Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Griechenland: Im Rating abgestuft…

Posted by hw71 - 8. Dezember 2009


Das hat heute für richtig Turbulenzen gesorgt: durch die Herabstufung verteuert sich die Kreditaufnahme für Griechenland nochmals – und dabei haben die Griechen doch so schon genug Probleme. Siehe auch „Griechenland: Großoffensive zur Rettung vor Staatsbankrott“ und „Staatsbankrotte auch im Euro-Raum?„.

Gefunden bei faz.net:

Rating-Abstufung

Griechenland beunruhigt die Märkte

Von Markus Frühauf

08. Dezember 2009 Sorgen um die griechische Staatsverschuldung haben am Dienstag an den Aktienmärkten zu deutlichen Kursverlusten geführt. Die Ratingagentur Fitch hat die Bonitätsnote Griechenlands von „A-“ auf „BBB+“ gesenkt. Die weiteren Aussichten für die Kreditwürdigkeit bewerten die Bonitätsprüfer „negativ“.

Grund für die Herabstufung ist die hohe Staatsverschuldung des Landes. In Reaktion darauf zogen die Risikoprämien auf griechische Staatsanleihen deutlich an. Der Leitindex an der Aktienbörse in Athen brach um 5 Prozent ein. Vor allem die Aktien griechischer Banken standen unter Druck. Auch an den anderen europäischen Börsen setzten nach der Herabstufung Verkäufe ein, die auch mit neuen Problemen im Golf-Emirat Dubai begründet wurden. Der deutsche Leitindex Dax verlor bis zu 2 Prozent auf 5672 Punkte. Auf der Verkaufsliste stand auch der Euro, der mit 1,4727 Dollar auf den niedrigsten Stand seit einem Monat fiel.

Erstmals seit 10 Jahren ohne „A“

Die Herabstufung Griechenlands durch Fitch stellt eine Zäsur dar: Erstmals seit fast zehn Jahren hat ein Mitgliedsland des Euro-Raums keine Bonitätsnote im „A“-Bereich mehr. Ratings von „A-“ bis „AAA“ stehen für eine hohe Kreditqualität. Griechenland hat nun bei Fitch das ist mit Abstand schlechteste Rating der Euro-Länder. Deutschland kommt auf die höchste Bonitätsnote von „AAA“. Das durch die Finanzkrise arg gebeutelte Irland steht bei „AA+“ und das jüngste Mitglied Slowakei bei „A+“. Sogar Polen (“A-“) und Tschechien (“A+“), die dem Währungsraum noch nicht angehören, schneiden bei Fitch besser ab als Griechenland. Mit „BBB+“ befindet sich die Kreditwürdigkeit der Hellenen nun auf einer Stufe mit Estland oder Südafrika.

Bereits am Montag hatten die Bonitätsprüfer von Standard & Poor’s (S&P) angekündigt, das Rating Griechenlands (“A-“) auf eine Herabstufung zu prüfen. Auch Moody’s (“A1“) erwägt eine Senkung. Am Anleihemarkt vergrößerte sich der Renditeabstand zwischen der zehnjährigen Staatsanleihe Griechenlands und der entsprechenden Bundesanleihe auf 2,25 Prozentpunkte. Das ist die höchste Differenz seit dem 21. April.

Kurse auf Talfahrt

Die Rendite der zehnjährigen griechischen Staatsanleihe erhöhte sich um bis zu 25 Basispunkte auf 5,39 Prozent. Damit verbunden ist ein deutlicher Kursverlust der Staatsanleihe von bis zu 1,9 Prozentpunkten. Auch die Risikoprämien für die Absicherung von Forderungen gegenüber dem griechischen Staat verteuerten sich deutlich. Die Kreditausfallversicherung, der sogenannte Credit Default Swap (CDS), für eine Forderung von 100 Millionen Euro kostete am Dienstag eine jährliche Prämie von bis zu 2,1 Millionen Euro. Das sind fast 200.000 Euro mehr als noch am Montag. Damit ist der CDS-Spread um 10 Prozent gestiegen.

Die Analysten von Fitch und S&P verweisen auf die angespannte Haushaltslage Griechenlands. An den Märkten hatte die Bekanntgabe eines doppelt so hohen Defizits in diesem Jahr wieder Zweifel an der Haushaltsstatistik genährt. Die EU-Statistikbehörde Eurostat hat immer wieder die Defizitzahlen der griechischen Regierung kritisiert. Es besteht der Verdacht, dass sich das Land mit geschönten Haushaltszahlen den Beitritt zum Euro-Währungsraum erschlichen hat.

Schuldenkrise

Anfang Oktober sorgte die neugewählte sozialdemokratische Regierung Griechenlands für einen abermaligen Paukenschlag: Nach ihrer Schätzung fällt die Neuverschuldung in diesem Jahr mit 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) fast doppelt so hoch aus, wie die Vorgängerregierung noch prognostiziert hatte. Nach den Maastrichter Konvergenzkriterien darf das Haushaltsdefizit nur maximal 3 Prozent des BIP betragen. Die Fitch-Analysten verweisen in ihrer Begründung für die Herabstufung auch auf die angeschlagene Glaubwürdigkeit der griechischen Fiskalbehörden.

Fitch erwartet, dass die Gesamtverschuldung des griechischen Staates auf bis zu 130 Prozent des BIP anwachsen wird, bevor eine Stabilisierung eintritt. Die S&P-Analysten prognostizieren für das kommende Jahr eine Schuldenlast von bis zu 125 BIP-Prozent. Das wäre das höchste Niveau innerhalb des Euro-Raumes. Nach den Maastrichter Konvergenzkriterien darf der Schuldenstand nicht mehr als 60 Prozent des BIP ausmachen, falls keine deutlich rückläufige Tendenz erkennbar ist.

Als sehr schwierig hatte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments die Haushaltslage in Griechenland bezeichnet. Er forderte die Regierung in Athen zu strikter Haushaltsdisziplin auf. In Reaktion auf die Fitch-Herabstufung kündigte der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou einen entschlossenen Schuldenabbau an. Im kommenden Jahr will die griechische Regierung das Defizit um 3,6 Prozentpunkte auf 9,1 BIP-Prozent verringern.

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: F.A.Z., REUTERS

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Eine Antwort to “Griechenland: Im Rating abgestuft…”

  1. […] } Wenige Wochen nachdem die Ratingagentur Fitch Griechenland in der Bonität herabgestuft hat, folgte nun die Herabstufung durch Standard & Poors: von BBB+ auf A-. Und der Ausblick ist […]

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