Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Autozulieferer Optrex streicht Stellen

Posted by hw71 - 26. Januar 2010


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26.01.2010 00:00 Uhr 0 Kommentare

Autozulieferer Optrex streicht Stellen

Krise: Der Hersteller von Flüssigkristallanzeigen stellt Produktion in Babenhausen ein – Bis zu 93 Mitarbeiter betroffen

Babenhausen . Bei der Optrex Europe GmbH in Babenhausen sind 93 von 214 Arbeitsplätzen in Gefahr. Das Unternehmen, das Flüssigkristallanzeigen für die Automobilindustrie entwickelt und fertigt, leidet unter der Krise, nach Überzeugung der Arbeitnehmervertreter aber auch an Management-Fehlern der Vergangenheit.

»Ausgepresst wie eine Zitrone«

»Das Unternehmen war ein Handelsobjekt, das jetzt ausgepresst ist wie eine Zitrone«, sagt Armin Groß, Bevollmächtigter der Industriegewerkschaft Metall in Darmstadt. Seit mehr als 20 Jahren fertigt Oprex am Standort Babenhausen LCD-Anzeigen zum Beispiel für Tachometer. In der Fachpresse wird das Unternehmen für seine Flexibilität gelobt. Es sei bereit, auf Kundenwünsche einzugehen und auch kleine Stückzahlen zu produzieren.

Unter dem Dach von VDO hatte 1978 die Flüssigkristall-Entwicklung begonnen. 1989 gründete die japanische Optrex Corporation in Babenhausen Optrex Europe als Gemeinschaftsunternehmen mit VDO. Bei beiden Unternehmen wechselten die Besitzverhältnisse, zuletzt gab es 2008 einen Gesellschafterwechsel bei Optrex Corporation: Mitsubishi Electric Corporation und Asahi Glass verkauften ihre Anteile an Japan Industrial Partners.

»Nichts für die Ewigkeit«

Ein Viertel der Optrex Europe gehört inzwischen der Continental AG, die sich bei VDO eingekauft hat und unter deren Dach in Babenhausen Optrex angesiedelt ist. Angesichts dieser Entwicklung hat Gewerkschafter Groß wenig Hoffnung, dass die Produktion in Babenhausen gehalten werden kann. »Wir verhandeln über Sozialplan und Interessenausgleich.«

»Flüssigkristallanzeigen sind nichts für die Ewigkeit«, sagt der Optrex-Betriebsratsvorsitzende Reinhard Dörrenbächer. Seit Jahren habe die Belegschaft immer wieder gefragt, was sie fertigen soll, wenn diese Technologie ausläuft. Doch Investitionen seien ausgeblieben.

Auf eigene Füße stellen?

Für Martin Tibken, Geschäftsführer von Optrex Europe, ist die Entwicklung in der Automobilbranche ausschlaggebend für die Pläne des Konzerns, die Produktion in Babenhausen zum Jahresende einzustellen. In Produktionsstätten in China, Thailand und Japan gebe es Überkapazitäten. Die Konzernleitung habe darum beschlossen, die bisher in Babenhausen gefertigten Halbfabrikate künftig aus Schwesterwerken in Japan und China zu beziehen. Erhalten bleibe das Werk in Tschechien. Dort sind etwa 800 Menschen in der Produktion tätig. In Babenhausen sollen Kundenbetreuung, Produktentwicklung und Projektmanagement bleiben.

Ein Signal der Geschäftsleitung hat der Betriebsrat aufgenommen: Er beschäftigt sich jetzt mit der Frage, ob die Arbeitsplätze als »Management-buy-out« erhalten werden könnten. Allerdings gebe es nur minimale Angebote des Konzerns, einem abgesplitteten Produktionsunternehmen Aufträge zu erteilen. »Wir müssten schnell auf eigenen Füßen stehen«, sagt Dörrenbächer. »Wir beziehen eine solche Lösung in unsere Überlegungen ein und beraten uns mit einem Wirtschaftsfachmann.«

Dass eine solche Betriebsgründung nicht einfach ist, weiß der Betriebsratsvorsitzende. »Das ist noch unausgegoren, wir müssen noch viele Fragen klären«, dämpft er Hoffnungen auf eine baldige Lösung.

Barbara Löffel

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