Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

England: 940 Mrd. EUR für die Banken…

Posted by hw71 - 8. Dezember 2009


Unsummen für Bankenrettung auch in England – und die Boni dürfen natürlich auch dort nicht fehlen…

Gefunden bei faz.net:

Großbritannien

850 Milliarden Pfund für die Banken

Von Marcus Theurer, London

04. Dezember 2009 Die Briten empören sich darüber, dass Banker trotz bislang beispielloser staatlicher Rettungshilfen für die Finanzkonzerne dieses Jahr bereits wieder hohe Gehälter kassieren. Nach Schätzung von Finanzstaatssekretär Paul Myners werden 2009 mindestens 5000 britische Banker ein Einkommen von mehr als 1 Million Pfund (rund 1,1 Millionen Euro) beziehen.

Die Banken müssten „in die reale Welt zurückkehren“, forderte Myners. Medienberichten zufolge will allein die vom Staat vor dem Zusammenbruch gerettete mehrheitlich verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) Bonuszahlungen von insgesamt 2 Milliarden Pfund ausschütten. Dies sei notwendig, um Leistungsträger in der Belegschaft nicht an die Konkurrenz zu verlieren, argumentiert die RBS, die nun aber angeblich Abstriche an der Bezahlung vornehmen will.

Gleichzeitig mit dem Wiederaufflammen des Streits um Bonuszahlungen in der Finanzbranche hat der britische Rechnungshof National Audit Office (NAO) am Freitag erstmals die möglichen Kosten der Bankenrettung veröffentlicht. Laut NAO stellte der britische Staat bisher insgesamt 850 Milliarden Pfund bereit. Die Summe entspricht fast 14.000 Pfund je Einwohner oder rund 60 Prozent des britischen Bruttoinlandsprodukts. Alle 62 Millionen Briten müssten also mehr als sieben Monate lang ihr gesamtes Einkommen aufwenden, um diesen Betrag aufzubringen.

Rechnungshof verteidigt Finanzspritzen

Großbritannien wird in der Krise seine große Abhängigkeit vom Finanzsektor zum Verhängnis (siehe Grafik). So musste zum Beispiel auch Deutschland seine Banken mit hohen Summen unterstützen, die jedoch deutlich niedriger sind als in Großbritannien. Der staatliche deutsche Bankenhilfsfonds Soffin hat bisher ein Volumen von 480 Milliarden Euro, hinzu kommen milliardenschwere Kapitalspritzen der Bundesländer für ihre Landesbanken.

Grafik Bankaktiva im Verhältnis zum BIP

Bankaktiva im Verhältnis zum BIP (klicken für größere Darstellung)

Wie viel die Bankenrettung die Briten am Ende tatsächlich kostet, wird erst in einigen Jahren feststehen, weil ein großer Teil dieses Hilfspakets auf die Übernahme befürchteter zukünftiger Verluste durch den Staat entfällt, deren Höhe unklar ist. Bisher hat die Regierung laut NAO 117 Milliarden Pfund für Kapitalspritzen und Notkredite ausgegeben.

Trotz des gewaltigen Volumens hält der Rechnungshof das Hilfspaket für notwendig. „Das Finanzministerium hat richtig gehandelt, indem es das Geld der Steuerzahler dafür eingesetzt hat, die Spareinlagen zu sichern und das Finanzsystem zu stabilisieren“, sagte der NAO-Vorsitzende Amyas Morse. Hätte die Regierung marode Finanzkonzerne wie die RBS und die Lloyds-Bankengruppe pleitegehen lassen, wären die Folgen unabsehbar gewesen. Allein die aufaddierte Bilanzsumme der beiden größten Krisenfälle im britischen Bankensektor beträgt rund 3 Billionen Pfund, also mehr als das Doppelte des britischen Volkseinkommens. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme der Deutschen Bank, als größtes deutsches Geldhaus, beträgt umgerechnet rund 1,8 Billionen Pfund.

Text: F.A.Z.

Bildmaterial: F.A.Z.

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