenüber als ungerecht. Er müsse sie aber verstehen. Schließlich habe die Hameg schon 2005 bei der Übernahme rote Zahlen geschrieben und sei aus dem Defizit auch nicht herausgekommen. Erst jetzt zeichnen sich Hoffnungsstreifen am Horizont. Im vorigen Jahr hat das Unternehmen 14 neue Geräte auf den Markt gebracht, die laut Asmussen zu Umsatzsteigerungen von 20 Prozent pro Monat führten.

Umso weniger verstünden die Mitarbeiter die Entscheidung des Konzerns. Der Geschäftsführer preist seine Mannschaft, die viele Beiträge – unter anderem einen Haustarif mit zahlreichen Nullrunden – geleistet hätten, um Hameg voran zu bringen. Die Mitarbeiter hätten jede Optimierung mitgetragen und so Produktivitätsfortschritte ermöglicht, sie arbeiteten selbstständig auf einem hohen Niveau und seien universell einsetzbar.

In den Verhandlungen mit dem Betriebsrat soll es jetzt auch darum gehen, den Mitarbeitern eine Transfergesellschaft anzubieten, um ihnen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Region zu eröffnen.

»Die Verhandlungen stehen noch bevor. Wir machen uns jetzt erst einmal schlau«, sagt Betriebsratsvorsitzender Boll. Obwohl nur wenige Hameg-Mitarbeiter in der Gewerkschaft organisiert seien, habe die IG Metall ihre Unterstützung zugesagt. So eine Werksschließung funktioniere nicht von einem Tag auf den anderen. »Schließlich sollen wir auch unser Wissen nach Tschechien tragen«, sagt Boll.

Barbara Löffel

Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: