Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Siemens streicht 2.000 Stellen in Deutschland

Posted by hw71 - 31. Januar 2010


=> „Kurzarbeit reicht nich tmehr aus“… Gefunden bei zeit.de:

Elektro

Siemens streicht 2000 Jobs – Kritik von IG Metall

München (dpa) – Der Elektrokonzern Siemens reagiert mit dem Abbau von rund 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland auf die anhaltende Wirtschaftskrise. Betroffen sind die Antriebstechnologie und das Geschäft mit Großanlagen für die Industrie, wie die Siemens AG in München mitteilte.

Mit den Anpassungen will das Unternehmen Nachfrageeinbrüche aus dem Maschinenbau und die zurückhaltende Investitionstätigkeit bei Industrieanlagen abfangen. Hinzu komme ein Technologiewechsel bei bestimmten Produkten. «Wir stehen zu unserer Zusage, dass wir Anpassungen bei den Beschäftigten möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen lösen wollen», sagte Siemens-Personalchef Siegfried Russwurm. Man wolle zügig Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen. Die IG Metall reagierte mit scharfer Kritik auf die Pläne.

Der Konzern war mit einem überraschend hohen Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr 2009/10 (30. September) gestartet und hatte eine Anhebung seines operativen Ergebnisziels für dieses Jahr angedeutet. Trotzdem hatte Konzernchef Peter Löscher die Beschäftigten bei der Hauptversammlung am Dienstag angesichts massiver Auftrags- und Umsatzeinbußen bereits auf weitere personelle Einschnitte vorbereitet. Die Details stellte die Unternehmensleitung den Betriebsräten am Donnerstag im Wirtschaftsausschuss vor.

In der Antriebstechnologie ist demnach der Standort Bad Neustadt (Saale) in Unterfranken betroffen, wo bis 2012 rund 840 der heute knapp über 2000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. In Bad Neustadt und im tschechischen Mohelnice fertigt Siemens Standard- Niederspannungsmotoren kleiner Leistung für Europa. Die Einführung der nächsten Produktgeneration mache Investitionen in Fertigungslinien und eine Bündelung der Produktion in Mohelnice nötig, erklärte das Unternehmen. Dadurch fielen in den kommenden zweieinhalb Jahren 640 Jobs in Bad Neustadt weg. Die übrigen 200 wegfallenden Stellen in Bad Neustadt sowie weitere 300 Arbeitsplätze am Standort Erlangen, wo die zugehörige Elektronik für die Motoren gefertigt wird, begründete Siemens mit massiven Auftragsrückgängen aus dem Maschinenbau.

Weitere 850 Stellen sollen in der Division Industry Solutions gestrichen werden, in der Siemens unter anderem Großanlagen für die Stahl-, Zement- und Papierbranche zusammengefasst hat. Hier sei der Tiefpunkt der Auslastung erst für das Jahr 2011 zu erwarten, erklärte das Unternehmen. Betroffen von den Maßnahmen sind mehrere Standorte in Deutschland. Insgesamt beschäftigt Siemens in Deutschland 128 000 Menschen, weltweit hat der Konzern rund 405 000 Beschäftigte.

Nach dem massiven Produktionseinbruch im Maschinenbau von 20 Prozent im vergangenen Jahr sei derzeit keine Rückkehr auf das Niveau vor der Krise in Sicht, sagte der Chef des Siemens-Industriesektors, Heinrich Hiesinger, in einer Telefon-Konferenz. Auf die Frage, ob weitere Einschnitte zu befürchten seien, erklärte Personalvorstand Russwurm: «Wir haben heute mit den Arbeitnehmervertretern all das diskutiert, was zu diskutieren war.» Es gebe keine verdeckte Agenda, die weitere Schritte enthalte.

Die IG Metall erklärte, es sei nicht nachvollziehbar, dass der Vorstand über eine Anhebung seiner Prognosen nachdenke und gleichzeitig nach einer Salami-Taktik scheibchenweise Bereiche und Geschäfte abstoße. «Die imageträchtig skizzierte strahlende Zukunft verwirklicht Siemens nicht, indem man ständig Beschäftigte vor eine ungewisse Perspektive stellt», sagte Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Zusammen mit der Gewerkschaft forderte er den Konzern auf, Alternativen zu dem Abbau zu entwickeln. Bei Siemens läuft bereits der Abbau von rund 17 000 Arbeitsplätzen, vor allem in Vertrieb und Verwaltung.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnete die Sparpläne als «Hiobsbotschaft». Zugleich äußerte er Verständnis für die Entscheidung des Managements. Der Fall zeige, dass die realen Auswirkungen der Wirtschaftskrise erst jetzt auf dem Arbeitsmarkt durchschlügen, sagte Seehofer am Donnerstag in Brüssel. Es komme irgendwann der Punkt, wo man krisenbedingte Ausfälle nicht mehr mit Kurzarbeit auffangen könne. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sprach von einem herben Schlag für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien. Zugleich erklärte der Minister: «Siemens hat mir zugesichert, die Anpassungen möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen vorzunehmen.»

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