Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Sony Ericsson entläßt weltweit 25% der Mitarbeiter

Posted by hw71 - 24. November 2009


Gefunden bei wirtschaftsblatt.at:

von Thomas Jäkle | 17.11.2009 | 16:48

Sony Ericsson hat sich „verrannt“

Der japanisch-schwedische Handyhersteller sucht einen Weg aus der Sackgasse. Eigenen Angaben zufolge hat sich das Unternehmen „verrannt“, was Effizienz, Kommunikation und Produktpalette anbetrifft. Ab 2010 soll mit geschrumpfter Mannschaft und Produktportefolio im Premium-Segment die Wende geschafft werden.

Wien. „Wir haben uns ein bisschen verrannt“, erklärte Susanne Burgdorf, Pressesprecherin von Sony Ericsson für Deutschland, Österreich und Schweiz, anlässlich einer Produktvorstellung in Wien. Im Jahr 2008 hat Sony Ericsson die Notbremse gezogen, um den Abwärtstrend zu stoppen, der aber bis zuletzt angehalten hat.

Absturz am Weltmarkt

Der Weltmarktanteil von Sony Ericsson betrug zuletzt nach Angaben des IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Gartner nur noch 4,4 Prozent (Ende September 2009). Gegenüber dem Vorjahr ist der Marktanteil von 8,1 Prozent somit fast um die Hälfte abgestürzt. Die Wettbewerber Samsung und LG aus Korea, sowie US-Hersteller Apple und RIM aus Kanada sind bei Smartphones in den vergangenen zwölf Monaten an Sony Ericsson vorbei gezogen.

„Wir müssen schlanker werden“, erklärt Burgdorf im Gespräch mit dem WirtschaftsBlatt. Rund 2500 bis 3000 der 11.500 Jobs, also rund 26 Prozent, werden derzeit weltweit gestrichen. Das erste sichtbare Zeichen der Reorganisation ist die Zusammenlegung verschiedenen Regionen. Der Anschluss der Region Österreich und Schweiz (CHAT) an Deutschland und Niederlande wurde erst kürzlich vollzogen. Österreich-Chefin Gaal wurde als neue Geschäftsführerin nach Kanada abkommandiert. Die Zahl der Jobs in Österreich bleibt mit 15 unverändert.

In Österreich ist Sony Ericsson nach Angaben der Sprecherin unverändert nach Marktanteilen auf Rang zwei mit rund 21 Prozent – im Vorjahr waren es noch 23 Prozent. Angaben zum Umsatz und Gewinn wollte das Unternehmen nicht bekannt geben. Weltweit erzielte Sony Ericsson im dritten Quartal 2009 einen Verlust von 199 Millionen € (Vorjahresquartal minus 23 Millionen €). Der Umsatz fiel im Vergleichzeitraum von 2,8 Mrd € auf 1,6 Mrd. €.

Funkprobleme „inhouse“

Die Probleme, die das 2001 gegründete Joint Venture die letzten drei Jahre mitgeschleppt hat, seien teils selbstgemacht, teils durch Währungsschwankungen entstanden, sagt Burgdorf. In den Entwicklungsabteilungen im schwedischen Lund sowie in Kista nahe Stockholm haben Entwicklungsteams teilweise parallel an gleichen Projekten gearbeitet. „Da gab es Probleme mit der Kommunikation“, räumt Bergdorf ein, die gerade abgestellt werden. Die Organisation ist einfach zu schwerfällig geworden.“ Das Unternehmen ist intern auch im 8. Jahr seines Bestehens noch immer in eine japanische Region sowie „Rest der Welt“ aufgeteilt. „Der japanische Markt funktioniert auch ganz anders“, meint Burgdorf.

Darüber hinaus habe die wirtschaftliche Situation am Weltmarkt sowie Währungsschwankungen dem Unternehmen zu schaffen gemacht.

Fokus auf Premium-Segment

Im kommenden Jahr will das Unternehmen mit einer abgespeckten Struktur sowie mit einer schlankeren Produktpalette die Wende herbeiführen. Von 30 auf etwa 20 neue Handymodelle pro Jahr will der weltweit fünftgrößte Handyhersteller sein Portfolio reduzieren.

Mit einem neuen Smartphone mit verschiedenen Multimedia-Funktionen will man sich im ersten Quartal 2010 im margenträchtigen Premium-Segment zurückmelden. Der Termin für die Markteinführung ist noch nicht fixiert. Angekündigt wurde das Gerät bereits im ersten Halbjahr 2009. Der empfohlene Richtpreis beläuft sich auf 699 €. Suchmaschinenhersteller Google liefert das Betriebssystem. Allerdings nur in der Version 1.6. Die neueste Android-Version 2.0, die ebenso im Frühjahr verschiedene Hersteller von Handys ausliefern werden, könne man nachträglich installieren, sagt Andreas Burtscher, Produktmanager von Sony Ericsson Österreich.

Technische Fragezeichen

Dies dürfte allerdings nicht so einfach sein. Nach derzeitigem Stand sind Synchronisationen und updates der Handysoftware vom Internet via PC nicht einfach per Knopfdruck möglich. Über den Umweg der Software Microsoft Exchange könne man die Daten austauschen, sagt Burtscher.

Nutzer von Apple-Laptops sind mit dem Sony Ericsson-Handy nicht kompatibel.

Sony Ericsson werde auch künftig unverändert auf verschiedene Betriebssysteme setzen – also Symbian, Windows Mobile sowie Android. Damit wolle man sich die verschiedenen Wege zu den Kundensegmenten offen lassen. Außerdem komme es bei Smartphones letztendlich auf die Software an. „Telefone leben von den Entwicklern“, sagt Burtscher.

Verkauft werden soll die neue Produktpalette über alle heimischen Netzbetreiber. „Wir stehen in Verhandlung“, sagt Sprecherin Burgdorf. Die Vorzeichen schauen recht gut aus. Nach den Walkman-Handys und Foto-Handys mit der Technologie aus dem Haus Sony wolle man nun wieder neue Standards setzen.

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