Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Staatsbankrotte auch im Euro-Raum?

Posted by hw71 - 3. Dezember 2009


„Wo ist das nächste Dubai?“ wird im folgenden Artikel gefragt – ein paar Kandidaten gibt es auch im Euroraum. Zitat aus dem Artikel: „Es sei nicht mehr die Frage, ob ein Staatsbankrott komme, sondern nur wann er passiere.“

Gefunden bei tagesschau.de:

01.12.2009 18:04

Wo ist das nächste Dubai?

Die Dubai-Krise war kein Einzelfall, warnen kritische Ökonomen und Anleihe-Experten. Sie rechnen mit weiteren Staaten, die wegen ihrer Verschuldung SOS senden müssen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Pleitegeier kommt.

Erst Island, dann Ungarn, Ukraine, Lettland, Kalifornien, die Cayman-Inseln und jetzt Dubai – die Liste der drohenden Staatspleiten wird immer länger. Bisher wurden zwar alle Pleite-Kandidaten gerettet, doch ein Fall wie Argentinien scheint nicht mehr ausgeschlossen. 2002 konnte das Land seine Schulden nicht mehr bedienen und erklärte offiziell seinen Bankrott. Die Dubai-Krise hat die Ängste vor einem neuerlichen Staatsbankrott wieder angeheizt. Anleger befürchten, „dass es da draußen noch mehr Dubais gibt, die an der Krise zu kauen haben“, sagte zu Wochenbeginn ein Börsianer.

Eine Reihe gefährdeter Länder

So sieht der Harvard-Ökonom und ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff, „eine Reihe gefährdeter Länder“. Vor allem in Osteuropa sei das Risiko hoch. Die Wahrscheinlichkeit einer Pleite von ein oder zwei mittel- oder osteuropäischen Ländern liege bei über 50 Prozent, sagte Rogoff in der „Süddeutschen Zeitung“ am Dienstag.

Jochen Felsenheimer, Kredit- und Schuldenexperte der Fondsgesellschaft Assénagon, pflichtet ihm bei. Es sei nicht mehr die Frage, ob ein Staatsbankrott komme, sondern nur wann er passiere, meint er im Interview mit boerse.ARD.de.

Die Geschichte ist voller Staatspleiten

Historisch betrachtet sind Staatspleiten nichts Ungewöhnliches. Laut einer Analyse von Harvard-Ökonom Rogoff hat es in den vergangenen sieben Jahrhunderten zahlreiche Zusammenbrüche gegeben. Staaten gaben zu allen Zeiten mehr aus als sie einnahmen, bis ihnen das Geld ausging. Die Bankrott-Geschichte reicht bis 1340 zurück. Damals konnte der englische König Edward III. seine Schulden bei italienischen Bankiers nicht mehr bedienen. Es folgten mehr als 100 kriegerische Jahre.

Allein in den vergangenen zwei Jahrhunderten waren 90 Länder zeitweise bankrott. Selbst Deutschland war davon betroffen. Durch Währungsreformen verloren Anleihebesitzer zwei Mal ihr Kapital – 1923 und 1948. In den 80er Jahren steckten Brasilien, Argentinien und Mexiko in der Schuldenkrise, in den 90er Jahren war Russland zahlungsunfähig, bevor Anfang des Jahrtausends Argentinien offiziell pleite ging. Meist war die Verschuldung in fremden Währungen der Hauptgrund für die Zahlungsnot.

Pleiteszenarien selbst im Euro-Raum

Doch die jetzige Krise könnte auch Staaten erfassen, wo die Schulden mehrheitlich mit derselben Währung gezahlt werden, in der die Bürger ihre Steuern zahlen. Ökonomen und Anleihen-Experten schließen inzwischen einen Zusammenbruch von Euro-Staaten wie Griechenland, Irland oder selbst Spanien, Italien und Österreich nicht mehr gänzlich aus. Die Risikoaufschläge sind zuletzt wieder sprunghaft gestiegen, nachdem sie in den letzten Monaten zurückgegangen waren. Die Rendite von griechischen Staatsanleihen stieg auf knapp fünf Prozent und lag damit deutlich höher als Bundesanleihen, die mit 3,2 Prozent rentierten. Wenn die Banken wieder in eine Stress-Situation geraten, könnten die Risikoaufschläge für Anleihen finanzschwacher Staaten weiter zunehmen, glaubt Assénagon-Experte Felsenheimer.

Sollte es tatsächlich zu einer Pleite in der Eurozone kommen, wären die Auswirkungen auf die Gemeinschaftswährung verheerend. Die meisten Experten erwarten daher, dass die EU ein solches Horror-Szenario nicht zulassen werde. Felsenheimer dagegen hält einen Austritt eines Staates aus der EU für wahrscheinlicher.

Droht Ausverkauf am Rentenmarkt?

Andererseits sind viele Staaten mehr denn je auf die Ausgabe von Anleihen angewiesen. Nur so können sie den wachsenden Schuldenberg und ihre milliardenschweren Konjunktur-Rettungspakete finanzieren. Und auch die Unternehmen greifen angesichts mit Krediten knausernder Banken verstärkt zum Instrument der Anleihen. So wurden bis Ende Oktober in Europa Anleihen mit einem Volumen von knapp 240 Milliarden Euro auf den Markt gebracht – schon jetzt mehr als im Rekordjahr 2001. Zudem wurde die Nachfrage nach Staatsanleihen mit der Notenpresse finanziert. Die Fed nahm US-Staatsanleihen im Wert von 300 Millionen Dollar ab, um frisch gedrucktes Geld in den Kreislauf zu pumpen. Damit dürfte es möglicherweise 2010 vorbei sein. „Die nächste Ausverkauf am Rentenmarkt droht“, sagt Joachim Fels, Chefvolkswirt von Morgan Stanley.

Die Anleihen-Rally in diesem Jahr steht folglich vor ihrem Ende. Für 2010 rechnen Experten allenfalls mit moderaten Kursgewinnen.

nb

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