Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Lidl verbannt Gentechnik aus der Milch

Posted by hw71 - 12. Januar 2010


Mal wieder was positives zum Thema Gentechnik… Gefunden bei fr-online.de:

Discounter startet Offensive

Lidl verbannt Gentechnik aus der Milch

Der Discounter startet in Bayern ein Projekt, das gentechnikfreies Essen zum Durchbruch verhelfen könnte: Statt manipuliertem Soja aus Übersee sollen hiesige Bauern sauberes Futter aus der Region verwenden. Lidl darf dann das Siegel „ohne Gentechnik“ für seine Milch verwenden – traut sich aber nicht.

Von Stephan Börnecke

Frankfurt a.M. Discounter Lidl setzt einen Kontrapunkt zur Anonymität von Massenprodukten: In den bayerischen Filialen gibt es seit Montag regional erzeugte Milchprodukte. Weil die Lidl-Kühe obendrein ohne Gen-Soja gefüttert werden, könnte die gentechnikfreie Tierfütterung vor einem Durchbruch stehen.

Die Discounter, Aldi mehr noch als Lidl, konnten von der Wirtschaftskrise bislang nicht profitieren und gaben Umsätze ab, die Preissenkungsrunden des vergangenen Jahres verpufften. In dieser Zeit setzt Lidl nun einen für Discounter ungewöhnlichen Akzent: Raus aus der Anonymität, die Schwarzgruppe aus Neckarsulm startet eine Regionaloffensive.

Die Aktion wurde in zunächst in Bayern gestartet, soll aber bundesweit ausgedehnt werden, so Lidl-Deutschlandchef Jürgen Kisseberth.

Doch hinter dem Slogan „Ein gutes Stück Heimat“ verbirgt sich mehr als nur der Vertrieb von regional erzeugter Milch, Joghurt und Butter. Diese Produkte sind nun auch garantiert ohne gentechnisch verändertes Futter erzeugt. Statt wahllos in den Kraftfuttersack des Landhandels zu greifen und damit oft auch gentechnisch verändertes Sojaschrot aus Übersee in den Trog zu werfen, müssen die Bauern umdenken.

In einer der Frankfurter Rundschau vorliegenden Verpflichtungserklärung versprechen die beteiligten bayerischen Landwirte der Firma Lidl, „nur noch nicht gentechnisch veränderte Futtermittel an meine Milchkühe zu verfüttern“. Um sicherzugehen, lässt der Bauer Lidl auch in die Bücher gucken. Er legt im Zweifel „alle Lieferdokumente“ offen, um den „Nachweis von der Fütterung nicht gentechnisch veränderter Futtermittel führen zu können“.

Von der Biobranche und der nordhessischen Bauernmolkerei abgesehen, gibt es bisher nur eine größere deutsche Molkerei, die ähnliche Kriterien verlangt: Bauern, die Milch für das Campina-Produkt Landliebe liefern, füttern ihre Kühe nicht mehr mit Soja, sondern mit heimischem Rapsschrot, das ebenfalls das benötigte Eiweiß liefert.

Der Campina-Initiative haben sich inzwischen weitere süddeutsche Molkereien angeschlossen, die Joghurt-Hersteller Zott, Bauer und Ehrmann haben dies ebenfalls angekündigt. Doch im Unterschied zu Campina verzichtet Lidl auf die mögliche Deklarierung dieser Qualitätsmerkmale mit dem von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) ausgelobten Siegel „Ohne Gentechnik“.

Über die Gründe des Verzichts schweigt sich das Unternehmen aus. Nur so viel gibt Lidl preis: Im Vordergrund stehe eine „regional zertifizierte Spitzenqualität“, an deren Erzeugung 250 Bauern und zwei örtliche Molkereien beteiligt sind.

Tatsächlich scheuen Handel und Lebensmittelindustrie seit langem die offene Deklarierung, wenden das Aigner-Siegel deshalb auch nicht an und schützen rechtliche wie Liefer-Probleme vor. Wie etwa beim Hähnchen-Riesen Wiesenhof.

Die Tiere werden zwar ohne Gen-Soja gepäppelt, ausgelobt wird das aber nicht. Denn Hersteller und Händler stellten stets eine Frage: Ist auch für die nächsten vier, fünf Jahre sichergestellt, dass genug garantiert gentechnikfreies Futter aus Übersee kommt?

Davon allerdings sind Branchenkenner, die sich mit der Materie seit langem beschäftigen, überzeugt. So hat der zweitgrößte deutsche Hähnchen-Hersteller, die Gebrüder Stolle aus dem Oldenburger Land, die gesamte Produktion von täglich 450.000 Hähnchen auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt.

Stolle-Marketing-Chef Albert Focke glaubt, der Nachschub an Futter sei gesichert, und zwar je stabiler, desto höher die Nachfrage ist. Stolle-Hähnchen oder Hühnerschnitzel mit Siegel gibt es dennoch vorerst nur bei der hessischen Kette Tegut.

Der aktuelle Lidl-Vorstoß spreche jedoch, auch wenn er noch nicht mit einer Kennzeichnung verbunden ist, für eine Ausdehnung: Lidl nähere sich offenbar „Schritt für Schritt“ der gentechnikfreien Produktion, der irgendwann auch die Kennzeichnung folgen könne, ahnt Focke.

Die Gentechnik-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz BUND, Heike Moldenhauer, freilich sieht die Unternehmen in einer Zwickmühle: Es bestehe eine „Angst der Händler vor Nachfragen ihrer Kunden“, wenn das eine Produkt gekennzeichnet sei und das andere nicht.

Andererseits, so Moldenhauer, versuche Lidl, mit Differenzierungsmerkmalen neue Kunden zu locken – und da könnte die Gentechnikfreiheit entscheidendes Kriterium werden. Sollte sich Lidl durchringen, das Logo zu verwenden, „ist das der Durchbruch“.

Ganz ähnlich sieht das Alexander Hissting von Greenpeace: Bislang eher als „Schmuddelkind“ verschrien, setze Lidl „mit der Gentechnikfreiheit neue Maßstäbe“. Als erster Lebensmittelhändler folge Lidl dem Verbraucherwunsch, auf gentechnisch veränderte Pflanzen in der Fütterung zu verzichten. Auch Hissting ist überzeugt: Drucke Lidl das Siegel auf die Milchtüte, „dann folgen andere, und zwar nicht nur die Discounter“.

Das Siegel

Die Idee: Das einheitliche Logo „Ohne Gentechnik“ macht es Verbrauchern seit Sommer 2009 leichter, sich bewusst für Lebensmittel ohne Gentechnik zu entscheiden. Nach den Vorgaben des europäischen Lebensmittelrecht ist es unmöglich, eine verbindliche Kennzeichnung für tierische Produkte wie Milch, Eier oder Fleisch einzuführen, die von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden.

Das grüne Label macht es möglich, diese Lücke zu schließen. Es gibt die Sicherheit, dass in den gekennzeichneten Lebensmitteln keine gentechnisch veränderten Bestandteile, auch nicht in Spuren, vorkommen.

In der Praxis wird die Kennzeichnung bislang zurückhaltend verwendet.

Abbildung des "Ohne Gentechnik"-Siegel

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Copyright © FR-online.de 2010

Dokument erstellt am 11.01.2010 um 17:43:04 Uhr

Letzte Änderung am 12.01.2010 um 12:15:19 Uhr

Erscheinungsdatum 12.01.2010 | Ausgabe: d

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