Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Mayer & Cie plant die Hälfte seiner Mitarbeiter freizustellen

Posted by hw71 - 24. November 2009


Update, 24.11.2009: Neuer Artikel nach der gestrigen Betriebsversammlung ans Ende angehängt => für 232 Mitarbeiter kommt das Aus schon nächste Woche! 😦

Gefunden bei schwarzwaelder-bote.de:

ALBSTADT

Albstadt – Freistellungen bei insolventer Firma Mayer & Cie

Albstadt-Tailfingen – Der Insolvenzverwalter der Firma Mayer & Cie. plant laut Angaben der IG Metall, mehr als die Hälfte der derzeitigen Mitarbeiter freizustellen. Dazu hat er vom 1. Dezember an die Möglichkeit. Mayer & Cie. beschäftigt momentan rund 450 Mitarbeiter.

Zu Jahresbeginn, also zu einem Zeitpunkt, als Mayer & Cie. noch nicht insolvent war, hatte die Geschäftsführung die Entlassung von rund 150 Mitarbeitern erwogen. Laut Gewerkschaft dürfte die Zahl nun um einiges höher ausfallen. Ob es einen Sozialplan geben wird und, falls ja, zu welchen Konditionen, steht laut Walter Wadehn, dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Albstadt, derzeit in den Sternen.

Freistellung könnte auch unkündbare Mitarbeiter treffen

Die freigestellten Mitarbeiter, so das Angebot des Insolvenzverwalters, könnten für einige Monate – weniger als ein halbes Jahr – in einer Transfergesellschaft unterkommen, falls sie sich zum Verzicht auf eine Kündigungsklage bereit erklären. Die geplante Freistellung könnte laut Wadehn auch Mitarbeiter betreffen, die eigentlich als unkündbar gelten, beispielsweise Altersgesicherte und Mitglieder des Betriebsrats.

Für diejenigen, die weiter beschäftigt werden, soll laut Gewerkschaftsangaben künftig die 40-Wochen-Stunde verbindlich sein, und zwar dauerhaft. Gegen die Freistellungen, so Wadehn, könne die IG Metall nichts unternehmen; sie werde sich jedoch aus beschäftigungspolitischen Gründen der Forderung nach der 40-Stunden-Woche und auch nach einem dauerhaften Verzicht auf Urlaubsgeld verweigern:

Auch in der Vergangenheit habe sie einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit nur in Wachstumsphasen zugestimmt – von Wachstum könne aber derzeit keine Rede sein. Die 40-Stunden-Woche werde es Mayer & Cie. nur ermöglichen, auf noch mehr Mitarbeiter zu verzichten.

Die IG Metall, erklärt Wadehn weiter, schlage vor, den umgekehrten Weg zu beschreiten und die derzeitige Wochenarbeitszeit von 35 Stunden weiter abzusenken, um entsprechend mehr Mitarbeiter in Lohn und Brot zu halten.

Von Martin Kistner

20.11.2009 – aktualisiert am 20.11.2009 06:50

Nachtrag vom 24.11.2009 – gefunden bei schwarzwaelder-bote.de:

NACHRICHTENTICKER ALBSTADT

Das Tafelsilber ist längst weg

Albstadt-Tailfingen. In einer Betriebsversammlung hat Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery gestern den Mitarbeitern von Mayer & Cie. mitgeteilt, wie es mit der Firma weitergeht. Für 232 Mitarbeiter kommt das Aus schon nächste Woche.

Von den 445 Mitarbeitern der insolventen Firma Mayer & Cie. mit Hauptsitz in Tailfingen sollen nach derzeitigem Stand 213 bleiben, dazu alle 34 Auszubildenden. So hatte es Insolvenzverwalter Wolfgang Bilgery aus Stuttgart gestern in einer fast zweistündigen Betriebsversammlung erklärt.

232 Mitarbeiter erhalten die Kündigung zum 2. Dezember, haben aber die Möglichkeit, für sechs Monate in eine so genannte Beschäftigungs- und Qualifizierungs-Einheit (BQE) zu wechseln, wie Walter Wadehn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Albstadt, auf Anfrage des Schwarzwälder Boten erklärte. Sie erhielten dann noch 80 Prozent ihrer bisherigen Bezüge. Kommt die BQE – ein Angebot das Wolfgang Bilgery nach eigenen Angaben der Belegschaft als Ganzes gemacht hat – nicht zustande, würden die Mitarbeiter zum 2. Dezember freigestellt und seien de facto arbeitslos.

Für die Mitarbeiter, die nach derzeitigem Stand bleiben können, fällt wohl das Urlaubs- und Weihnachtsgeld vorerst weg. Außerdem sollen sie rund 40 Stunden pro Woche arbeiten statt bisher 35 – eine Formel, mit der die IG Metall nicht einverstanden sei, so Wadehn. Er will sich für eine 30-Stunden-Woche stark machen, um mehr Mitarbeiter in Arbeit halten zu können, wenn auch um den Preis von Lohnabschlägen. Bilgery teilte dem Schwarzwälder Boten auf Anfrage mit, dass in dieser Sache noch Verhandlungen geführt werden – Ausgang offen.

Der Insolvenzverwalter, der als einziger sprach, obwohl sowohl die Geschäftsführung als auch Mitglieder der Familie Mayer anwesend waren, hatte noch mehr schlechte Nachrichten dabei: »Tafelsilber« sei keines mehr da, berichtete Walter Wadehn nach der Versammlung.

Die Maschinen des Herstellers von Rundstrickmaschinen seien entweder den Banken als Sicherheit zur Verfügung gestellt oder schon vor Jahren verkauft und dann zurück geleast worden. Im Klartext: Was nicht den Banken gehört, hat die Firma bereits versilbert und benutzt es gegen Entgelt weiter.

Auch die Lizenzen seien nicht mehr Eigentum der Familie Mayer und des Unternehmens, sondern bereits vor Jahren für 6,5 Millionen Euro an eine Münchner Gesellschaft verkauft und ebenfalls geleast worden, wobei der Verkaufsgewinn bereits aufgezehrt sein soll. Wie es konkret weitergeht, hängt laut Walter Wadehn nun auch noch davon ab, ob die Banken einen Teilverzicht erklären. Fest steht wohl schon, dass die alte Geschäftsführung auch die neue sein wird.

Für das nächste Jahr rechne das Unternehmen mit einem Umsatz auf dem Niveau von 2009 – bis Ende September lag dieser bei 38 Millionen Euro. Der Verlust im gleichen Zeitraum betrug laut Bilgery 7,6 Millionen Euro. Im Jahr 2008, in dem die Firma wegen ihres hohen Exportanteils die Weltmarktkrise bereits im Frühjahr gespürt hat, lag der Umsatz bei 38, der Verlust bei 14 Millionen Euro. 2007, im bisher letzten Jahr mit Gewinn, lag der Umsatz bei 103 Millionen Euro.

Wie Wolfgang Bilgery betont, wird es nicht reichen, die Belegschaft zu reduzieren. Mit Beginn des Insolvenzverfahrens Anfang Dezember müssten auch die Produktionsabläufe verbessert, das Sortiment vereinheitlicht und die Märkte neu strukturiert werden, wenn die Firma weiter bestehen solle.

Wirtschaft

Von Karina Eyrich

24.11.2009 – aktualisiert am 24.11.2009 19:24

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