Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Staatsbankrott in Jamaika!

Posted by hw71 - 16. Januar 2010


Gefunden bei ftd.de:

15.01.2010, 15:39

Schuldscheintausch

Jamaika ist pleite

Sonne, Reggae, Traumstrände – das Bild der Karibikinsel bekommt tiefe Kratzer. Während sich Investoren um Griechenland und Dubai sorgen, legt Jamaika den ersten Staatsbankrott seit Beginn der jüngsten Finanzkrise hin. von André Kühnlenz

Die Regierung von Jamaika hat ihren einheimischen Gläubigern eine Umschuldung von 7,8 Mrd. $ an Staatsanleihen angeboten. Für die Papiere sollen neue Bonds zum gleichen Nennwert, aber geringerer Verzinsung und längerer Laufzeit angeboten werden. Das kommt einer Bitte um Zahlungsaufschub gleich.

Damit erfüllt das Land die technische Definition eines Staatsbankrotts. Dieser ist gegeben, sobald ein Staat seinen Schuldendienst teilweise nicht mehr leisten kann oder will. Die Ratingagenturen Standard & Poors (S&P) und Moody’s bewerteten in der Nacht auf Feitag den Schuldscheintausch als Bankrott.

S&P stufte die Bonität Jamaikas auf die entsprechende Note „SD“ herab. Dies ist die erste Staatspleite seit Beginn der jüngsten Finanzkrise.

Investoren sorgen sich angesichts der wachsenden Verschuldung zunehmend um Ausfälle. Dabei stehen besonders Länder wie Griechenland und Dubai im Fokus. Anfang der Woche hielten Anleger Anleihen europäischer Unternehmen erstmals für weniger riskant als die von wichtigen Industriestaaten Europas, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Mit dem Zahlungsaufschub würde die Regierung Jamaikas allerdings einen größeren Spielraum erhalten, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln. Seit Beginn der Finanzkrise muss das Land einen kräftigen Schwund an Touristen verkraften, was die Rezession auf der Insel verstärkte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2009 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent, für 2010 erwartet er ein Minus von 0,2 Prozent.

Die Umschuldung sei auf lange Sicht positiv, hieß es bei S&P und der dritten Ratingagentur Fitch. Fitch stellte gar in Aussicht die neuen Bonds mit „B“ zu benoten und damit fünf Stufen unter Investment-Status, der auf geringeres Risiko hinweist. Auch die Moody’s-Experten sagten, dass die neuen Anleihen aufgewertet werden könnten. Derzeit bewertet die Agentur die Verbindlichkeiten des Landes mit „Caa1“.

Der IWF stützt den Umschuldungsplan der Regierung mit einem Kredit über 1,25 Mrd. $. Der Fonds teilte mit, das Land könne mit weiteren 1,1 Mrd. $ anderer Organisationen rechnen. Der IWF hatte die Details mit der Regierung des Inselstaates ausgehandelt.

Das Umtauschangebot für die Papiere gelte bis 25 Januar, hieß es auf einer Regierungswebseite. Ministerpräsident Bruce Golding hatte bereits am Mittwoch die Gläubiger – also die Halter der Staatspapiere – gebeten, den Regierungsplan zu unterstützen. „Sie haben gute Gewinne mit diesen Anleihen erzielt, nun bitte ich Sie, die Lasten zu tragen, die in diesem kritischen Augenblick der noch nie dagewesen Krise geschultert werden müssen.“

Bisher bot die Regierung einen Kupon von 17 Prozent auf die Anleihen. Bei den neuen Bonds müssten die Anleger im Schnitt mit 6 Prozentpunkten weniger Zinsen rechnen, hieß es bei S&P. Die Laufzeit werde um durchschnittlich zwei bis drei Jahre verlängert. Papiere für 950 Mio. $, die die Regierung an den internationalen Kapitalmärkten begeben hatte, bleiben von der Umschuldung unberührt.

* FTD.de, 15.01.2010

© 2010 Financial Times Deutschland

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