Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Stellenabbau in Baden-Württemberg beschleunigt sich…

Posted by hw71 - 10. Dezember 2009


Gefunden bei statistik.baden-wuerttemberg.de:

Stuttgart, 10. Dezember 2009 – Nr. 410/2009

Stellenabbau in Baden-Württemberg hat sich im 3. Quartal 2009 auf 40 000 verstärkt

Unterbeschäftigung wegen Kurzarbeit und Arbeitsmarktförderung deutlich höher

Im 3. Quartal 2009 gab es in Baden-Württemberg insgesamt 5,57 Millionen Arbeitsplätze, 40 000 oder 0,7 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal. Wie das Statistische Landesamt nach Auswertung der aktuellsten, noch vorläufigen Quartalsdaten des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder« mitteilt, hat sich damit die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter verschlechtert. Im 2. Quartal hatte der Stellenabbau gegenüber dem Vorjahresquartal lediglich 12 000 betragen (–0,2 Prozent). Bundesweit war Baden-Württemberg im 3. Quartal 2009 nach Thüringen und dem Saarland das Land mit dem drittstärksten Arbeitsplatzabbau. Im Durchschnitt aller Bundesländer ging die Zahl der Erwerbstätigen im 3. Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahresquartal um 81 000 oder 0,2 Prozent zurück.

Die in den letzten Jahren übliche Herbstbelebung auf dem baden-württembergischen Arbeitsmarkt blieb in diesem Jahr aus. Anders als in den Jahren zuvor ging die Zahl der Erwerbstätigen im 3. Quartal 2009 gegenüber dem Vorquartal um 15 000 zurück.

Vom Stellenabbau war erneut die Industrie mit Abstand am stärksten betroffen. Dort gab es im 3. Quartal 2009 rund 62 000 Erwerbstätige weniger als ein Jahr zuvor (–4,1 Prozent). Den zweitstärksten Personalabbau verbuchten die Finanz- und Unternehmensdienstleister mit einem entsprechenden Minus von 21 000 Arbeitsplätzen (–2,3 Prozent). Dieser Stellenabbau war fast ausschließlich auf die Zeitarbeitsbranche zurückzuführen, die seit Einsetzen der Wirtschaftskrise ihren Personalbestand in drastischem Umfang reduziert hat. Die dort beschäftigten Leiharbeitnehmer werden zwar dem Dienstleistungsbereich zugeordnet, arbeiten aber häufig im Produzierenden Gewerbe, das derzeit besonders stark von der Krise betroffen ist. Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren von Juli bis September 2009 bei den Zeitarbeitsfirmen im Land noch durchschnittlich 56 000 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 30 000 weniger als ein Jahr zuvor (–35 Prozent). Als Hauptstütze der Erwerbstätigenentwicklung erwiesen sich dagegen die öffentlichen und privaten Dienstleister (+33 000 Erwerbstätige), darunter vor allem das Gesundheitswesen.

Der Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg ist angesichts der Schwere der Wirtschaftskrise bislang glimpflich davongekommen. Dem Rückgang von durchschnittlich 40 000 Arbeitsplätzen im 3. Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr stand ein Zuwachs der Arbeitslosenzahl um 75 000 Personen auf 299 000 gegenüber. Das Ausmaß der Unterbeschäftigung ist jedoch weit höher als durch die Arbeitslosigkeit dargestellt, wenn man die Unterbeschäftigung der Arbeitnehmer durch konjunkturelle Kurzarbeit und andere arbeitsmarktpolitische Förderinstrumente mit in die Betrachtung der Arbeitsmarktwirkungen einbezieht. Diese Maßnahmen haben einen stärkeren Stellenabbau verhindert. Wie das Statistische Landesamt auf der Grundlage von Angaben der Bundesagentur für Arbeit feststellt, profitierten im 3. Quartal 2009 alleine von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten wie Maßnahmen der beruflichen Wiedereingliederung, der beruflichen Weiterbildung, Arbeitsgelegenheiten und Gründungszuschüsse 95 000 Personen, fast 12 000 mehr als ein Jahr zuvor. Diese Personen werden definitionsgemäß nicht den Arbeitslosen zugerechnet. Hinzu kommt die aktuell sehr weit verbreitete Inanspruchnahme der konjunkturellen Kurzarbeit, die eine weitere Form der Unterbeschäftigung darstellt. Insgesamt arbeiteten im 3. Quartal 2009 in Baden-Württemberg alleine 246 000 Personen aus konjunkturellen Gründen kurz, 242 000 mehr als ein Jahr zuvor. Der durchschnittliche Arbeitsausfall der Kurzarbeiter belief sich im September auf etwa 30 Prozent. Angesichts des großen Ausmaßes der Unterbeschäftigung und den damit verbundenen Beschäftigungsrisiken ist davon auszugehen, dass sich der Abwärtstrend in der Erwerbstätigenentwicklung Baden-Württembergs im vierten Quartal 2009 weiter fortsetzen wird.

Erwerbstätige am Arbeitsort nach Wirtschaftsbereichen in Baden-Württemberg*)
Wirtschaftsbereich (WZ 2003) 2008 2009
1. Vj 2. Vj 3. Vj 4. Vj 1. Vj 2. Vj 3. Vj
*) Vorläufige Ergebnisse.

Quelle: Arbeitskreis „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder

in 1.000 Personen
Land- und Forstwirtschaft; Fischerei 94,6 102,2 103,4 100,3 95,0 102,7 104,1
Produzierendes Gewerbe 1.814,0 1.822,7 1.829,4 1.839,2 1.802,7 1.784,5 1.767,6
darunter
Verarbeitendes Gewerbe 1.503,8 1.507,7 1.512,6 1.520,6 1.493,3 1.469,3 1.450,2
Baugewerbe 271,6 276,3 278,3 281,0 271,1 276,3 278,7
Dienstleistungsbereiche 3.638,0 3.671,0 3.676,0 3.714,7 3.669,2 3.696,6 3.697,2
darunter
Handel, Gastgewerbe und Verkehr 1.247,2 1.259,3 1.262,7 1.272,6 1.256,8 1.270,7 1.271,7
Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen 906,5 914,3 925,7 928,9 900,5 895,7 904,6
Öffentliche und private Dienstleister 1.484,2 1.497,4 1.487,7 1.513,2 1.511,8 1.530,3 1.520,9
Gesamtwirtschaft 5.546,6 5.595,9 5.608,8 5.654,2 5.567,0 5.583,9 5.568,9
Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum
(in 1.000 Personen)
Land- und Forstwirtschaft; Fischerei +1,5 +0,1 +0,6 +0,5 +0,5 +0,6
Produzierendes Gewerbe +25,0 +24,9 +21,3 +12,5 −11,3 −38,2 −61,7
darunter
Verarbeitendes Gewerbe +29,3 +29,4 +25,7 +16,6 −10,6 −38,4 −62,4
Baugewerbe −4,8 −5,0 −4,8 −4,3 −0,6 +0,1 +0,4
Dienstleistungsbereiche +68,0 +64,8 +57,3 +49,0 +31,2 +25,6 +21,1
darunter
Handel, Gastgewerbe und Verkehr +22,9 +16,4 +11,3 +8,1 +9,6 +11,4 +9,0
Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen +24,1 +23,8 +23,6 +17,7 −6,0 −18,7 −21,1
Öffentliche und private Dienstleister +21,0 +24,5 +22,4 +23,3 +27,6 +32,9 +33,3
Gesamtwirtschaft +94,6 +89,7 +78,6 +62,1 +20,4 −12,0 −40,0
Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum in %
Land- und Forstwirtschaft; Fischerei +1,6 +0,1 +0,6 +0,5 +0,5 +0,6
Produzierendes Gewerbe +1,4 +1,4 +1,2 +0,7 −0,6 −2,1 −3,4
darunter
Verarbeitendes Gewerbe +2,0 +2,0 +1,7 +1,1 −0,7 −2,5 −4,1
Baugewerbe −1,7 −1,8 −1,7 −1,5 −0,2 +0,1
Dienstleistungsbereiche +1,9 +1,8 +1,6 +1,3 +0,9 +0,7 +0,6
darunter
Handel, Gastgewerbe und Verkehr +1,9 +1,3 +0,9 +0,6 +0,8 +0,9 +0,7
Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen +2,7 +2,7 +2,6 +1,9 −0,7 −2,0 −2,3
Öffentliche und private Dienstleister +1,4 +1,7 +1,5 +1,6 +1,9 +2,2 +2,2
Gesamtwirtschaft +1,7 +1,6 +1,4 +1,1 +0,4 −0,2 −0,7
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