Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Arbeitslosigkeit auf höchstem Stand seit 1983!

Posted by hw71 - 9. November 2009


Gefunden bei ftd.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Dämpfer für US-Wirtschaft

US-Arbeitslosigkeit auf höchstem Stand seit 1983

Produktivitätsdaten und die Niedrigzinspolitik begeistern Börsianer. Der Dow Jones übersprang die symbolträchtige Marke von 10.000 Punkten. Doch der US-Arbeitsmarkt ist schwach: Im Oktober kletterte die Arbeitslosenquote auf ein 26-Jahreshoch.

von Tobias Bayer Frankfurt

Die US-Arbeitslosenquote ist im Oktober zum ersten Mal seit 1983 über die Marke von zehn Prozent geklettert. Sie stieg von 9,8 auf 10,2 Prozent, 190.000 Stellen gingen verloren. Das ist mehr als erwartet. Volkswirte hatten mit einem Anstieg der Quote auf 9,9 Prozent und einem Abbau von 175.000 Stellen gerechnet. Die Börsen reagierten mit Abschlägen, der Dollar legte zu, Anleihen gewannen ebenfalls.

Die Vereinigten Staaten befinden sich seit Dezember 2007 in der Rezession. Allerdings ist eine Erholung spürbar. Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum ersten Mal seit Mitte 2008 wieder, das Plus lag in der ersten Schätzung bei auf das Jahr hochgerechneten 3,5 Prozent. Die Frage lautet: Wird sich das Wachstum so rasant fortsetzen oder nicht? Die am Freitag veröffentliche Statistik des Arbeitsministeriums lässt nichts Gutes hoffen. Seit Beginn des Abschwungs Ende 2007 gingen 7,3 Millionen Jobs verloren. Eine höhere Arbeitslosenquote belastet den Konsum, der 70 Prozent des US-BIP ausmacht.

„Aus dem heutigen Arbeitsmarktbericht lässt sich ein baldiger geldpolitischer Strategiewechsel der US-Notenbank nicht ableiten. Zwar nimmt die Zahl der Stellenstreichungen tendenziell ab, mit einem Minus von 190.000 Stellen liegt sie auf dem niedrigsten Niveau seit August 2008. Der Anstieg der Arbeitslosenquote auf 10,2 Prozent ist aber enttäuschend und so bleibt der Arbeitsmarkt bisweilen ein Unsicherheitsfaktor für die Konsumnachfrage“, sagte Ulrich Wortberg, Renten- und Devisenanalyst der Helaba. Die Fed hatte am Mittwoch den Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent belassen.

Ähnlich skeptisch fällt die Einschätzung von ING-Volkswirt Rob Carnell aus. „Mit der höchsten Arbeitslosenquote seit 1983 kann nun niemand behaupten, dass es sich um einen erfreulichen Bericht handelt.“ Carnell verwies auf den Household-Survey – das ist die zweite Statistik -, der in den vergangenen drei Monaten einen Stellenabbau von 589.000 Jobs auswies. „Viele Arbeitslose fielen aus der Statistik, weil sie sich nicht mehr registrierten. Sollten sie in den kommenden Monaten zurückkehren, könnte das die Arbeitslosenquote auf elf Prozent erhöhen“, sagte Carnell. Das wäre mehr als das historische Hoch. Ende 1982 hatte die Arbeitslosenquote 10,8 Prozent erreicht. Die Daten werden seit 1948 erhoben.

Setzt sich der Anstieg der Arbeitslosenquote fort, könnte das die Erholung der US-Wirtschaft dämpfen. „Wir glauben, dass die quartalsweisen Wachstumsraten der US-Wirtschaft ab dem 1. Quartal 2010 zurückgehen werden, da die Beiträge von Lagerveränderung und Eigenheimkäufen schrumpfen werden und andere Bereiche dies nicht zur Gänze ausgleichen werden können“, sagte Rainer Singer, Volkswirt bei Erste Group.

„Die Gründe dafür sind, dass der private Konsum durch die Vermögensverluste bei Immobilien und die steigende Arbeitslosenrate bis weit ins Jahr 2010 gedämpft bleiben wird. Gleichzeitig gibt es bei den Unternehmen nicht ausgelastete Kapazitäten, so dass mit keinem Investitionsschub auf absehbare Zeit zu rechnen ist.“

Produktivität der Amerikaner steigt

Immerhin gibt es auch eine positive Seite. Unternehmen entlassen Mitarbeiter, um Kosten zu reduzieren. Das spiegelt sich nicht nur in steigenden Gewinnen, sondern auch in einer steigenden Produktivität wider. Demnach erreichte die Produktivität der amerikanischen Arbeiter im dritten Quartal das höchste Niveau seit sechs Jahren. Es verzeichnete von 6,6 auf 9,5 Prozent einen regelrechten Sprung. Die Lohnstückosten fielen um 5,2 Prozent.

Dekabank-Volkswirt Rudolf Besch sieht in den Daten nicht allein eine Entlassungsproduktivität. „Anders als noch im Vorquartal ging die hohe Produktivität nicht alleine auf eine verringerte Anzahl an Arbeitsstunden zurück. Diese sanken zwar stärker als von uns erwartet. Aber der Produktivitätsanstieg ging im dritten Quartal auch auf einen gestiegenen Output zurück“, schrieb Besch in einem Researchbericht.

Leitzins längerfristig außerordentlich tief

Das Plus habe auf das Jahr hochgerechnet bei 4,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal gelegen. Besch sieht darin auch Effizienzgewinne, die an die Mitarbeiter in Form höherer Löhne weitergegeben worden seien. „Die US-Wirtschaft hat sich fit gemacht.“

Aus Sicht der Investoren ist eine steigende Produktivität eine gute Nachricht. Eine steigende Produktivität hält die Inflation in Schach. Das wiederum ermöglicht es der US-Notenbank Federal Reserve, den Leitzins längerfristig auf dem historischen Tief zu belassen. Am Mittwoch traf die Fed ihren Zinsentscheid und änderte auch ihr Kommuniqué an den entscheidenden Stellen nicht ab. Der Dow Jones kletterte am Donnerstag über 10.000 Punkte.

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