Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

Deutschland: Schiffe sollen nicht mehr zum aktuellen Wert bilanziert werden!

Posted by hw71 - 26. Oktober 2009


…sondern stattdessen anhand der in Zukunft erwarteten Chartererlösen. Erinnert mich alles irgendwie an die Bank-Bilanzen und die „frisierten“ Ergebnisse: außen hui – innen pfui (siehe z.B. hier, hier oder hier). Unglaublich was alles getrieben wird, um den Schein zu wahren…

Gefunden bei ftd.de:

25.10.2009, 21:17

Bilanzielle Sorgen

Institute schreiben Schiffswerte hoch

Deutsche Schiffsfinanzierer planen, Schiffe nicht mehr zum aktuellen Marktpreis zu bewerten, sondern anhand der in Zukunft erwarteten Chartererlöse. Die neue Methode würde den Banken hohe Wertberichtigungen ersparen, trifft in der Branche aber auf Widerstand.

von Robin Wright, London

Vorreiter sind die HSH Nordbank und die Deutsche Schiffsbank, die stark unter der Schifffahrtskrise leiden. Andere Institute dürften sich der Initiative anschließen, erwartet die Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten (VHSS), die die neue Methode federführend entwickelt hat. Allein die HSH, der größte Schiffsfinanzierer der Welt, hat Schiffskredite im Volumen von mehr als 30 Mrd. Euro ausstehen. 42 Prozent davon stecken in Containerschiffen – dem Segment, das am härtesten vom Einbruch des Welthandels getroffen wurde. Die von der Commerzbank kontrollierte Deutsche Schiffsbank sitzt auf Schiffskrediten über 11,8 Mrd. Euro.

Die VHSS-Methode würde die Schiffsbanken aus einem Dilemma befreien: Wenn der Wert eines Frachters sinkt, den sie finanziert haben, müssen sie zusätzliches Eigenkapital hinterlegen. Sie können vom Eigner zwar zusätzliche Sicherheiten fordern, das dürfte einige Reeder aber in die Insolvenz treiben. Muss die Bank das Schiff verwerten, bekommt sie derzeit kaum Geld dafür. „Wir hoffen, mit der Methode belastbare Bewertungen zu erhalten – auch in gestörten Märkten“, sagte HSH-Manager Frank Bünte.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hat den Vorschlag der VHSS in einer im September vorgelegten Studie weitgehend unterstützt. Ob und inwieweit die Banken den Standard anwenden können, werden letztlich die zuständigen Regulierer entscheiden müssen.

Noch ist unklar, ob die Institute die VHSS-Methode für die komplette Bilanzierung anwenden wollen – also auch für ihre Finanzberichterstattung. Einige werden den Standard wohl nur heranziehen, um zu entscheiden, ob ein Reeder die Kreditvereinbarungen schon gebrochen hat oder der Wert seines Schiffs noch über den Minimalanforderungen liegt.

Doch selbst wenn die Banken das System nur für ihre interne Rechnungslegung anwenden würden, hätte dies einem Londoner Schiffsbroker zufolge große Auswirkungen: Seiner Meinung nach würden die Banken ihre Risiken falsch beziffern. Marktbeobachtern zufolge wurde ein Schiff, das nach der VHSS-Systematik 28 Mio. $ wert wäre, für nur 14 Mio. $ verkauft.

Auch Dagfinn Lunde, Leiter des Schifffahrtsgeschäfts bei der niederländischen DVB Bank, kritisiert die Herangehensweise. Die aktuellen Marktpreise würden die Situation auf den Schifffahrtsmärkten korrekt widerspiegeln, denn viele Schiffe würden beschäftigungslos vor Anker liegen. „Würden Sie einen Frachter kaufen, wenn Sie ihn nicht zu einem Preis haben könnten, der es Ihnen erlaubt, das Schiff für mindestens zwei Jahre aufzulegen, bevor Sie Geld damit verdienen?“

Kritiker meinen außerdem, die VHSS-Methode würde dabei helfen, das wahre Ausmaß der Krise zu verschleiern – und Marktteilnehmer stützen, die wenig Überlebenschancen hätten. VHSS-Chef Thomas Rehder entgegnete, die Bewertung zum Marktpreis sei nur gerechtfertigt, wenn ein Eigner wissen wolle, was der sofortige Verkauf des Schiffes bringe.

* The Financial Times, 25.10.2009

© 2009 The Financial Times

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