Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Kreative Buchführung am Rande der Verfassung

Posted by hw71 - 24. Januar 2010


Gefunden bei wiwo.de:

US-Steuerzahler bürgt für die Fed

Kreative Buchführung am Rande der Verfassung

Frank Doll 21.01.2010

Ende 2009 sollten die auf jeweils 200 Milliarden Dollar beschränkten Garantien der US-Regierung für Verluste der Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac eigentlich auslaufen. Doch mit einem Federstrich verlängerte US-Finanzminister Timothy Geithner die Garantiefrist bis nach den nächsten US-Präsidentschaftswahlen 2012 und kassierte zugleich das Verlustlimit. Damit bürgt der US-Steuerzahler auch für den gesamten Bestand verbriefter Hypothekenpapiere der US-Notenbank Fed.

Mit der verlängerten und nun unbeschränkten Haftung will die US-Regierung die Hypthekenzinsen unten halten und so überschuldeten Hausbesitzern und neuen Hauskäufern helfen, sagt sie. Doch profitieren von diesem Schachzug werden auch – oder vor allem – die Halter der von Fannie und Freddie begebenen Bonds und der von beiden Agenturen garantierten verbrieften Hypothekenkredite (Mortgage-backed Securities, MBS). Vorher bestand für die Besitzer zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass die Verluste von Fannie und Freddie so hoch ausfallen könnten, dass das gesetzte Limit nicht ausreichte, um einen Bankrott auszuschließen. Das ist nun nicht mehr möglich, zumindest solange die Zahlungsfähigkeit der USA gewährleistet ist. Die Papiere stehen nun auf einer Bonitätsstufe wie US-Staatsanleihen.

Fed hält MBS für knapp eine Billion Dollar

Wer hält die Papiere? Das sind neben privaten Investmentadressen wie zum Beispiel die Allianz-Tochter Pimco, das Finanzministerium selbst und die Notenbank Fed. Das Finanzministerium schöpfte bisher rund 220 Milliarden Dollar seines auf 300 Milliarden Dollar begrenzten Kaufprogrammes für verbriefte Hypothekenkredite aus. Die Bilanz der Fed, deren 1250 Milliarden Dollar schweres MBS-Programm Ende März offiziell ausläuft, wies zuletzt einen MBS-Bestand in Höhe von 968,75 Milliarden Dollar aus. In einer Fußnote steht, wer für diese Papiere bürgt: Fannie, Freddie und deren kleine Schwester Ginnie Mae.

Dank Geithners brillantem Weihnachtseinfall – er unterzeichnete am Heiligabend – sind es aber letztlich die amerikanischen Steuerzahler, die in voller Höhe auch für den MBS-Bestand der Fed gerade stehen. Nicht einmal den Kongress musste der US-Finanzminister um Erlaubnis bitten für diesen Handstreich. Das hätte er nur machen müssen, wenn das alte Programm bereits ausgelaufen wäre. So aber handelte es sich ja nur um eine Art Programm-Update, Bailout 2.0 advanced sozusagen. Schon clever, Respekt dafür!

Kreditausfälle nehmen noch immer zu

Die uneingeschränkte Garantie des Steuerzahlers eröffnet nun der Notenbank, dem Finanzministerium und selbst Fannie und Freddie die Möglichkeit, die Papiere am Markt zu höheren Preisen zu verkaufen. Am Ende landeten die toxischen Papiere wiederaufbereitet dort, wo sie einst zusammengebaut wurden. Eigentlich ein perfekter Kreislauf! Nur ändert das natürlich nichts an den tatsächlichen Verlusten, die durch die immer noch steigenden Ausfallraten der Hypothekenschuldner am anderen Ende der Verbriefungskette drohen. Die müssen natürlich finanziert werden. Wie? Auf Pump natürlich, durch die Ausgabe von neuen Staatsanleihen.

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