Chronologie der Krise

Wie aus einer Immobilienblase eine Weltwirtschaftskrise wurde…

USA: Lehman-Gläubiger stehen Schlange…

Posted by hw71 - 7. Oktober 2009


Allein deutsche Finanzinstitute fordern 50 Mrd. Dollar…

Gefunden bei handelsblatt.com:

07.10.2009, 07:16 Uhr

US-Investmentbank

Lehman-Pleite: Banken fordern 50 Milliarden

von Sonia Shinde

Ein Jahr nach der Pleite von Lehman Brothers stehen die Gläubiger Schlange: Die deutsche Finanzbranche stellt Forderungen an die pleitegegangene US-Investmentbank in Höhe von 50 Mrd. Dollar. Ansprüche melden neben den deutschen Banken auch der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) und die Deutsche Bundesbank an.

FRANKFURT. Wie aus den Aufstellungen des Forderungsverwalters Epiq Systems hervorgeht, die dem Handelsblatt vorliegen, haben die Forderungen aus der Insolvenzmasse der Amerikaner nicht nur die deutschen Banken, sondern auch der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) und die Deutsche Bundesbank gestellt.

Lehman Brothers hatte am 15. September 2008 Insolvenz angemeldet und die Finanzmärkte in eine tiefe Krise gestürzt. Die Schulden der Investmentbank sollen sich seinerzeit auf 613 Mrd. Dollar belaufen haben.

Der größte Posten der Forderungen aus Deutschland fällt auf den BdB. Er hat mehr als 25,7 Mrd. Dollar angemeldet. Nach Informationen aus Finanzkreisen handelt es sich dabei um Forderungen institutioneller Investoren wie zum Beispiel Kommunen oder kommunaler Versorger, die ihrerseits mit Forderungen an den BdB herangetreten waren. Die Entschädigungseinrichtung des Bankenverbandes selbst hat lediglich drei Mio. Euro angemeldet. Die Bundesbank macht rund 10,4 Mrd. Dollar geltend, die aus Offenmarktgeschäften stammen. Lehman hatte dafür Sicherheiten gestellt.

Spitzenreiter unter den heimischen Banken ist die Deutsche Bank, die allein rund 6,3 Mrd. Dollar fordert. Aufgrund von Kapitalmarkttransaktionen wie Absicherungsgeschäften sei der Bank aus der Lehman-Insolvenz aber kein Schaden entstanden, sagte ein Sprecher. Die Commerzbank hat 4,9 Mrd. Dollar angemeldet. Experten stufen die Chancen jedoch als gering ein, tatsächlich Geld aus der Insolvenzmasse zu bekommen.

Von den knapp 50 Mrd. Dollar, die aus Deutschland beim Lehman-Insolvenzverwalter angemeldet worden sind, stammen 13,4 Mrd. Dollar von deutschen Banken. Der Rest verteilt sich auf den Bundesverband Deutscher Banken (BdB) und die Deutsche Bundesbank. Das geht aus Aufstellungen des Forderungsverwalters Epiq Systems hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Spitzenreiter sind Deutsche Bank, Commerzbank und KfW. Rund 6,3 Mrd. Dollar verlangt allein die Deutsche Bank. Aufgrund von Gegenpositionen und Absicherungsgeschäften sei der Bank aus der Lehman-Insolvenz aber kein Schaden entstanden, sagte ein Sprecher.

Kritiker wie der Bankrechtler Julian Roberts befürchten allerdings, dass die abgewälzten Risiken die Finanzwelt noch teuer zu stehen kommen dürften – etwa wegen Ausfallversicherungen auf Kredite (Credit Default Swaps, CDS). „Es laufen derzeit noch viele CDS-Papiere gerade für Lehman auf dem Markt, die solche Kreditrisiken absichern sollten. Wenn die fällig werden, müssen sie als Totalverlust verbucht werden“, sagt Roberts. Wer die Kreditversicherungen letztlich gezeichnet hat, sei extrem schwer zu ermitteln. „Ich vermute aber, dass große Beträge zum Beispiel über die AIG geflossen sind. Der Dumme ist dann der US Steuerzahler.“ Der Staat hatte die AIG mit 143 Mrd. Dollar vor der Pleite bewahren müssen. „Mir sind auch Fälle bekannt, wo Lehman-Risiken auf Landesbanken abgewälzt wurden“, so Roberts.

Die Deutsche Bank wollte sich zu Details nicht äußern. Laut Informationen aus Finanzkreisen dürfte ein Teil der 6,3 Mrd. Dollar aber auch daher stammen, dass die Deutsche Bank aus London heraus stark in den Handel mit Lehman-Forderungen involviert ist. Auf die Londoner Niederlassung entfallen laut Epiq Systems rund 1,6 Mrd. Dollar der angemeldeten Summe.

Platz zwei unter den Banken belegt die Commerzbank mit Forderungen in Höhe von etwa 4,9 Mrd. Dollar. Davon entfallen rund 513 Mio. Dollar auf die Commerzbank AG, rund 4,4 Mrd. Dollar auf die Abteilung für notleidende Kredite (Intensive Care). „Bei den Forderungen kann es sich aber um Bruttoforderungen handeln, bei denen Sicherheiten nicht gegengerechnet wurden, oder Verbindlichkeiten der Institute gegenüber Lehman“, sagt ein Experte. Auch Mehrfach-Anmeldungen könnten nicht ausgeschlossen werden. Man stelle dann Forderungen an die Lehman-Tochter, mit der das Geschäft gemacht worden sei, an die Muttergesellschaft Lehman, die für die Tochter garantiert habe, und an denjenigen, der das Geschäft abgesichert habe. Das sei durchaus üblich.

Die Commerzbank selber wollte sich zu Details nicht äußern. „Wir haben für alle erkennbaren Risiken Vorsorge getroffen“, sagte ein Sprecher. Die KfW wiederum hat jene 500 Mio. Dollar angemeldet, die dem Institut drei Tage nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers den Titel „Deutschlands dümmste Bank“ eingebracht hatte: Trotz der Insolvenz überwies die KfW Lehman diese Summe aus einem Termingeschäft.

Gut ein Jahr nach der Pleite rechnet kaum jemand damit, wirklich viel Geld aus der Insolvenzmasse zu erhalten. Darauf deuten auch die Quoten hin, mit denen die Lehman-Forderungen gehandelt werden: So erhalten Verkäufer von Forderungen an die Lehman-Mutter gerade einmal 13 Prozent des Nominalwertes. „Das Verfahren wird Jahre dauern“, warnt Finanzrechtler Michael Rützel von der Kanzlei White & Case, die unter anderem Sparkassen im Lehman-Insolvenzverfahren vertritt. „Wie hoch die Quote letztlich sein wird, ist ungewiss, da es noch nie einen vergleichbaren Fall gegeben hat.“

Laut Lehman-Insolvenzverwalter Harvey Miller verfügt Lehman nur über Assets in Höhe von rund 639 Mrd. Dollar. Er rechnet mit Forderungen in Höhe von mehr als einer Billion Dollar. Die genaue Summe steht noch nicht fest, denn bis zum 2. November können noch die Besitzer von Schuldverschreibungen ihre Forderungen anmelden. Auch dann dürften deutsche Institute dabei sein, unter anderem Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Landesbanken.

Nach Informationen aus Finanzkreisen summiert sich das Risiko aus Engagements bei Lehman für Volks- und Raiffeisenbanken auf etwa 500 Mio. Euro, bei den Sparkassen auf circa 300 Mio. Euro. Bei den Landesbanken belaufen sich die Belastungen laut Branchenschätzungen auf etwa 1,7 Mrd. Euro. Angemeldet haben sie aber erst 238 Mio. Dollar.

Mitarbeit: Nora Nickig

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