Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Nochmal von Moody’s herabgestuft…

Posted by hw71 - 22. Dezember 2009


Interessant auch in nachfolgendem Artikel die Hintergründe über die Bewertung von Sicherheiten, die bei der EZB hinterlegt werden können: früher hat die EZB die Sicherheiten selbst bewertet – seit Ende 2005 übernehmen das (indirekt) die Rating-Agenturen…

Gefunden bei fr-online.de:

Marode Staatsfinanzen

Kurzes Aufatmen in Athen

VON GERD HÖHLER

Athen. Griechenland kommt weiter in Bedrängnis. Nachdem bereits die Rating-Agenturen Fitch und S&P die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Landes heruntergestuft hatten, senkte nun auch das Finanzunternehmen Moody´s das Bonitäts-Rating für griechische Staatsanleihen von „A1“ auf „A2“.

Trotz der neuerlichen Herabstufung legten die Kurse der griechischen Staatsanleihen jedoch zu. Auch die Athener Börse lag mit mehr als drei Prozent im Plus. Die Benotung durch Moody´s sei insofern eine positive Überraschung gewesen, als die Finanzmärkte eine Herabstufung um zwei Punkte auf „A3“ erwartet hätten, erklärte ein Händler.

Positiv sei auch aufgenommen worden, dass Moody´s in seiner Bewertung keine unmittelbaren Liquiditätsprobleme für Griechenland sehe. Die Agenturen Fitch und S&P, die nach einem anderen Bewertungsschema vorgehen, hatten dem Land kürzlich mit „BBB+“ die schlechteste Note aller Euro-Länder gegeben. Griechenland wird in diesem Jahr mit einem Haushaltsdefizit von voraussichtlich 12,7 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) größter Defizitsünder in der EU sein. Nach Berechnungen der EU-Kommission könnte die Gesamtverschuldung im kommenden Jahr 125 Prozent des BIP erreichen. Damit wäre das Land der am höchsten verschuldete Staat der EU.

Mittelfristig dürften die Kurse der griechischen Staatsanleihen aber unter Druck bleiben. Die Rendite des zehnjährigen Bonds lag am Dienstag um rund 2,5 Prozentpunkte über der Verzinsung der vergleichbaren Bundesanleihe. Diese Risikozuschläge, die der griechische Finanzminister seinen Gläubigern zahlen muss, verteuern den Schuldendienst. Das wiederum führt zu höheren Defiziten im Staatshaushalt und lässt den Schuldenberg weiter wachsen, was die Kreditwürdigkeit noch mehr belastet – ein Teufelskreis, der letztlich in den Staatsbankrott führen könnte.

Alle drei großen Agenturen beließen den Ausblick für die weitere Entwicklung der finanziellen Lage auf „negativ“. Das lässt weitere Herabstufungen erwarten. Marko Mrsnik, Griechenland-Experte bei S&P, sagte, man werde nun die Entwicklung „drei bis vier Monate“ lang beobachten und dann über eine Neubewertung entscheiden. Damit droht Griechenland zum Gefangenen der Rating-Agenturen zu werden.

Deren schlechte Noten verteuern nicht nur den Schuldendienst. Sie könnten auch zu einem großen Problem für die griechischen Geschäftsbanken werden, die etwa ein Fünftel aller griechischen Staatsanleihen halten und diese Papiere in großem Umfang bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegt haben, um sich billige Liquidität zu besorgen. Krisenbedingt akzeptiert die EZB auch Bonds als Sicherheiten, die mindestens mit „BBB-“ bewertet sind.

Anfang 2011 will die EZB jedoch zu der früheren Regelung zurückkehren, wonach nur Anleihen der Kategorie „A“ als Sicherheiten taugen. Bisher scheint die EZB nicht bereit, für Griechenland eine Ausnahme zu machen. EZB-Vizepräsident Lucas Papademos, selbst bis 2002 Chef der griechischen Notenbank, sagte, das Land müsse nun „entschiedene, substanzielle und mutige Entscheidungen“ zur Konsolidierung der Staatsfinanzen treffen, und zwar „je schneller desto besser“.

Die EZB und die Demokratie

Ratingagenturen haben erst seit Ende 2005 in Euroland etwas zu sagen. Damals beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), dass nur noch solche Staatsanleihen als Sicherheit akzeptiert werden, die mindestens von einer der drei Agenturen die Note „A-“ bekommen.

Bis 2005 hat die EZB die Sicherheiten, gegen die es Zentralbankgeld gibt, selber bewertet. Experten hat sie genug. Der Grund, warum sie derart viel Macht an die privaten Ratingagenturen abgetreten hat: Sie wollte, dass der Kapitalmarkt die Euro-Staaten durch höhere Risikoaufschläge zu einer solideren Haushaltspolitik zwingt.

Demokratisch fragwürdig ist diese Entscheidung. Denn sie wertet das Dutzend Analysten in den Agenturen ungemein auf. Ihrem Werturteil obliegt es, ob die Sparmaßnahmen als ausreichend für die bessere Note angesehen werden. Bringt es mehr die Sozialausgaben zu kürzen, oder die Steuern zu erhöhen? Das letzte Wort haben in Euroland nicht gewählte Technokraten. (heu)

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