Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Küchenhersteller Alno streicht 450 Stellen…

Posted by hw71 - 29. Januar 2010


Siehe auch „Deutschland: Alno rechnet mit “Weiterhin schwierigen Zeiten” und Entlassungen„. Gefunden bei stuttgarter-nachrichten.de:

Herber Schrumpfprozess bei Alno in Pfullendorf

Im oberschwäbischen Stammwerk fallen weitere 450 Jobs weg

Von Marc Herwig

PFULLENDORF. So schnell kann“s abwärtsgehen mit einem Standort: Innerhalb von 15 Jahren wird bei Alno in Pfullendorf aus einem der wichtigsten Werke der deutschen Küchenmöbel-Industrie eine kleine Fabrik. Von den einst mehr als 2000 Arbeitsplätzen bleiben nach der jetzt angekündigten Entlassung von 450 Angestellten 200 übrig. Für das strukturschwache Oberschwaben eine Katastrophe, doch für die Küchenmöbelbranche ist das nicht untypisch.

Seit Jahren kämpfen viele Küchenmöbelbauer mit Problemen. Die Wirtschaftswunderjahre, als die Einbauküche zum Statussymbol wurde, und die extrem umsatzstarken Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind vorbei. In Deutschland werden weniger Häuser gebaut, und eine einmal eingebaute Küche geht nicht nach zehn, 15 Jahren kaputt. „Der Inlandsmarkt stagniert seit Jahren, das hat zu einem extrem starken Verdrängungswettbewerb zwischen den Herstellern geführt“, sagt Lucas Heumann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie (VdDK) in Herford. Eine Reihe von Marken seien zuletzt in die Insolvenz gegangen und teilweise vom Markt verschwunden. Derzeit gebe es gut 14 700 Arbeitsplätze in den 60 Betrieben der deutschen Küchenmöbelindustrie. Von Januar bis November 2009 setzte die Branche 3,4 Milliarden Euro um, 9,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Die Blicke richten sich ins Ausland: In China und Indien, aber auch in Europa sind Küchen noch gefragt. Doch Alno hat im wichtigen Auslandsgeschäft zahlreiche Probleme. Im Juni 2009 gab Vorstandschef Jörg Deisel das Ziel aus, den Auslandsanteil am Umsatz innerhalb von drei Jahren von einem Drittel auf die Hälfte zu steigern. Doch wenig später musste das Unternehmen einen Einbruch im Auslandsgeschäft um 19 Prozent fürs erste Halbjahr 2009 vermelden.

Der Wirtschaftsstandort Pfullendorf mit 13 000 Einwohnern hat unter den Schwierigkeiten bei Alno heftig gelitten. Im Zeitraum zwischen 1998 und 2013 sind bei Alno rund 2000 Jobs verloren gegangen bzw. gehen noch verloren. Bisher hätten die meisten Entlassenen schnell einen neuen Job gefunden, sagte Bürgermeister Thomas Kugler. Das werde diesmal deutlich schwerer werden, denn in vielen Betrieben wird kurzgearbeitet. Auch die Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben blickt mit Sorge auf die Region. Zu viele Unternehmen sind in den vergangenen Jahren in Ballungszentren abgewandert. Ein Patentrezept, wie Oberschwaben als Wirtschaftsstandort attraktiver werden kann, hat niemand.

Und nun streicht Alno in Pfullendorf weitere 450 von 650 verbliebenen Arbeitsplätzen. Die komplette Serienproduktion von Küchen der Marke Alno wird bis 2013 ins westfälische Enger verlagert. Dort sollen neben den bestehenden 560 Jobs 200 neue entstehen. Konzernweit sinkt die Mitarbeiterzahl dadurch von 1900 auf 1650.

Deisel zufolge bietet die Neuausrichtung auch für Pfullendorf eine Chance. „Wir machen Pfullendorf zum Produzenten für das Premium-Segment.“ Während die Serienfertigung dort nicht konkurrenzfähig gewesen sei, könnten die verbleibenden 200 Mitarbeiter mit der Fertigung von hochpreisigen Küchen den Standort profitabel machen.

Alle vier Standorte der Alno-Gruppe in Pfullendorf, in Enger, im sauerländischen Brilon und in Coswig-Klieken in Sachsen-Anhalt müssten sich in den kommenden Jahren behaupten. „Wir werden uns genau angucken, wo wir Geld verdienen“, sagte der Vorstandschef. 2012 und 2013 soll entschieden werden, ob Alno-Standorte komplett geschlossen werden.

29.01.2010 – aktualisiert: 29.01.2010 05:43 Uhr

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