Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Spanien: Harbstufung durch Ratingagentur sorgt für Verunsicherung

Posted by hw71 - 13. Dezember 2009


Nach Griechenland ist nun auch Spanien in den Fokus gerückt, da Standard & Poors den Ausblick für die spanische Bonitätsbewertung von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt hat. Gefunden bei fr-online.de:

Griechenland und Spanien

Droht in Euroland ein Dominoeffekt?

VON GERD HÖHLER, WERNER BALSEN UND BERND SALZMANN

Frankfurt. Wie dramatisch ist die Finanzlage in Griechenland? Und was bedeutet das für die anderen Länder der Euro-Gruppe? Zeigt die Herabstufung Spaniens durch eine Ratingagentur, dass ein Dominoeffekt droht? Die Wirtschaftskrise ist plötzlich wieder groß und gegenwärtig.

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, versucht zu beruhigen. Er schließt einen Staatsbankrott Griechenlands „völlig aus“. Deshalb würden Hilfen anderer EU-Staaten für das Mittelmeerland nicht notwendig werden, betonte Juncker, der auch luxemburgischer Ministerpräsident ist, in Bonn am Rande eines Kongresses der Europäischen Volkspartei (EVP).

Die Haushaltslage in Griechenland sei aber „sehr angespannt“, räumte er ein. Die griechische Regierung wolle aber „kurz-, mittel- und langfristig“ Schritte zur Konsolidierung des defizitären Haushalts ergreifen. Griechenland kämpft mit einem hohen Defizit und Schuldenberg und verlor deshalb als Schuldner seine Bonitätseinstufung der obersten Klasse.

Am Vortag hatte sich der zuständige EU-Kommissar, Joaquín Almunia, hoch besorgt gezeigt: „Probleme in einem Euro-Staat gehen alle Mitglieder der Währungsunion an.“ Das sagt der Spanier zu Recht. Denn das Misstrauen, das den Griechen an den Finanzmärkten entgegengebracht wird, könnte wie ein Dominoeffekt auf andere Staaten der Union übergreifen.

Erstes Indiz: Die Ratingagentur Standard&Poor’s senkte den Ausblick für die Bewertung der Bonität Spaniens auf „negativ“ von zuvor „stabil“. Die spanische Regierung reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung von S&P. Für eine Abstufung gebe es keinen Anlass, hieß es im Madrider Wirtschafts- und Finanzministerium.

Es bestehe kein Anlass zur Sorge. Die Ratingagentur wies darauf hin, dass die Staatsverschuldung in Spanien 2010 auf 67 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen werde. Zudem werde Spanien länger mit einer schwachen Konjunktur zu kämpfen haben als andere Länder. Dies werde auch zu einer Verschlechterung der Staatsfinanzen führen.

Grafik: Staatsdefizite in Euroland

Staatsdefizite in Euroland (klicken für größere Darstellung)

Brüssel sieht indes keinerlei Veranlassung, die griechische Regierung stärker an die Kandare zu nehmen. Es bleibt beim Prozedere, das bereits in der vergangenen Woche von den Finanzministern der Eurostaaten verabredet wurde: Der von der Regierung in Athen vorgelegte Haushaltsentwurf, der das Defizit von 12,7 auf 9,1 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken soll, wird als wichtiger Schritt in die richtige Richtung bezeichnet, der aber nicht ausreicht.

Im Februar wollen die Euro-Finanzminister sehen, wie die Griechen ihre Bemühungen um eine Stabilisierung ihrer öffentlichen Finanzen verstärken.

Der Athener Finanzminister Giorgos Papakonstantinou muss in diesen Tagen jedes Wort zweimal überdenken, bevor er es ausspricht. Schwindet die Bonität, verteuert sich der Schuldendienst. Jeder zusätzliche Prozentpunkt bei Staatsanleihen schlägt mit 2,5 Milliarden Euro zu Buche.

Papakonstantinou muss jetzt vor allem versuchen, Besorgnisse zu zerstreuen. Zuallererst die Furcht, Griechenland stehe vor dem Staatsbankrott. „Es gibt absolut kein solches Risiko – wir sind nicht das nächste Island“, versicherte Papakonstantinou am Mittwoch.

Würde Griechenland zahlungsunfähig, wären die anderen Mitglieder der Währungsunion nicht verpflichtet, einzuspringen: Das schließt der Vertrag von Maastricht ausdrücklich aus. Dennoch haben Almunia und auch der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) mehrfach betont, man werde sich für diesen Extremfall schon etwas einfallen lassen. Denkbar wäre etwa, dass große Eurostaaten ohne Bonitätsprobleme Anleihen platzieren und das Geld an die klammen Griechen weiterreichen.

Über einen solchen Plan ist in Brüssel offiziell nie diskutiert worden. Überhaupt ist unklar, ob in der EU und in der Währungsunion Notfallpläne existieren, obwohl das Thema Staatsbankrott in Griechenland schon zu Beginn des Jahres die Gemüter bewegte.

So ernst wie die Krise ist das Gesicht von Papakonstantinou. Die Lage sei „außerordentlich schwierig“, gesteht der Minister ein, versucht aber gleichzeitig, Hoffnung zu verbreiten: Die Regierung werde nicht zögern, „alle nötigen Maßnahmen zu treffen“.

2010 werde ein problematisches Jahr, müsse aber „kein unmögliches Jahr“ werden, versichert Papakonstantinou und verweist auf die bereits beschlossenen Konsolidierungsmaßnahmen: Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst, Ausgabenkürzungen um zehn Prozent, Kampf gegen die Steuerhinterziehung – Schritte, von denen auch die EU sage, sie gingen in die richtige Richtung. Anfang des Jahres will der Minister der EU sein überarbeitetes Stabilitätsprogramm mit „sehr konkreten Schritten“ vorlegen.

Für Griechenland wird es langsam richtig teuer, am Kapitalmarkt Geld einzusammeln. Bereits am Dienstag musste der griechische Finanzminister 2,5 Prozent mehr für zehnjährige Anleihen bieten als sein deutscher Kollege. Gestern kamen noch einmal 20 Basispunkte hinzu.

Und der Kapitalmarktexperte der Dekabank, Carsten Lüdemann, fürchtet, dass es noch dicker kommt. Die Stimmung am Markt sei „unverändert schlecht“ und der Zeitpunkt – am Jahresende bringen die Investoren ihre Portfolien in Ordnung und scheuen das Risiko – „ungünstig“.

Die Leitindizes der Börsen in Athen und Madrid verbuchten gestern Verluste von 3,4 beziehungsweise 2,3 Prozent. „Die Investoren realisieren, dass etwas grundsätzlich nicht in Ordnung ist“, sagte Matthias Jasper, Leiter des Aktienhandels bei der WGZ-Bank. Auch andere Börsianer mutmaßen, dass weitere Rückstufungen folgen werden. „Auch Irland und Portugal sind Wackelkandidaten“, sagte ein Händler.

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