Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: GM will Opel behalten…

Posted by hw71 - 4. November 2009


… und hofft dabei auf „Staatshilfen“ aus Europa. Klar, dass es jetzt bei GM besser läuft – schließlich haben alle amerikanischen Autobauer von der amerikanischen Variante der Abwrackprämie profitiert. Ein bisschen Historie sowie die Begründung von GM im Wortlaut finden sich in nachfolgendem Artikel – gefunden bei ftd.de:

Kein Verkauf an Magna

GM will Opel selbst sanieren

Wende im Poker um den Autobauer. Nach monatelangem Tauziehen will General Motors seine Tochter nun doch nicht an Magna verkaufen und selbst auf Vordermann bringen. Die Milliarden dafür sollen aus Europa kommen. Politik und Betriebsrat sind verärgert. Sie fürchten um Arbeitsplätze.

Der US-Autobauer General Motors will sich nun doch nicht von seiner europäischen Tochter Opel trennen und hat den geplanten Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna abgeblasen. Der US-Konzern teilte am späten Dienstagabend mit, der Verwaltungsrat habe in Detroit entschieden, das Europageschäft rund um Opel selbst zu sanieren. Dazu wolle man unter anderem der deutschen Regierung einen Plan vorlegen.

GM-Chef Fritz Henderson bezifferte die Kosten der Restrukturierung auf 3 Mrd. Euro. In der Bundesregierung wurde die Entscheidung bedauert. Auch bei den Opel-Arbeitern stieß der Plan auf Kritik. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz sieht dadurch die Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen „akut gefährdet“.

Bei der Sanierung Opels baut der US-Autokonzern auf Staatshilfen aus Europa. „GM wird seinen Restrukturierungsplan bald Deutschland und anderen Regierungen vorlegen und hofft dabei auf eine wohlwollende Prüfung“, kündigte Henderson an. Die Kosten belaufen sich nach vorläufigen Schätzungen auf 3 Mrd. Euro. „Das ist deutlich weniger als alle Investoren-Angebote“, sagte der GM-Chef. Magna hatte 4,5 Mrd. Euro Staatshilfen angestrebt.

Die Bundesregierung erwarte nun, dass GM die von Bund und Ländern geleistete Brückenfinanzierung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro fristgerecht zurückzahle, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Außerdem gehe man davon aus, dass der US-Konzern die Leistungsfähigkeit der deutschen Tochter stärke und die erforderlichen Anpassungen auf ein „unverzichtbares Mindestmaß begrenzt“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) gebeten, am Mittwoch im Kabinett zu berichten.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) zeigte sich „sehr betroffen und zugleich verärgert“ über die Entscheidung des US- Autobauers. „Angesichts der negativen Erfahrungen der letzten Jahre mit der Unternehmenspolitik von GM mache ich mir große Sorgen um die Zukunft der Firma und seiner Arbeitsplätze“, sagte Koch.

Franz forderte die Bundesregierung auf, die für den Fall eines Verkaufs zugesagten Finanzhilfen nicht zu zahlen. „Ich gehe auch davon aus, dass sich die Bundesregierung von GM nicht erpressen lässt, zumal es mit Magna eine Alternative gibt.“ Es sei auch unwahrscheinlich, „dass GM aus anderen Ländern Geld bekommt, da diese die Zusage nur auf Basis des industriellen Konzeptes von Magna getroffen“ hätten.

Im September hatte das GM-Gremium noch den Verkauf von 55 Prozent der Opel-Anteile an den Autozulieferer Magna und dessen Partner Sberbank empfohlen. Die EU-Kommission hatte Bedenken angemeldet und GM aufgefordert, die Entscheidung zu überdenken.

Auch nach der ersten Empfehlung für Magna galt der GM- Verwaltungsrat als gespalten. Einige Mitglieder wollten Opel behalten, weil beide Hersteller aufeinander angewiesen seien: Opel allein sei zu klein zum Überleben, und GM brauche Opel wegen der modernen Technologie der Deutschen und deren Zugang zum europäischen Markt. Dieser gab nun als „wichtiger Bestandteil der globalen Strategie von GM“ auch den Ausschlag für den Stimmungswandel bei GM.

Worauf GM setzt

Henderson entschuldigte sich für den monatelangen Verhandlungsmarathon um die Zukunft Opels, an dem unter anderem mehrere Regierungen, Unternehmen, der Opel-Betriebsrat und die EU- Kommission beteiligt waren: „Wir verstehen, dass die Komplexität und Dauer dieses Themas für alle Beteiligten anstrengend war.“ Die jetzige Entscheidung sei aber die beste für Kunden, Beschäftigte, Zulieferer und Händler. „Das ist der stabilste und kostengünstigste Ansatz, um die Zukunft von Opel und Vauxhall langfristig zu sichern.“

GM werde mit den Gewerkschaften an einem Plan für ihren Sanierungsbeitrag arbeiten. Der Betriebsrat hatte aber bereits massive Proteste angedroht und lehnt jede Form von Gehaltsverzicht für eine Sanierung mit GM ab. Er fürchtet einen radikalen Stellenabbau und Werksschließungen.

Die Opel-Treuhand, bei der 65 Prozent der Anteile der deutschen GM-Tochter geparkt waren, nahm die Entscheidung aus Detroit vergleichsweise nüchtern zur Kenntnis. Der Beschluss des GM-Verwaltungsrats bedürfe nicht der Zustimmung der Treuhand. „Ich hoffe, auch im Interesse der Beschäftigten bei Opel, dass dieser Beschluss Opel zu neuer wirtschaftlicher Stabilität verhilft“, erklärte der Vorsitzende des Beirats, Fred Irwin.

Beobachter in Europa trauen GM nicht zu, die Opel-Sanierung finanziell stemmen zu können. Auch Armin Schild, Frankfurter IG-Metall-Bezirksvorsitzender und Opel-Aufsichtsratsmitglied, hatte kürzlich davor gewarnt, dass dem Autobauer unter dem Dach von GM die Pleite drohe.

Die Amerikaner geben sich hingegen zuversichtlich: „Die Finanzkraft und Stabilität von GM haben sich in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Das macht uns zuversichtlich, das Europa-Geschäft erfolgreich restrukturieren zu können.“ GM wolle zudem seine Beziehungen mit dem russischen Autobauer GAZ weiter ausbauen.

In dem monatelangen Bieterkampf hatten Bundesregierung und Opel-Betriebsrat einen Einstieg Magnas befürwortet. Sie bewerteten das Konzept des kanadisch-österreichischen Zulieferers als das einzig Tragfähige, um den angeschlagenen Autobauer in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Berlin hatte Magna dafür 4,5 Mrd. Euro Staatshilfen zugesagt.

Die Begründung von GM im Wortlaut

Angesichts der Verbesserung des Geschäftsumfeldes für GM in den vergangenen Monaten und der Bedeutung von Opel/Vauxhall für die globale Strategie von GM hat der GM-Verwaltungsrat beschlossen, Opel zu behalten, und wird eine ernsthafte Restrukturierung seines europäischen Geschäfts einleiten.

„GM wird seinen Restrukturierungsplan bald Deutschland und anderen Regierungen vorlegen und hofft dabei auf eine wohlwollende Prüfung“, sagte Präsident und Konzernchef Fritz Henderson. „Wir verstehen, dass die Komplexität und Dauer dieses Themas für alle Beteiligten anstrengend war. Unser Ziel war aber von Beginn an, die beste langfristige Lösung für unsere Kunden, Beschäftigen, Zulieferer und Händler zu erzielen, was auch die heutige Entscheidung widerspiegelt. Sie wurde als der stabilste und kostengünstigste Ansatz angesehen, die langfristige Zukunft von Opel/Vauxhall zu sichern.“

Auf vorläufiger Basis sieht der Plan von GM Restrukturierungskosten in einer Gesamthöhe von rund 3 Mrd. Euro vor, deutlich weniger als in allen Investoren-Vorschlägen. GM wird mit allen europäischen Gewerkschaften zusammenarbeiten, um einen Plan für sinnvolle Beiträge zur Restrukturierung von Opel auszuarbeiten. Während sich Opel weiterhin besser entwickelt als im Sanierungsplan vorgesehen und die Liquidität derzeit stabil ist, ist die Zeit entscheidend.

„Obwohl die Lage angespannt bleibt, hat sich das Geschäftsumfeld in Europa aufgehellt“, sagte Henderson. „Gleichzeitig haben sich die Finanzkraft und Stabilität von GM in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Das macht uns zuversichtlich, das Europageschäft erfolgreich restrukturieren zu können. Wir sind den Regierungen Deutschlands und anderer europäischen Länder für die harte Arbeit zur Bewältigung dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit dankbar. Wir schätzen auch die Bemühungen von Magna und seiner russischen Partner, eine angemessene Vereinbarung zu erreichen.“

Henderson fügte hinzu, dass GM auch hoffe, sein bereits bedeutendes Geschäft in Russland auszubauen und wieder direkt mit Gaz zusammenzuarbeiten, um dessen Geschäft zu modernisieren und den russischen Automarkt zu beiderseitigem Vorteil voranzubringen. Mehr Details zu nächsten Schritten in der Restrukturierung werden bekanntgegeben, sobald die Pläne und Entwicklungen feststehen.“

FTD.de, 09:11

© 2009 Financial Times Deutschland

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