Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Droht im Zwilling-Werk Solingen Massenentlassung?

Posted by hw71 - 16. November 2009


Gefunden bei solinger-tageblatt.de:

14.11.2009 10:26

Kippen 150 Jobs im Zwilling-Werk?

PERSONALABBAU Rund ein Viertel der Belegschaft droht ab Januar 2010 die Arbeitslosigkeit.

Der Schock kam plötzlich und sitzt tief: Gestern erfuhren die knapp 600 Mitarbeiter der Zwilling J. A. Henckels AG in einer außerordentlichen Betriebsversammlung, dass ihnen im neuen Jahr eine Massenentlassung droht. Rund ein Viertel der Belegschaft, etwa 150 Mitarbeiter, stehen nach ST-Informationen zur Disposition. Weder die Solinger Unternehmensleitung noch der Betriebsrat wollten gestern eine Stellungnahme dazu abgeben, wohl aber der Pressesprecher der Werhahn-Gruppe, zu der Zwilling gehört.

Wilhelm Bloess wollte weder Zahlen noch einen Zeitraum nennen, bestätigte aber „eine Anpassung des Personalstandes am Produktionsstandort Solingen“. Grund sei, dass durch die weltweite Wirtschaftskrise besonders Luxusprodukte stark betroffen seien. Dadurch sei auch der Absatz der hochwertigen Zwillingmesser entsprechend stark von dieser Krise beeinflusst. Bloess: „Und eine schnelle Erholung der Situation ist nicht absehbar.“ Im laufenden Jahr sei die schwache Auftragslage für den Standort Solingen durch Kurzarbeit kompensiert worden, so dass betriebsbedingte Entlassungen hätten verhindert werden können. Seit März 2009 steht das Solinger Werk in Kurzarbeit. Leider sei die Prognose zur zukünftigen Auslastung des Produktionsstandortes Solingen, an dem ausschließlich Kochmesser der besten Qualität hergestellt werden, „weiterhin unzureichend“. „Darum sind kontinuierliche Personalanpassungsmaßnahmen unvermeidbar“, sagt Bloess, ohne Details zu nennen. Die erfuhren jedoch die Mitarbeiter auf der auf Betreiben des Betriebsrates anberaumten außerordentlichen Betriebsversammlung: Ab dem 1. Januar sollen im ersten Schritt „einvernehmliche Vorruhestandsregelungen“ herbeigeführt werden. Das beträfe rund 50 Mitarbeiter.

Sollten diese Maßnahmen der wirtschaftlichen Situation nicht Rechnung tragen, so würden im nächsten Schritt betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen, um „eine betriebswirtschaftlich vertretbare Mitarbeiterzahl“ zu erreichen, ließ die Unternehmensleitung in der Versammlung wissen.

Das könnten dann bis zu 100 Mitarbeiter sein, davon überproportional viele aus dem Zwilling-Verwaltungsbereich, wie das ST von „geschockten“ Mitarbeitern erfuhr.

Sie glauben nicht daran, dass die Personalreduzierung mit „großer Umsicht und so sozialverträglich wie möglich“ umgesetzt werde, wie es Werhahn-Pressesprecher Bloess ausdrückt.

Nach ST-Informationen soll auch die Zahl von derzeit 70 Auszubildenden auf gerade eine Handvoll reduziert werden.

Herbe Kritik habe sich die Unternehmensleitung gefallen lassen müssen, heißt es. Von „gravierenden Management-Fehlern“ sei die Rede gewesen, schildert ein langjähriger „Zwilling“. Hintergrund: Man habe sich zu lange nur auf hochwertige Haushaltsmesser versteift. Unverständnis rufe auch hervor, dass man nicht weiter kurzarbeite, sondern bei stark reduzierter Belegschaft auf die 35-Stunden-Woche wechsle, aber mehr produzieren wolle. Ein anderer Mitarbeiter sprach gestern nach der Mittagsschicht den Kollegen aus der Seele: „Angst hat sich breit gemacht. Das ist vor dem Weihnachtsfest eine schöne Bescherung, wenn Arbeitslosigkeit droht.“ hpm

DAS UNTERNEHMEN

ZAHLEN Zwilling wurde 1731 gegründet und gehört seit 1970 als Aktiengesellschaft zur Werhahn-Gruppe. Um-satz 2008: 331 Millionen Euro, davon 80 Prozent im Ausland. Weltweit 13 Produktionsstandorte mit 3900 Mitarbeitern.

BETEILIGUNGEN Tweezerman International (USA) und Tweezerman India (Beauty-produkte), Arcos Hermanos (Spanien, Messer), Jaguar (Friseurbedarf, Scheren), Tondeo (Friseurbedarf, Profi-Scheren), Demeyere (Belgien, Kochgeschirr) und Staub (Frankreich, Gussgeschirr).

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